Auf dem Weg in die Stadt der Zukunft

September 2021 | Handelsblatt | Zukunft Deutschland

Auf dem Weg in die Stadt der Zukunft

Vom Start-up bis zum Weltmarktführer: In Paderborn arbeiten Wirtschaft, Wissenschaft und Politik an einer gesunden und nachhaltigen Zukunft

Maximilian Erdmann (Gründer & Geschäftsführer Vaira), Florian Röhrs (BREMER AG), Bürgermeister Michael Dreier, Michael Dufhues (Vorstand BREMER AG) und Frank Wolters (Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Paderborn).
Paderborn / Beitrag

Lebensqualität, Infrastruktur, technologische Innovationen und ein gesunder Wirtschafts- und Lebensraum: Die Stadt der Zukunft bietet ihren Bewohnerinnen und Bewohnern mehr als nur einen Ort zum Wohnen und Arbeiten. Von veränderter Architektur und neuen Wohnformen über umweltschonende Mobilität bis zu nachhaltigem Wirtschaften und funktionsgemischten Gebieten: Neue Bedürfnisse der Stadtgesellschaft prägen die Entwicklung einer Stadt maßgeblich mit.


„Wir haben uns auf den Weg in die Stadt der Zukunft gemacht“, betont Paderborns Bürgermeister Michael Dreier nicht ohne Stolz. Er hat klare Vorstellungen davon, wie sich das Oberzentrum in den nächsten Jahren entwickeln soll: „Erklärtes Ziel ist es, die Lebensqualität zu fördern sowie den Wissens- und Wirtschaftsstandort weiterzuentwickeln. Im Drei-Kilo-meter-Radius um unser Rathaus liegen etwa 72 Hektar an Konversionsflächen, die wir nachhaltig entwickeln wollen“, beschreibt Dreier das enorme Entwicklungspotential. Dass eine davon bereits Zukunftsquartier heißt, ist daher nur logisch.


Möglich wird dies nicht zuletzt durch die Umstrukturierung der kommunalen Wirtschaftsförderung, mit der in Paderborn seit einigen Jahren die Weichen für nachhaltige Investitionen und gute Rahmenbedingungen für unternehmerisch erfolgreiches Handeln geschaffen werden.


Wenn Frank Wolters, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Paderborn, über seinen Standort spricht, dann hat er eine klare Vorstellung vom Wirtschafts- und Lebensraum der Zukunft. Ihm ist es wichtig, Dinge auszuprobieren und Räume zum Experimentieren zu öffnen. Das „Paderborn der Zukunft“ müsse dafür insbesondere die Voraussetzung erfüllen, Themen klar und offen zu formulieren, damit die Partizipation der Stadtgesellschaft generationenübergreifend ermöglicht wird. „In Paderborn gibt es diese Bereitschaft – das macht die Entwicklungen möglich“, sagt Wolters.


Insbesondere der Themenkomplex Nachhaltigkeit hat in Pader-born einen hohen Stellenwert. „2019 haben wir den Beschluss gefasst, die Stadtverwaltung und die Eigenbetriebe sowie Tochtergesellschaften bis zum Jahr 2035 CO2-neutral zu gestalten“, erklärt Bürgermeister Michael Dreier. Auch als Hobbyimker liege ihm persönlich das Thema besonders am Herzen.


Doch nicht nur das ‚Unternehmen Stadt‘ geht mit gutem Beispiel voran: Zahlreiche Firmen, vom Start-up bis zum Weltmarktführer, arbeiten in Paderborn an einer gesunden Zukunft.


„Ziel dabei ist es, den ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten“, sagt Florian Röhrs von der Paderborner BREMER AG. Diese zählt in Deutschland zu den führenden Unternehmen im schlüsselfertigen Bauen mit Stahlbetonfertigteilen, die in den eigenen Werken am Hauptsitz in Paderborn und in Leipzig geplant und produziert werden. Florian Röhrs, zuständig für die Themen Akquisition und Kalkulation, weiß, dass das Rad des Bauens nicht neu erfunden werden muss: Vielmehr gehe es darum, sich bestimmten Dingen bewusst zu werden und beispielsweise nur Materialien zu verwenden, die sauber recycelt oder entsorgt werden können.


Möglich wird dies durch eine intelligente Dokumentation der Projekte, die transparent zeigt, wie viel Prozent der Bauteile sich re- oder downcyceln lassen, wie viel biologisch abbaubar sind und wie viel entsorgt werden müssen. „Das bedeutet nachhaltiges Bauen“, verdeutlicht BREMER AG-Vorstand Michael Dufhues.

 

Durch den immer größer werdenden technologischen Anteil entwickle sich das Unternehmen zunehmend vom Bauunternehmen zum Technologieunternehmen.


„Wir haben unsere Prozesse sowohl in der Produktion als auch in der Verwaltung und Bauabwicklung digitalisiert und neue vernetzte Arbeitsweisen geschaffen“, sagt Dufhues, der einen Technologiesprung in der gesamten Bauwelt prognostiziert. Durch den verstärkten Einsatz von speziellen Soft- und Hardwarelösungen im Rahmen der Bauwerkserstellung und des Betreibens sowie der Modellierung von Gebäuden, Stichwort BIM (Building Information Modeling), wird es möglich, Gebäude wirtschaftlicher und nachhaltiger zu bauen. Selbst bei kleinen Objekten stehe dies auf der Roadmap im Nachhaltigkeitskonzept der BREMER AG, so Dufhues.
Als Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einer Betriebsleistung von 860 Mio. Euro im Jahr 2020 ist die BREMER AG europaweit ein wichtiger Player im Bereich der Projektentwicklung und Fertigung von Gebäuden bis zu jeder Leistungsgrenze.


„Im Wandel vom Bauunternehmen zum Technologieunternehmen ist die BREMER AG am Standort Paderborn bestens aufgehoben“, sagt Wirtschaftsförderer Frank Wolters. „Hier tummeln sich die Start-ups mittlerweile nur so, unmittelbar neben Hidden Champions, traditionellen Branchen und innovativen IT-Unternehmen.“ Ein Wissens- und Technologietransfer sorgt dafür, dass junge Gründerinnen und Gründer von der Universität vom Know-how der großen Player profitieren und diese wiederrum neue Impulse in die Bestandsunternehmen bringen.


So auch das Start-up Vaira von Gründer Maximilian Erdmann. Mit der gleichnamigen Plattform digitalisiert das junge Unternehmen seit 2019 die Bau- und Energiebranche. Mit einem Plattformansatz, der eine App und eine Web-Anwendung vereint, entwickelt Vaira ein Tool, das die Dokumentation von Baumaßnah-men im Bereich von Hausanschlüs-sen vereinfacht. In der App können dabei nicht nur Formulare erfasst und anschließend als Datensätze einfach verarbeitbar gemacht werden: „Alle Vermessungen in der Hausanschlussdokumentation können ganz einfach mit der Smartphone-Kamera vorgenommen werden“, erklärt Erdmann.


Die Prognosen sind deutlich: Bis zum Jahr 2050 werden mehr als 70 % der Menschen in urbanisierten Lebensräumen leben. „Mit unseren Bemühungen am Standort Paderborn sorgen wir gemeinsam mit den Unternehmen dafür, unsere Stadt als Lebens- und Wirtschaftsraum der Zukunft zu etablieren“, fasst es Wirtschaftsförderer Frank Wolters zusammen.


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