»Die Antwort auf den Klimawandel kann nur eine technologische sein«

Warum MINT-Fachkräfte die Zukunft entscheidend mitgestalten
Timo Lehne, Geschäftsführer SThree
Timo Lehne, Geschäftsführer SThree
SThree GmbH Beitrag

Der Fachkräftemangel, speziell in der MINT-Branche, ist zum ernsten Problem für den Wirtschaftsstandort Deutschland geworden – und er bringt die Klimaziele in Gefahr. Timo Lehne, Senior Mana-ging Director von SThree, ruft Unternehmen und Po-litik auf, die notwendigen Schritte endlich anzugehen – und erklärt erfolgsversprechende Maßnahmen.

Bis 2030 fehlen Deutschland rund zwei Millionen MINT-Fachkräfte, so Schätzungen, und bis 2050 sogar bis zu 5 Millionen. Welche Auswirkungen hat das für den Wirtschaftsstandort Deutschland und die Unternehmen?

Für die Unternehmen ist das ein riesiges Problem. Wenn im MINT-Bereich Fachkräfte fehlen, bedeutet das etwa, dass die digitale Transformation ins Stocken gerät. Deutschland ist hier bereits weit abgeschlagen und wir müssen schnell handeln, um nicht komplett den Anschluss zu verlieren.

Steuern wir dem Fachkräftemangel nicht entgegen, wird die jährliche Arbeitsleistung um ca. 10% -13% fallen. Doch es steht viel mehr als die Wirtschaftskraft Deutschlands auf dem Spiel. Die Antworten auf die drängendsten Probleme unserer Zeit können nur technologische sein. Eine der größten Herausforderungen: der Klimawandel.  Digitalisierung muss hierbei ein zentraler Schlüssel im Kampf gegen die Erderwärmung werden. Klimaschutz muss auch in der Wirtschaft an Bedeutung gewinnen. Es braucht die Bereitschaft von Unternehmen, ihre Industrien zu transformieren, die Unterstützung durch die Politik und das Know-how der MINT-Experten, um zukunftsfähige, klimaschonende Technologien zu entwickeln. Wir brauchen innovative Köpfe, um hier schnell voranzukommen, denn beim Thema Klimawandel zählt jeder Tag.

Wie sehen aus Ihrer Sicht die Lösungen aus?

Deutschland sollte alle Quellen für Fachkräfte nutzen, die es hat: Leider ist nach wie vor der Frauenanteil in MINT zu gering. Mädchen und junge Frauen sollten bereits in den Schulen ermutigt werden, eine MINT-Karriere einzuschlagen. Zudem muss es Quereinsteigern leichter gemacht werden, in MINT-Berufe zu wechseln. Gerade Mitarbeitende aus anderen Branchen können neue Perspektiven eröffnen und dazu anregen, tradierte Prozesse zu überdenken.

Zudem brauchen wir dringend mehr hochqualifizierte Zuwanderer aus dem Ausland mit speziellem Fokus auf den MINT-Bereich. Um für sie attraktiver zu werden, muss Bürokratie abgebaut werden. Langwierige Genehmigungsverfahren schrecken Bewerber wie auch Arbeitgeber ab. Zudem sollte auch in deutschen Unternehmen Englisch Unternehmenssprache werden. Das erleichtert die Integration enorm.

Was sollte darüber hinaus noch passieren?

Wir brauchen eine Verlagerung der Bildungsinvestitionen in Richtung der weiterführenden Schulen. Zudem sollten wir mehr hochwertige Umschulungsprogramme auf den Weg bringen, um den Anteil der Fachkräfte mit Hochschulreife zu erhöhen und so mehr Studenten in MINT zu bekommen. Verstärkte Investitionen in den Bildungsbereich würden zudem helfen, Chancengleichheit im Bereich der sozialen Herkunft zu ermöglichen – hier besteht nach wie vor großer Nachholbedarf.

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