»Die Zeit der Implementierung von Industrie 4.0 ist jetzt.«

April 2018 | Wirtschaftswoche | Technologien der Zukunft

»Die Zeit der Implementierung von Industrie 4.0 ist jetzt.«

Ein Experteninterview mit Klaus Helmrich, Mitglied des Vorstands der Siemens AG

Klaus Helmrich, Mitglied des Vorstands der Siemens AG
Siemens AG / Unternehmensbeitrag

Wie verändert Industrie 4.0 die Art, wie wir Geschäfte machen?
Die Digitalisierung entwickelt sich rasend schnell und berührt fast alle Aspekte unseres Lebens. Das gilt auch für die Industrie: In Fabriken und Unternehmen wird diese digitale Transformation auch als Industrie 4.0 bezeichnet. Dabei wird die gesamte Wertschöpfungskette durchgängig digitalisiert und integriert – vom Produktdesign bis hin zum Kundenservice vor Ort. Und das über Unternehmens-, Standort- und Ländergrenzen hinweg. Dadurch erreichen unsere Kunden insbesondere eine höhere Flexibilität in der Produktion, um dem Anspruch nach immer größerer Individualisierung gerecht zu werden. Eine große Bedeutung hat dabei das Sammeln und Analysieren der gewonnenen Daten. Daraus lassen sich nicht nur neue Erkenntnisse gewinnen, die wieder in den Produktentstehungsprozess zurückfließen. Sondern daraus entstehen auch völlig neue Geschäftsmodelle, die bewährte Systeme revolutionieren. Kurz, wir durchlaufen einen historischen Wandel.

Die technischen Lösungen sind also verfügbar. Was braucht es jetzt noch für den digitalen Wandel?
Stimmt, die technischen Voraussetzungen sind da. Jetzt ist die Stunde der Umsetzung gekommen! Schon heute sind wir in der Lage die gesamte Wertschöpfungskette als digitalen Zwilling abzubilden und zu integrieren. Die zunehmende Automatisierung in den vergangenen Jahrzehnten ist die solide Basis, auf der jetzt die Digitalisierung neue Potentiale erschließt. Und zwar End-to-end in jeder Branche, für Unternehmen jeder Größe. Dazu brauchen wir aber nicht nur die Technologien, sondern auch ein neues Modell der vertrauensvollen und respektvollen Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren: Großunternehmen liefern die notwendigen Plattformen und Komponenten, mittelständische Firmen adaptieren und optimieren diese nach den Anforderungen ihrer Kunden und die Endanwender nutzen diese Lösungen dann im Rahmen ihres digitalen Gesamtkonzepts. Nur mit einer solchen neuen Herangehensweise, in der alle Akteure mit ihren jeweiligen Kompetenzen und einem Bewusstsein für die gegenseitigen Bedürfnisse zusammenarbeiten, wird die Digitalisierung gelingen.

Welche Schlüsselattribute führen zu einer erfolgreichen Digitalisierung?
Digitalisierung ist Chefsache und bedarf konkreter Entscheidungen für Investitionen. Digitalisierung erfordert aber auch ein neues Maß von Organisation und Verwaltung der gesamten Wertschöpfungskette innerhalb des Lebenszyklus von Produkten und Produktionsanlagen. Die digitale Transformation in der Industrie hat somit zwei Facetten: erstens müssen Lösungsanbieter ihr Angebot für ihre Kunden auf Industrie 4.0 ausrichten und zweitens müssen Unternehmen ihre eigenen Prozesse anpassen.

Wie verhindern wir im Zusammenhang mit der Revolution und der Digitalisierung der Industrie 4.0 einen Anstieg der Arbeitslosigkeit?
Im Zuge der Industrie 4.0 werden zahlreiche neue Berufe entstehen. Wie die früheren industriellen Revolutionen wird auch diese ihr eigenes Beschäftigungsfeld begründen. Es ist davon auszugehen, dass zahlreiche neue Berufsbilder entstehen, von denen wir bisher nichts wussten. Somit ist zu erwarten, dass die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften langfristig weiterhin steigen wird.
 
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