Reduzieren und kompensieren

Die Zementindustrie möchte bis zum Jahr 2050 CO2-neutral werden. Das ist gar nicht so einfach.
Illustration: Daniel Balzer
Illustration: Daniel Balzer
Mirko Heinemann Redaktion

Die Zementindustrie ist ein starker Verursacher von CO2-Emissionen: Global werden durch die Herstellung des Baustoffes 2,8 Milliarden Tonnen pro Jahr erzeugt. Das sind fast acht Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes – mehr als Flugverkehr und Rechenzentren zusammen.


Bei der Herstellung von einer Tonne Zement werden rund 600 Kilogramm CO2 erzeugt. Zum hohen Ausstoß tragen vor allem zwei Prozesse bei: Zum einen ist das die Beheizung des Drehrohrofens, in dem das Vorprodukt Zementklinker hergestellt wird. Aber die weitaus größte Menge CO2 verursacht der chemische Prozess im Ofen: Bei Temperaturen von 1.450 Grad Celsius entsteht aus dem Calciumcarbonat des Kalksteins Calciumoxid, der Hauptbestandteil des Zements. Dabei werden große Mengen Kohlenstoffdioxid abgespaltet, also CO2. Diese Reaktion ist heute für etwa 60 Prozent der CO2-Emissionen bei der Produktion des Baustoffs verantwortlich.


„Die Zementindustrie in Deutschland ist sich ihrer Verantwortung bewusst, die sie für die Dekarbonisierung von Zement und Beton übernehmen muss“, erklärt der Verein Deutscher Zementwerke VDZ, in dem sich die Zement herstellenden Unternehmen in Deutschland zusammengeschlossen haben. Wie es gelingen kann, den wichtigen Baustoff nachhaltig herzustellen, zeigt der Verband in seiner aktuellen Studie „Dekarbonisierung von Zement und Beton – Minderungspfade und Handlungsstrategien“.


Danach sei es den deutschen Zementherstellern gelungen, seit 1990 die CO2-Emissionen um 20 bis 25 Prozent zu reduzieren. Entscheidend dafür seien neben Verbesserungen der thermischen Effizienz in den Öfen vor allem zwei Faktoren gewesen: zum einen die Senkung der Klinkergehalte im Zement. Zum anderen der verstärkte Einsatz biomassehaltiger alternativer Brennstoffe, durch die fossile Energieträger mehrheitlich ersetzt wurden. Bereits heute werden als Brennmaterial 30 Prozent fossile und 70 Prozent alternative Ausgangsstoffe verwendet, letztere sind etwa Müll, Klärschlamm oder auch Tiermehle. Mit klimaneutralem Wasserstoff betriebene Öfen sind eine weitere Option.


Während der Brennvorgang also theoretisch CO2-frei erfolgen könnte, ist das bei der chemischen Umwandlung nicht möglich. Die Zementindustrie setzt daher bei der Dekarbonisierung von Zement und Beton vor allen Dingen auf die Abscheidung von CO2 im Zementwerk und dessen Nutzung oder Speicherung in der Erde. Außerdem müssten auch die anderen Glieder der Wertschöpfungskette CO2-neutral werden. Eine flächendeckende CO2-freie Stromnutzung oder der Transport von CO2 und Wasserstoff müssten gewährleistet sein, so der VDZ.


Hersteller, die ihren CO2-Fußabdruck minimieren wollen, setzen derzeit vor allem auf Kompensation ihrer Treibhausgase durch Projektpartner. Als erster Zementproduzent in Deutschland hat Holcim im Frühjahr ein CO2-neutrales Produkt für Standardanwendungen auf den Markt gebracht. Der Zement heißt ECOPlanet ZERO. Durch die Verwendung hochwertiger Hüttensandmehle würden die spezifischen CO2-Emissionen der Bindemittel reduziert, so das Unternehmen. Die Kompensation der übrigen CO2-Emissionen erfolge durch den Erwerb von MoorFutures-Zertifikaten. Damit werden Wiedervernässungs-Projekte von Mooren in Deutschland gefördert. Moore speichern doppelt so viel Kohlenstoff in ihren Torfen, wie in den Wäldern weltweit enthalten ist. Sie sind daher bis zu einem gewissen Grad ein wirkungsvolles Instrument für den CO2-Ausgleich.


Andere Hersteller folgen: Die F.C. Nüdling Betonelemente GmbH & Co. KG produziert Betonsteine, Betonplatten und Betonelemente CO2-neutral. Zur Produktion wird ausschließlich Ökostrom genutzt, der auch in werkseigenen Photovoltaikanlagen erzeugt wird. Im Rahmen eines hausinternen Energiesparwettbewerbs seien nahezu 120.000 Kilowattstunden oder 37.000 Kilogramm CO2 eingespart worden.


Wo sich Treibhausgasemissionen nicht vermeiden lassen, schafft FCN einen Ausgleich mit dem Erwerb von Klimaschutzzertifikaten, die Waldaufforstungs- und Waldschutzprojekte in Uruguay und Peru unterstützen. Der CO2-Fußabdruck von FCN von rund 2.268 Tonnen CO2 pro Jahr wird laut eigenen Angaben mit den genannten Klimaschutzmaßnahmen neutralisiert.

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