Die Früherkennung gilt als eine der wirkungsvollsten Maßnahmen zur Krebsbekämpfung, weil so Tumoren in einem Stadium entdeckt werden können, in dem die Heilungsaussichten noch gut sind. Frühstadien-Tumoren sind meist klein und örtlich begrenzt – Behandlungen sind einfacher, weniger belastend und die Heilungsraten sind höher.
In Deutschland erkrankt jedes Jahr fast eine halbe Million Menschen an Krebs. Und es werden immer mehr. Das liegt vor allem daran, dass die Menschen immer älter werden und Krebs im Alter zunimmt, aber auch Lebensstilfaktoren wie ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung und das Rauchen spielen eine gewichtige Rolle. Um möglichst früh zu erkennen, dass sich ein Tumor bildet, haben die deutschen gesetzlichen Krankenkassen die Früherkennungsprogramme eingeführt. Das erste dieser Art war 1971 das Programm gegen Gebärmutterhalskrebs, damals war dies die häufigste Krebsart bei Frauen. Frauen konnten einmal pro Jahr kostenlos einen Abstrich vom Gebärmutterhals entnehmen lassen und ihn auf Krebsvorstufen untersuchen lassen. Damit konnte die Zahl der Todesfälle durch Gebärmutterhalskrebs halbiert werden.
1977 starteten die ersten gesetzlich geregelten Untersuchungen. Neben dem Test zur Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung begannen die Früherkennung von Brustkrebs durch die Abtastung der Brust und der Test auf verborgenes Blut im Stuhl für die Darmkrebsvorsorge. In der Folge wurden weitere Programme etabliert. Aktuell ermöglichen sie die Früherkennung von fünf verschiedenen Krebsarten: Brustkrebs, Darmkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Hautkrebs und Prostatakrebs. Während laut einer aktuellen Studie der Universität Münster die Mammografie-Screenings, die Röntgenuntersuchung der weiblichen Brust, die Todesfälle durch Brustkrebs um 20 bis 30 Prozent reduziert haben, konnten bei Darmkrebs laut einer Studie des Deutschen Krebsforschungsinstituts sogar bis zu 70 und 75 Prozent der Todesfälle durch Darmspiegelungen verhindert werden.
Zu den Untersuchungen auf Brustkrebs, Darmkrebs und Gebärmutterhalskrebs laden die gesetzlichen Krankenkassen ihre Versicherten in regelmäßigen Abständen persönlich und schriftlich ein. Im Rahmen der Einladung erhalten die Versicherten ein Informationsschreiben, dass über den Nutzen und die Risiken der jeweiligen Untersuchung aufklärt. Aber auch ohne Einladung können Versicherte im entsprechenden Alter an den Untersuchungen teilnehmen. Die Teilnahme an den Programmen zur Früherkennung ist grundsätzlich freiwillig.
Dass Früherkennungsuntersuchungen – und ein gesunder Lebensstil – sich lohnen, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Demnach erreichte in Deutschland die Zahl der stationären Krebsbehandlungen im Jahr 2022 den niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Gut 1,4 Millionen Patientinnen und Patienten seien wegen Krebs im Krankenhaus behandelt worden, teilten die Statistiker mit. Gegenüber dem noch durch die Corona-Pandemie geprägten Jahr 2021 ging die Zahl der krebsbedingten Klinikaufenthalte demnach noch einmal um zwei Prozent zurück. Als Grund für den Rückgang nannten die Statistiker Verbesserungen bei Prävention, Vorsorge und Behandlung.
Illustration: Stephanie Hofmann