Der Kampf gegen Alzheimer

Oktober 2016 | Die Zeit | Zukunft Medizin

Der Kampf gegen Alzheimer

Die Erforschung von Medikamenten gegen Alzheimer ist eine Herausforderung der besonderen Art.

Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V., BMWi
Biogen GmbH / Unternehmensbeitrag

Wie schwierig es ist, ein Medikament gegen Alzheimer zu entwickeln, zeigt diese Statistik aus den USA1:  Zwischen 1998 und 2014 scheiterten 123 klinische Studienprogramme. Im gleichen Zeitraum schafften es nur vier Kandidaten durch die Zulassung. Diese Medikamente können Symptome lindern – die Krankheit hinauszögern oder gar heilen können sie nicht.

Rund 97 Prozent der Kandidaten sind also bisher gescheitert. Dabei ist der Bedarf an wirksamen medikamentösen Therapien groß: In Deutschland leiden über 1,5 Millionen Menschen an Demenz, über zwei Drittel von ihnen an Alzheimer. Wenn kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, so die Deutsche Alzheimer Gesellschaft, wird sich die Zahl der Erkrankten bis 2050 verdoppeln – ein durchschnittli-cher Anstieg um mehr als 100 Menschen pro Tag2.  Mit Blick auf die demographische Entwicklung erwarten Experten, dass die Kosten für die Sozialsysteme und hier insbesondere für die Pflegeversicherung dramatisch steigen werden. Auch die Belastung für die Angehörigen der Betroffenen wird kontinuierlich zunehmen.

Dies alles zeigt, wie groß die Auswirkungen sein werden, die durch diese Erkrankung auf die Gesellschaft zukommen. Der Ruf nach einer Heilung oder einer Linderung der Folgen von Alzheimer wird immer lauter.

Für forschende Pharmaunter-nehmen ist die Entwicklung von Alzheimer-Therapien ein Hochrisikogeschäft. Die Kosten für klinische Studien gehen in die Millionen. Hinzu kommt: Fortschritte in der Therapie solch komplexer neurologischer Erkrankungen wie Alzheimer lassen sich nicht so einfach messen. Bis heute fehlen Parameter oder Marker, wie sie bei anderen Erkrankungen vorliegen. Einen Alzheimer-Test gibt es bisher nicht.

Trotzdem hat sich in der letzten Zeit so etwas wie ein vorsichtiger Optimismus breitgemacht; Wissenschaftler hoffen, dass die Krankheit in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren erfolgreich bekämpft werden kann. Denn die Alzheimer-Forschung hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt, die dazu beigetragen haben, die Krankheit besser zu verstehen. Als eines der weltweit führenden biopharmazeutischen Unternehmen engagiert sich Biogen seit Jahren in der Alzheimerforschung. Sein bisher am weitesten fortgeschrittener Wirkstoffkandidat wurde vor kurzem von den Behörden in Europa und den USA in beschleunigte Entwicklungsverfahren aufgenommen. Ein solches, in den USA „Fast-Track“ genanntes Verfahren, ist Wirkstoffen vorbehalten, bei denen der medizinische Bedarf groß ist und Studienergebnisse Hoffnung machen. „Bisher verläuft unser Ansatz vielversprechend“, sagt Thomas Lackner, Geschäftsführer von Biogen Deutschland. Allein in die Alzheimer-Forschung und -Entwicklung investiert Biogen aktuell über eine Milliarde US-Dollar und arbeitet zurzeit an insgesamt drei Prüfsubstanzen. Biogen verfügt über eine 20-jährige Erfahrung in der Behandlung der Multiplen Sklerose, einer neurodegenerativen Erkrankung des zentralen Nervensystems.

Auf der Suche nach einer Lösung müssen Forschung und Politik an einem Strang ziehen, denn die Entwicklung einer Therapie, die erfolgreich die Ursachen der Krankheit bekämpft, hätte eine enorme gesellschaftliche und ökonomische Bedeutung. „Im Kampf gegen Alzheimer ist die Gesellschaft als Ganzes gefragt. Es müssen schon jetzt die entsprechenden Weichen gestellt werden“, so Lackner. Bisherige Ergebnisse früherer klinischer Studien deuten darauf hin, dass eine erfolgreiche Alzheimer-Therapie nur möglich sein wird, wenn eine Diagnose frühzeitig erfolgt. Dazu müssten in Deutschland aber erst die Voraussetzungen geschaffen werden. „Eine frühzeitige Therapie würde nicht nur dazu beitragen, die Pflegekosten dramatisch zu reduzieren. Im Mittelpunkt steht vor allem die Hoffnung, das Leben der betroffenen Menschen und ihrer pflegenden Angehörigen grundlegend zu verbessern“, sagt Thomas Lackner.

www.biogen.de

1)    Medicines in Development for Alzheimer’s Disease, Update 2016, Pharmaceutical Research and Manufacturers of America (PhRMA)
2)    Die Häufigkeit von Demenzerkrankungen, Infoblatt 1, Deutsche Alzheimergesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz