Riskante Geschäfte

Dezember 2019 | Die Welt | Geld

Riskante Geschäfte

Große Renditechancen gehen in der Regel mit hohen Risiken einher. Das mussten in der Vergangenheit schon so manche Anleger leidvoll erfahren.

Illustration: Jasmin Mietaschk
J.W. Heidtmann / Redaktion

Ende der 1990er Jahre stand Albanien kurz vor dem Kollaps. Auf den Straßen herrschten bürgerkriegsähnliche Zustände. Der Auslöser für die Krise waren Geschäfte dubioser Fondsgesellschaften, die den Anlegern versprochen hatten: Wir machen euch reich! Sie hatten Anlageprodukte verkauft, die Zinsen von bis zu 25 Prozent abwerfen sollten. Nicht pro Jahr, sondern pro Monat.


In Wirklichkeit handelte es sich um so genannte Pyramiden- oder Schneeballsysteme. Sie funktonierten nur, so lange immer neue Anleger in das System investierten. Sobald der Nachschub an frischem Geld nachließ, brach das System zusammen. Als dies 1997 passierte, verloren viele tausend Albaner ihre gesamten Ersparnisse. Aus Frust wurde Gewalt, das Land versank im Chaos.  


Albanien war vor dem Scheitern des Sozialismus ein von der Welt völlig abgeschottetes, extrem armes Land. Die Funktionsweise des kapitalistischen Finanzsystems war vielen Albanern unbekannt. Doch gibt es Schneeballsysteme, auf die selbst erfahrene Anleger hereinfallen – auch heute noch. Wie erkennt man sie?


„Weit über dem Marktüblichen liegende Renditeversprechen sind oft ein Warnzeichen für ein Schneeballsystem”, erklärt die für die Finanzdienstleistungsaufsicht zuständige BaFin.


 Oft böten Unternehmen mit Sitz im Ausland gezielt deutschen Anlegern Produkte an, hinter denen sich Schneeballsysteme verbergen. Hintermänner der Unternehmen seien in der Regel Deutsche, die sich ausländischer Gesellschaftsformen und Firmensitze bedienen, um sich den deutschen Behörden zu entziehen. Die Behörde warnt vor Hochglanzprospekten, in denen solche Renditeversprechen gemacht werden. Es sei aber, bedauern die Kontrolleure, oftmals schwer, den Mechanismus zu erkennen. Vor allem am so genannten Grauen Kapitalmarkt, der nicht der Kontrolle der BaFin unterliegt, sollte man genau prüfen, wem man sein Vermögen anvertraut. In makabrem Sinne Schiffbruch erlitten haben vor wenigen Jahren viele Anleger, die in Schiffsfonds investierten. Einen Verdacht hätte man allenfalls aufgrund der aggressiven Bewerbung der Fonds schöpfen können. Vermeintlich liquide Kunden wurden angerufen und zu exklusiven Events eingeladen, wo ihnen Anteile an Containerschiffen, Tankern und Massengutfrachtern angeboten wurden. Vom „schwimmenden Sparbuch” war die Rede, mit hoher Verzinsung und kaum Steuern.


Es war ein Hype, dessen Geschäftsgrundlage porös war. 2015 gingen etwa 500 Schiffsfonds insolvent, Hunderte Frachter und Tanker mussten oft mit hohen Verlusten verkauft werden. Hunderttausende Anleger waren betroffen. Die genauen Umstände beschäftigen immer noch Zivilgerichte und Staatsanwaltschaft. Es gab weder einen Sicherungsfonds wie bei den Banken noch sonst eine Garantie, dass man sein investiertes Geld wiedersieht. Dies mussten vor wenigen Monaten  rund 54.000 Anleger leidvoll erfahren, als die Investmentgesellschaft P&R Insolvenz anmeldete. Sie hatte das Geld ihrer Kunden in Schiffscontainer gesteckt.


Andere Gesellschaften werben mit Motiven, die Nachhaltigkeit und Klimaschutz suggerieren, um die Investitionen der Anleger. Beliebt ist der Verkauf von Anteilen an Teakholzplantagen in Übersee, etwa in Costa Rica. Die Anbieter werben mit bis zu zweistelligen Renditen. So auch die Schweizer Prime Forestry AG. 2006 ging die Gesellschaft, die Teakholzplantagen in Panama betrieb, spektakulär pleite. Wie sich herausstellte, hatten die Chefs die Kassen geplündert und den Großteil der Gelder in die Karibik verschoben. Deutsche Anleger sollen dabei um fünf bis zehn Millionen Euro geprellt worden sein. Insgesamt hatten etwa 3.500 Investoren rund 63 Millionen Schweizer Franken in die Firma eingezahlt.


Das soll nicht heißen, dass man grundsätzlich mit Holz-Investitionen scheitern muss. Viele der Holz- und Rohstoffplantagen in den Tropen werfen durchaus Renditen ab, ob Teak oder Mahagoni in der Karibik, Eukalyptusbäume am Amazonas, Kautschuk, Kakao oder Ölpalmen. Wer aber glaubt, dass diese Plantagen besonders umweltfreundlich sind, sieht sich oftmals getäuscht. Er investiert nicht in Wälder, sondern in Plantagen, also Monokulturen. Mit der Artenvielfalt, wie sie in den Regenwäldern herrscht, haben sie nur wenig zu tun.