Der digitale Zwilling des Menschen

Oktober 2020 | Die Zeit | Zukunft Medizin

Der digitale Zwilling des Menschen

Virtuelle Welten nutzen: Wie die Medizin von digitalen Zwillingen profitieren kann, erklärt Ital Bolliger, Experte Life Sciences bei Dassault Systèmes.

Ital Bolliger, Experte für die Industrie Life Sciences bei Dassault Systèmes
DASSAULT SYSTEMES / Beitrag

Herr Bolliger, was versteht man unter einem digitalen Zwilling?
Ein digitaler Zwilling ist ein virtuelles Abbild eines realen Produkts oder Prozesses. Er enthält nicht nur Informationen zur Form, sondern auch zu den Eigenschaften und Funktionen seines realen Pendants. Damit lässt sich jeder Schritt in der Entwicklung bis hin zum Einsatz virtuell abbilden. Dies geschieht mittels Simulation am Computer in der virtuellen Welt. Dabei wird getestet, wie sich ein Produkt oder Prozess unter realen Bedingungen verhalten wird. Die Anzahl physischer Prototypen oder falscher Ansätze lässt sich damit drastisch reduzieren. Damit kann ohne den Einsatz von Ressourcen und in stark verkürzter Zeit bereits frühzeitig das Produkt oder der Prozess untersucht werden.


Wie können diese Prozesse auf die Medizin übertragen werden?
Produkte werden immer komplexer, müssen aber gleichzeitig schneller und flexibler entwickelt werden. Vor dieser Herausforderung stehen auch Unternehmen aus der Medizinbranche. Um innovative Medizintechnik oder Medikamente effizient zu entwickeln, sind Daten der Schlüssel. Basierend auf einer zentralen Plattform, können in einem digitalen Zwilling Daten aus der realen Welt gespeichert und für Simulationen genutzt werden. Das nötige Know-how haben Entwickler aus der Fertigungsindustrie erworben und das kann nun auch in der Medizin angewendet werden. Die Basis bleibt dabei gleich: Durch den Einsatz unserer cloud-basierten 3DEXPERIENCE Plattform können Unternehmen die Vorteile der virtuellen Simulation zum Wohle der Menschen nutzen.

 

Wie wird sich die Medizin in Zukunft verändern?
In der Medizin beobachten wir eine zunehmende Personalisierung. Etwa durch Wearables sind bereits heute viele Patienten besser über den eigenen Gesundheitszustand informiert und wünschen sich somit auch Therapieformen, die noch individueller auf sie abgestimmt sind. Damit dies gelingt, müssen Forschung und Unternehmen aus der Life-Science-Branche noch stärker zusammenarbeiten und mehr über den menschlichen Körper herausfinden. Technologie, wie die von Dassault Systèmes, ist hierfür der Enabler.

 

Wo könnten digitale Zwillinge konkret zum Einsatz kommen?
Dassault Systèmes arbeitet seit vielen Jahren daran, die virtuelle Welt mit der Gesundheitsfürsorge des Menschen zu verbinden. Ziel ist es, Patienten besser versorgen zu können und mehr über den menschlichen Körper zu erfahren. Eines unserer bekanntesten Projekte ist das Living Heart Projekt. Damit haben wir erstmals gemeinsam mit einer Vielzahl an Experten in einem interdisziplinären Ansatz ein detailliertes und funktionales Abbild des menschlichen Herzens geschaffen. Damit können beispielsweise Stents besser an die Anatomie des Patienten angepasst werden. Ebenso wird das Modell bei der Ausbildung von medizinischem Fachpersonal eingesetzt, um Operationen vorab zu simulieren. Langfristig soll es möglich sein, den menschlichen Körper lebensecht virtuell abzubilden, um dadurch Krankheiten schneller erkennen und besser behandeln zu können. Virtuelle Welten nutzen, um die reale Welt zu verbessern – das ist das Ziel von Dassault Systèmes.


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