Zeit für Optimismus?

Oktober 2016 | Die Zeit | Zukunft Medizin

Zeit für Optimismus?

Interview mit Dr. med. Christine Wettmarshausen

Dr. med. Christine Wettmarshausen; Associate Medical Director; Biogen Deutschland (Foto: Dr. Michael Jäger)
Biogen GmbH / Unternehmensbeitrag

Was macht die Entwicklung von Medikamenten gegen Alzheimer so schwierig?
Bei der Alzheimer Demenz handelt es sich um eine sehr komplexe neurodegenerative, also „nervenabbauende“ Erkrankung, deren Ursachen bis heute nicht komplett erforscht sind. In jüngster Zeit scheint sich die bereits seit längerem verfolgte Amyloid-Hypothese zu erhärten. Neue Daten weisen darauf hin, dass die Reduktion der Amyloid-Plaques zwischen den Neuronen im Gehirn mit einer Verbesserung der Gedächtnisleistungen einhergehen kann.

Seit einiger Zeit spürt man so etwas wie vorsichtigen Optimismus. Warum?
Viele Wissenschaftler forschen an Arzneistoffkandidaten mit unterschiedlichen Wirkmechanismen, dabei sind durchaus hoffnungsvolle Ansätze. Wir bei Biogen haben zurzeit drei potentielle Arzneimittel gegen Alzheimer in der Entwicklung. Der am weitesten fortgeschrittene Wirkstoff, Aducanumab, ein biotechnologisch hergestellter monoklonaler Antikörper, soll bei milder Alzheimer-Form Amyloid-Plaques reduzieren und so den kognitiven Verfall bremsen. Vor kurzem ist eine große Phase 3 Studie gestartet worden, um seine Wirksamkeit und Sicherheit zu belegen.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass wir in den kommenden zehn, fünfzehn Jahren im Kampf gegen Alzheimer wirklich entscheidend vorankommen?
Ich bin optimistisch, dass wir in den kommenden Jahren einen großen Schritt vorankommen werden. Wir lernen immer mehr über die der Erkrankung zugrunde liegenden Mechanismen. Mit dem wachsenden Verständnis der Pathophysiologie von Alzheimer verbessern sich auch die Chancen, einen Therapieansatz zu finden. Die jetzt in der klinischen Entwicklung befindlichen Präparate können Alzheimer zwar nicht heilen, aber unter Umständen den Krankheitsverlauf verzögern und so dazu beitragen die Lebensqualität der Patienten und ihrer Angehörigen zu verbessern.