Nachhaltigkeit – Wie gelingt die Integration?

November 2021 | Wirtschaftswoche | Green Economy

Nachhaltigkeit – Wie gelingt die Integration?

Die EU-Taxonomie als neuer Rahmen für eine proaktive Messung und integrierte Steuerung von Nachhaltigkeitsstrategien

Andrea Kämmler-Burrak, Expertin für Performance Management und Corporate Sustainability, Horváth München und Sven Auert, Experte für Green Transformation, Horváth Berlin
Horváth / Beitrag

Immer mehr Unternehmen begreifen Nachhaltigkeit nicht nur als Forderung, der sie gerecht werden müssen, sondern als echten Werttreiber und Erfolgsfaktor für die eigene Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit. In den kommenden Jahren werden nachhaltige Geschäftsmodelle und -prozesse erfolgskritisch sein. Es verwundert daher nicht, dass neuerdings Nachhaltigkeitsziele ganz oben auf der unternehmerischen Agenda stehen.  

 

Die aktuelle CxO-Studie der Managementberatung Horváth unterstreicht dies: 82 Prozent der befragten Führungskräfte sehen die Integration ökologischer Nachhaltigkeit in ihre Geschäftsstrategie als wichtig oder sehr wichtig an.

 

Transformationsdruck in Richtung Nachhaltigkeit kommt auch durch die Regulierungen auf europäischer und nationaler Ebene. Der im Kontext des Pariser Klimaabkommens und des Green Deals stehende, von der EU beschlossene Aktionsplan zu Sustainable Finance beinhaltet eine Reihe von Maßnahmen, um Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent der Welt zu machen. Die Auswirkungen auf die Unternehmen sind erheblich, und die Gefahr ist groß, diese zu unterschätzen.

 

Nur mit konsequenten Strategien können die hohen Ziele erreicht werden

 

Unternehmen sind gefordert ihre bislang oft nur pauschalen Versprechungen, wie z.B. Klimaneutralität zu erreichen, mit konkreten Strategien zu unterlegen. Dabei ist auf ein Ambitionsniveau zu achten, das die Unternehmensspezifika sowie grundsätzliche Systembedingungen für eine nachhaltige Gesellschaft berücksichtigt. Künftig wird es erforderlich sein, Fortschritte auf dem Weg zur Klimaneutralität konsequent zu messen, nachzuweisen und zu kommunizieren, auch um sich nicht dem Vorwurf des Greenwashings auszusetzen.

 

Weg von einer regulatorischen Pflichtübung, hin zu einer proaktiven, integrierten Steuerung

 

Die EU-Taxonomie als Herzstück des EU-Aktionsplans zu Sustainable Finance definiert erstmalig einheitlich, welche Aktivitäten künftig als nachhaltig einzustufen sind. Sie legt damit einen neuen Rahmen für die Nachhaltigkeitsmessung. Damit verbunden ist eine neue Transparenz darüber, ob und in welchem Ausmaß unternehmerische Geschäftsaktivitäten Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Dies wird zu erheblichen Chancen für innovative Nachhaltigkeitslösungen führen, aber gleichzeitig auch dazu, dass ökologisch und sozial schädliche Wirtschafsaktivitäten langfristig aus dem Markt gedrängt werden. Dies verdeutlicht, dass die EU-Taxonomie viel mehr als eine Pflichtübung ist. Sie hat eine enorme strategische Wirkung und muss daher konsequent in die Unternehmenssteuerung integriert werden.  

 

Dem Finanzbereich kommt eine Schlüsselfunktion zu

 

Die Aufgabe lautet, Nachhaltigkeitsaspekte systematisch in den bestehenden operativen Prozessen und Strukturen zu verankern. Wichtig dabei ist, dass keine „Silos“ aufgebaut, etwaige bestehende Silos aufgebrochen und Nachhaltigkeitsaspekte strategiekonform in alle Funktionen integriert werden. Der Finanzbereich kann hier maßgeblich dazu beitragen, Akzeptanz bei allen Mitarbeiter:innen zu schaffen und eine nachhaltige Denkweise zu etablieren. Er sollte dafür sorgen, dass Nachhaltigkeitsstrategien in messbare Ziele überführt, erreichte Fortschritte sichtbar gemacht und Gespräche über die wirksamsten Einflussfaktoren geführt werden. Gleichermaßen ist er prädestiniert, die geforderte Datenqualität und Governance für Nachhaltigkeitsaspekte sowie die Integration zum Finanzreporting herzustellen und zu sichern.

 

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