Schutz vor Betrug

Juni 2017 | Wirtschaftswoche | Der starke Mittelstand

Schutz vor Betrug

Fast alle Online-Händler haben schon mit Betrug zu tun gehabt. Wie lässt sich das Risiko minimieren?

Illustration: Sören Kunz
Mirko Heinemann / Redaktion

Medienberichte über Online-Händler, die ihre Kunden abzocken, schüren die Angst vor dem Einkaufen im Internet – als sei das Internet ein Tummelplatz von Finsterlingen. Das ist natürlich Unsinn. Genau wie ihre Kollegen hinter dem Ladentisch verstehen sich auch die meisten Online-Händler als ehrbare Kaufleute. Ihre Branche hat sich mit einem Marktanteil von 19 Prozent im Nonfood-Sektor als Alternative oder Ergänzung zum stationären Handel fest etabliert.

Umgekehrt stehen Händler selbst im Fokus von Betrügern. Wo Käufer Verluste von einigen Euro verschmerzen müssen, sind die Größenordnungen bei Händlern ganz andere. Wenn sie in großem Stil geprellt werden, kann es um die Existenz gehen. Vor allem bei internationalen Geschäften ist die Transparenz gering. Je mehr Zollgrenzen, Sprachbarrieren oder kulturelle Unterschiede in die Supply Chain hineinwirken, desto größer ist das Geschäftsrisiko für Akteure. In einer Studie des Regensburger ibi-Research-Teams, die im E-Commerce-Leitfaden „Betrug und Betrugsprävention im Online-Handel“ veröffentlicht wurde, geben 84 Prozent aller befragten Online-Händler an, schon Opfer eines Betrugsfalles geworden zu sein oder es mit Betrugsversuchen zu tun gehabt zu haben. Der wirtschaftliche Schaden, der allein im Jahr 2014 durch Betrug entstanden ist, belief sich auf
2,4 Milliarden Euro.

Häufig ist der so genannte Eingehungsbetrug: Der Kunde bestellt, obwohl er weiß, dass er nicht zahlen kann oder will. Auch mit falschen oder verfälschten Daten und Identitäten wird häufig betrogen. Zudem kommt es häufiger vor, dass der Kunde bestreitet, die Ware erhalten zu haben – obwohl er sie erhalten hat. Bei mehr als der Hälfte aller Online-Händler ist die Zahl der Betrugsdelikte in den letzten fünf Jahren angestiegen. Betrugsversuche finden vor allem abends und nachts statt, besonders zur Weihnachtszeit ist Vorsicht bei den Händlern geboten. Trotzdem verzichtet jeder vierte Webshop auf Maßnahmen zur Betrugserkennung.

In seiner Studie „Betrugserkennung im Online-Shop“ von 2013 hat der Händlerbund Tipps zur Betrugserkennung gegeben. Danach seien Kunden vor allem dann verdächtig, wenn sie Tippfehler bei der Angabe von ihren Daten tätigen: „Patra“ statt „Petra“ oder „Teper“ statt „Peter“ könnten auf einen möglichen Betrugsversuch hinweisen. Die Warnanzeige bei Angabe eines richtigen Namens fällt bei der Bonitätsabfrage weg. Weitere Indizien, an denen Online-Betrüger erkannt werden können: Bestellungen von besonders teuren Produkten, eine fehlende Kaufhistorie oder die fehlende Bereitschaft zur Angabe von persönlichen Daten wie Rufnummern oder Geburtsdatum.

Eine Maßnahme gegen möglichen Betrug – neben der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern – ist laut Studie die richtige Wahl der Zahlungsmodalitäten. Danach schütze Vorkasse, SOFORT Überweisung und giropay am besten vor Betrug. Der Vorteil dieser Verfahren: Die Ware bleibt beim Händler. Bei Lastschrift und Rechnung treten den Befragten zufolge die meisten Betrugsfälle auf. Zudem versuchen mehr als drei Viertel der Händler, Betrug durch vorbeugende Maßnahmen zu verhindern, indem sie etwa über den Kunden recherchieren. Zahlreiche Händler passen den Umfang der offenen Forderungen pro Kunde an –  oder auch Zahlungsverfahren an den jeweiligen Käufer. 38 Prozent prüfen sogar jede Bestellung eines Neukunden.