Nachhaltiges Wachstum ist das Update für unser Betriebssystem

Dezember 2021 | Handelsblatt | Perspektiven 2022

Nachhaltiges Wachstum ist das Update für unser Betriebssystem

Der umweltgerechte Umbau der Wirtschaft ist eine zweite industrielle Revolution. Ökologie und Ökonomie nähern sich einander an. Längst übersteigt auf dem Kapitalmarkt die Nachfrage nach „sustainable investments“ das Angebot.

Dr. Mathias Wagner ist Vorstandsvorsitzender von CHG-MERIDIAN aus Weingarten am Bodensee. Das Unternehmen ist einer der international führenden Technologie-Finanzierer für IT, Medizintechnik und Industrietechnologie.
CHG-Meridian / Beitrag

Nachhaltigkeit ist also keine Verzichtsideologie, sondern ein Wachstumstreiber.

 

Vor ziemlich genau 400 Jahren kam der französische Dramatiker Molière zur Welt, und einer seiner klügsten Sätze klingt heute programmatischer denn je: „Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.“ Und wenn der Konsens besteht, dass der Klimawandel die drängendste Herausforderung unserer Zeit ist, dann bedeutet Molières Einsicht so viel wie: Es kommt uns in jeder Hinsicht teurer zu stehen, den Planeten nicht zu retten, als ihn durch Ressourcenschonung langfristig lebenswert zu machen.

 

Unsere Gesellschaft steht deshalb vor einem fundamentalen Paradigmenwechsel. „Global warming“ erfordert ein ebenso globales Umdenken und den umweltgerechten Umbau unserer Wirtschaft. Also nicht weniger als eine zweite industrielle Revolution. Die Annäherung von Ökonomie und Ökologie wird somit zu einem „Update“ unseres laufenden Betriebssystems.

 

Diese zweite industrielle Revolution hat bereits begonnen. Internationale Klimaschutzvereinbarungen lösen eine immense Dynamik auf den Kapitalmärkten aus, was dazu führt, dass die Nachfrage nach nachhaltigen Anlagen das Angebot erheblich übersteigt. Investoren wie Versicherer, Investmentgesellschaften, Vermögensverwalter und Kreditinstitute unterliegen daher nicht nur dem Druck der Aufsicht, sondern vor allem jenem der Anleger. Denn Umweltschutz ist nicht mehr „nice to have“, sondern das ultimative „must do“.

 

Kreditgeber haben den einstigen Nischenmarkt für nachhaltige Finanzen in den letzten Jahren erweitert. Der World Investment Report, der im Juni von der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung veröffentlicht wurde, schätzt den Wert von Anlageprodukten zum Überthema Nachhaltigkeit im vergangenen Jahr auf 3,2 Billionen US-Dollar. Das sind 80 Prozent mehr als 2019. Und so kommt die Boston Consulting Group in einer Analyse zu dem wenig überraschenden Ergebnis, dass nachhaltige Businessmodelle Geschäftsvorteile und Wertschöpfung vorantreiben.

 

CHG-MERIDIAN als Teil des Lifecycle Thinking

Für uns als Technologie-Finanzierer steht außer Frage, dass eine zeitgemäße unternehmerische Strategie sich an ESG-konformen Kriterien orientiert und so auf nachhaltiges Wirtschaften setzt. Und das wird von den Kapitalmärkten auch belohnt. Die Ökonomie folgt Schritt für Schritt dem gesellschaftlichen Bedürfnis nach verantwortlichem, klimabewusstem Handeln. Die Politik schafft auf globaler, europäischer und nationalstaatlicher Ebene die Rahmenbedingungen, den Rest regelt der Markt idealerweise selbst. Auch weil er es am besten kann: Nachhaltigkeitsinitiativen und Finanzierungsmodelle verschmelzen auf kreative Weise zu innovativen Angeboten. Banken werden mehr und mehr ihre Zinssätze für unternehmerische Darlehen und Investitionen an das ökologische und soziale Verhalten einer Firma knüpfen.

 

Nachhaltige Geschäfts- und Finanzierungsmodelle zahlen sich also aus. Für die Wirtschaft ebenso wie für die Gesellschaft. Bei CHG-MERIDIAN machen diese Prinzipien seit der Unternehmensgründung einen großen Teil unseres Erfolgs aus: Die sharing economy dient dabei als Katalysator. Das System von „Nutzen statt Besitzen“ ist eines der populärsten ökonomischen Prinzipien der Gegenwart und zieht sich durch alle Branchen: von Mobilität, über Entertainment bis hin zur IT. Es ist die Grundidee im Geschäftsmodell von CHG-MERIDIAN, und das schon seit 42 Jahren. Was damals vor allem mit den enormen Kosten für IT-Geräte zusammenhing, folgt heute auch einer Zeitgeist-Logik, die den Gebrauch über das Eigentum stellt. Wir beschaffen und finanzieren für unsere Kunden ausschließlich jene Technologie-Ausstattung, die ihrem Bedarf entspricht – das sorgt für Effizienz und spart Ressourcen. Und wir kümmern uns auch um die Wiederaufbereitung und -vermarktung, sobald sie ihre Geräte zurückgeben. Diese Lifecycle-Modelle garantieren unternehmerischen Cashflow, der Kapital nicht bindet, sondern finanziellen Spielraum für Investitionen in weitere Innovation lässt. Das ist unser Selbstverständnis als Technologiemanager und Finanzexperte.

 

Kreislaufwirtschaft als Kernelement des europäischen „Green Deal“

Die Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft wartet auf niemanden. Entweder man ist Teil des Problems oder Teil der Lösung. Für uns ist letzterer Ansatz Teil der Firmenphilosophie. Wir sehen uns als Pioniere der Kreislaufwirtschaft und betreiben das Prinzip des „Lifecycle Thinking“ schon seit Ende der 1970er-Jahre. Inzwischen ist es das Modell der Zukunft.

 

Mit dem Ende der Wegwerfgesellschaft ist auch die lineare Wirtschaft ein Anachronismus. Und obwohl gerade die IT-Branche von rasanten Innovationszyklen geprägt ist, bestimmt auch hier Nachhaltigkeit zunehmend das Bewusstsein der Kunden. Somit erhöht sich die Nutzungsdauer von Laptops, Tablets oder Smartphones; durch Refurbishing erhalten bei uns aktuell 96 Prozent aller IT-Geräte einen zweiten, mitunter sogar dritten Lebenszyklus. Allein im Jahr 2020 haben wir in unseren firmeneigenen Technologie-Zentren, darunter auch eines nahe Frankfurt a.M., knapp eine Million IT-Geräte aufbereitet und so wieder zurück in den Markt geführt. Das spart wertvolle Ressourcen und schont das Klima.

 

Kreislaufwirtschaft ist ein Kernelement im Green Deal der EU. Für CHG-MERIDIAN ist sie Basis des Geschäftsmodells. Und dieses Geschäftsmodell ermöglicht nicht nur profitables Wachstum, es zeigt sich in Krisen auch als äußerst robust und resilient. Unsere praktische Erfahrung beweist also: Nachhaltigkeit ist keine Verzichtsideologie, sondern ein veritabler Wachstumstreiber.

 

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