Value Based Healthcare – auf das Ergebnis kommt es an!

Warum es Zeit ist, Gesundheitsversorgung neu zu denken.
Dr. Dorothee Brakmann (Commercial Lead Onkologie und Hämatologie) und Christian Hilmer (Leiter Marktzugang und  Erstattung), Mitglieder der Geschäftsleitung von Janssen Deutschland
Dr. Dorothee Brakmann (Commercial Lead Onkologie und Hämatologie) und Christian Hilmer (Leiter Marktzugang und Erstattung), Mitglieder der Geschäftsleitung von Janssen Deutschland
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Was steckt hinter dem Buzz Word Value Based Healthcare?
Brakmann: Value Based Healthcare, zu Deutsch wertbasierte Gesundheitsversorgung, ist weit mehr als ein Buzz Word. Es ist ein Konzept, das 2006 von den beiden Harvard Ökonomen Michael Porter und Elizabeth Teisberg erstmals vorgestellt wurde und seither auch in Deutschland intensiv diskutiert wird. Der Grundgedanke ist bestechend: Wenn wir das beste gesundheitliche Ergebnis für den einzelnen Menschen erreichen wollen, müssen wir zunächst definieren, was wir erreichen und wie wir am Ende messen wollen, inwieweit wir unser gesetztes Ziel erreicht haben. Wollen wir Leben ver-längern? Schmerzen lindern? Den Ausbruch einer Erkrankung verhindern? Das Ziel bestimmt den Versor-gungsprozess, die Therapieauswahl, -abfolge und Erfolgsmessung. Das von den Patient:innen wahrgenommene Ergebnis ist Maßstab für die Bewertung der Qualität einer Behandlung.

Ich lege erst das Ziel fest, dann plane ich, wie ich dieses Ziel erreiche. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein …
Brakmann: Ist es leider nicht. Value Based Healthcare setzt voraus, dass wir den Versorgungsprozess neu denken: ziel- und ergebnisorientiert und ganzheitlich, also behandlungs- und sektorenübergreifend. Davon sind wir aktuell noch weit entfernt. Zwar ist unser Gesundheitssystem eines des leistungsstärksten weltweit. Es ist zudem, zumindest im Kern, wertbasiert. Allerdings ist es darauf ausgerichtet, abzuwarten, bis eine Erkrankung ausgebrochen ist, um dann die Kosten für die Behandlung zu erstatten. Dabei sind wir medizinisch gesehen schon deutlich weiter: Moderne Therapien, etwa in der Onkologie, berücksichtigen zunehmend die individuellen Veranlagungen und die spezifische Ausprägung der Erkrankung bei den Betroffenen, setzen immer früher an, wirken immer präziser. Unser Gesundheitssystem ist auf solch innovative Therapien jedoch nicht vorbereitet.


Was bedeutet das konkret?
Hilmer: Unser Gesundheitssystem hinkt dem medizinischen Fortschritt der letzten Jahre hinterher. Medizinische Ansätze, die darauf abzielen, die Entstehung oder das Fortschreiten einer Erkrankung im Sinne einer Disease Interception zu unterbrechen oder zu verhindern oder eine Erkrankung möglichst personalisiert und präzise zu behandeln, haben es schwer, in die Versorgung zu gelangen – und damit zu den Menschen, die dringend darauf warten. In den medizinischen Leitlinien werden innovative Therapien zudem häufig erst zu einem späten Zeitpunkt empfohlen. Betroffene, deren Lebensqualität von einem solchen Medikament deutlich verbessert werden kann, müssen nicht selten zunächst Medikamente ausprobieren, die weniger gut wirken und im schlimmsten Fall mit vermeidbaren Nebenwirkungen einhergehen. Mit wertbasierter Versorgung, die die Gesundheit und Lebensqualität des einzelnen Menschen in den Vordergrund stellt, hat das wenig zu tun.

Was muss sich ändern?
Hilmer: Wenn wir unser Gesundheitssystem zu einem wertbasierten System weiterentwickeln wollen, müssen wir lernen, Versorgung ganzheitlich zu denken und den gesamten Behandlungsprozess zu betrachten. Das Therapieziel muss den Weg, also die Auswahl der geeigneten Therapien, bestimmen – unabhängig davon, wer die Behandlung erbringt, ob sie ambulant oder stationär erfolgt. Um die Evidenz moderner Therapien und ganz neuer Behandlungsansätze nachweisen zu können, brauchen wir zusätzlich zu unserem bestehenden Instrumentarium zeitgemäße Methoden, moderne Studiendesigns und Endpunkte. Die enormen Möglichkeiten der Digitalisierung müssen wir bestmöglich nutzen, um datenbasierte Therapieentscheidungen treffen und transparent nachvollziehen zu können, wie Therapien im Versorgungsalltag wirken. Die Voraussetzungen dafür sind – neben einer realistischen Balance aus Datenschutz und erlaubter Datennutzung – eine strukturierte, systematische Erfassung von Versorgungsdaten in guter Qualität, der gleichberechtigte Zugang forschender Akteur:innen dazu und nicht zuletzt eine IT-Infrastruktur, die die Interoperabilität von Daten und Systemen gewährleistet. Nicht zu vergessen: Gesundheitsversorgung im Sinne von VBHC braucht eine wertbasierte Erstattung von medizinischen Innovationen und Behandlungserfolgen. Dafür müssen wir das heutige Anreizsystem anpassen. Entscheidend für die Höhe der Erstattung sollte das Behandlungsergebnis bei den Betroffenen sein. Eine konsequente und faire ergebnisbezogene Incentivierung würde es Unternehmen wie Janssen ermöglichen, auch in Zukunft verlässlich in die Erforschung und Entwicklung dringend benötigter Therapien gegen Krankheiten zu investieren, die heute noch nicht oder nur unzureichend therapierbar sind.  

Das klingt nach einem enormen Aufwand. Warum kann nicht einfach alles bleiben, wie es ist?
Brakmann: Weil es keine Alternative gibt. Wir bei Janssen setzen uns schon lange für ein leistungsstarkes und zugleich bezahlbares Gesundheitssystem ein, das die bestmögliche Gesundheitsversorgung für alle Menschen gewährleistet, die in diesem System leben. Dieses Ziel erreichen wir nur, wenn wir unsere Gesundheitsversorgung konsequent nach den Grundsätzen von Value Based Healthcare ausrichten. Dafür braucht es den Schulterschluss mit allen relevanten Akteur:innen aus Gesundheitswesen und Politik. Ja, der Aufwand ist enorm – aber er lohnt sich! Den erforderlichen Prozess wollen und werden wir bei Janssen mit aller Konsequenz unterstützen.

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