Dampf und dicke Haut

Juni 2015 | Wirtschaftswoche | Energieeffizienz

Dampf und dicke Haut

Neben Investitionen in den Heizkessel und die Dämmung kann man mit kleineren Maßnahmen am eigenen Haus schon beträchtlich Energie einsparen.

Lars Klaaßen / Redaktion

Die stetig steigenden Preise fossiler Brennstoffe schlagen mächtig ins Kontor: Rund 87 Prozent der benötigten Energie in Haushalten entfällt auf die Erzeugung von Wärme – davon wiederum 75 Prozent auf die Raumheizung. Eine Erdgas-Heizung etwa lässt sich so weit optimieren, dass der Staat dafür Fördergelder zahlt – wegen der CO2-Reduzierung. Entsprechende Werte erreicht man mit einem Brennwertkessel. Er nutzt die Energie des Wasserdampfes, der bei der Verbrennung von Erdgas entsteht. In herkömmlichen Heizkesseln wird dieser Dampf ungenutzt über die Abgase abgeführt. Die für dessen Erzeugung verheizte Energie geht verloren. Bei der Brennwerttechnologie werden die Abgase dagegen so weit heruntergekühlt, dass das im Dampf enthaltene Wasser kondensiert. Dabei wird die entsprechende Energie wieder freigesetzt. Bei Erdgas liegt der Wirkungsgrad laut Öko-Institut bis zu elf Prozent höher als bei herkömmlichen modernen Heizungssystemen. Gegenüber einer Altanlage kann die Einsparung bei bis zu 40 Prozent liegen. Die Stiftung Warentest rät zum Tausch, wenn der Kessel älter als 15 Jahre ist.

 

Auch kleine, kostengünstige Maßnahmen können das Eigenheim schon deutlich effizienter machen. Das Öko-Institut empfiehlt Hausbesitzern fünf Schritte, um die größten Schwachstellen auszubügeln:

 

1. An allen Heizkörpern Thermostatventile anbringen: Damit lässt sich die gewünschte Wärme präzise in jedem Raum separat einstellen, was bis zu 20 Prozent Energieersparnis bringen kann. 2. Die Heizungsrohre dämmen: Bei Verteilungsrohren, die in ungeheizten Räumen liegen, ist das ohnehin gesetzlich vorgeschrieben. Laut Öko-Institut können so „erhebliche Energiemengen“ eingespart werden. 3. Eine witterungsgeführte Regelung einbauen: Die Vorlauftemperatur des Heizkessels passt sich entsprechend an. 4. Den Tagesrhythmus der Heizung an den der Hausbewohner anpassen: Wenn niemand da ist oder alle schlafen, regelt die Heizung die Temperatur selbstständig herunter.

 

5. Die Heizung regelmäßig vom Fachmann warten lassen: Dann arbeitet sie effektiver. Bei dieser Gelegenheit gleich die Heizkörper entlüften lassen, auch das spart Energie.

 

Die beste Heinzanlage nutzt aber nur wenig, wenn die Wärme durch die undichte Außenhaut des Eigenheims entschwindet. „Ein sehr gut gedämmtes Haus kann im Winter unter optimalen Bedingungen fast die Hälfte der Heizkosten einsparen“, informiert das gemeinnützige Beratungsportal co2online.de. 15 bis 20 Prozent der Heizenergie gehen durch ein unzureichend gedämmtes Dach. Ein häufig unterschätztes Wärme­leck ist auch der Keller. Darüber schwinden im Schnitt fünf bis zehn Prozent Heizenergie. Altbauten verlieren über Fenster und Außenwände bis zu 25 Prozent Energie. Wer die Fassaden dämmt, kann 10 bis 20 Pro­zent einsparen. „Auch wenn eine nach­trägliche Wärmedämmung zum Standardprogramm für Hausbesitzer gehört, die Energie und Kosten sparen wollen – Lösungen von der Stange gibt es nicht“, so co2online. „Denn jedes Gebäude ist anders.“ Deshalb sollten Fachleute konsultiert werden, die beurteilen können, wo welcher Dämmstoff wie angebracht wird. Professionelle Lösungen verhindern, dass es später Ärger mit Schimmel gibt.