Versorger fürs Leben

Dezember 2020 | Handelsblatt | Perspektiven 2021

Versorger fürs Leben

Der Energieversorger EWE mit Sitz in Oldenburg baut seine Strategie um und setzt dabei auf die Möglichkeiten der Digitalisierung.

Dr. Urban Keussen, Vorstand Technik der EWE AG
EWE / Beitrag

EWE als regionaler Energieversorger will zum digitalen Unternehmen werden. Was steckt hinter dieser Strategie?
Der Markt für Commodities wie Strom oder Wärme wird enger. Wir bekommen Konkurrenz von Wettbewerbern aus völlig anderen Branchen. Um hier zu bestehen, setzen wir auf die Digitalisierung, die in der Energiebranche bereits jetzt eine große Rolle spielt. Drei Bereiche sind für uns dabei von Bedeutung. Erstens setzen wir auf die Automatisierung von Prozessen, um noch besser zu werden in dem, was wir bereits tun. Zweitens bieten wir unseren Kunden weiterhin eine vertrauensvolle und direkte Interaktion und tun das, indem wir sie dort abholen, wo sie bereits sind: in der digitalen Sphäre. Und drittens erweitern wir unser Geschäft und wachsen mit digitalen Produkten. Man kann also tatsächlich sagen: Wir sind auf dem Weg zum digitalen Unternehmen.

Wie sieht das in der Praxis aus?
Bereits etabliert ist unser Angebot als DSL- und Handyanbieter. Als Energieunternehmen wollen wir unseren Kunden darüber hinaus einfache und bequeme Lösungen anbieten, die die Komplexität ihres Alltags reduzieren. Ein naheliegendes Beispiel ist die Nutzung von Daten der Verbrauchsmessung. Zählerstände etwa können künftig immer öfter digital ausgelesen und auch von unseren Kunden eingesehen werden. Eine internetbasierte Software visualisiert die Verbräuche und hilft beim Energiesparen. Denkbar sind auch haushaltsnahe Dienstleistungen beispielsweise aus dem Bereich Elderly Care, also der Betreuung älterer Menschen in ihrer häuslichen Umgebung. Wenn beim Verbrauchsmonitoring auffällt, dass bei der älteren Nachbarin nicht zur gewohnten Zeit der Verbrauch steigt – etwa beim morgendlichen Kaffeekochen, kann eine hinterlegte Vertrauensperson Kontakt aufnehmen und schauen, ob alles in Ordnung ist. Solche Lösungen entwickeln wir in unserer Digital Factory und setzen dabei auf offene Plattformen innerhalb unseres Partnerökosystems aus Start Ups und Investoren aus dem Energiesektor. Beispiele sind Beenic mit seiner Marke Beenera. Es beschäftigt sich mit der Digitalisierung der Kundeninteraktion, wie dem Monitoring und der Visualisierung von Zählerdaten und Mehrwerten wie das beschriebene Elderly Care. Solytic betreibt erfolgreich eine Software zur Überwachung von Solaranlagen. Mit Gridlux bringen wir ein Unternehmen an den Markt, das mithilfe von Künstlicher Intelligenz Kosten bei der Trassenplanung von Datenkabeln einspart.
 

Was bedeutet Corona für die Digitalisierung der Wirtschaft?
Corona hat EWE und der Wirtschaft insgesamt einen deutlichen Digitalisierungsschub gegeben. Diesen Schwung will EWE nutzen. Zugleich genießen wir als Energieversorger seit vielen Jahren großes Vertrauen, was den Datenbereich angeht. Dieses Vertrauen ist die Basis für die Entwicklung neuer digitaler Produkte im Alltag unserer Kunden. Wir arbeiten weiter daran, vom Versorger mit Energie zum Versorger auch im Leben unserer Kunden zu werden.


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