Corona attackiert die Gesundheitsbranche

April 2020 | Die Zeit | Zukunft Medizin

Corona attackiert die Gesundheitsbranche

Immer mehr Messen und Kongresse werden abgesagt – darunter die Leitmesse DMEA

Illustration: Wyn Tiedmers
Olaf Strohm / Redaktion

Die Meldung kam relativ früh: Der Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) und die Messe Berlin haben die diesjährige Ausgabe der Messe DMEA – Connecting Digital Health verschoben – auf den 16. bis 18. Juni 2020. Für die DMEA war dies mutmaßlich eine harte Entscheidung – und dennoch naheliegend. Denn auf der DMEA kommen vorwiegend Akteure zusammen, die in der Gesundheitswirtschaft tätig sind und die derzeit an vorderster Front gegen die Bedrohung durch das Coronavirus SARS-CoV-2 kämpfen. „Viele unserer DMEA-Teilnehmenden werden aktuell vor Ort an der Seite der Patientinnen und Patienten benötigt“, erklärte Sebastian Zilch, Geschäftsführer des bvitg. Deshalb habe man sich zu einer frühzeitigen Absage entschlossen.


Ursprünglich war die Messe für den 21. bis 23. April geplant. Jens Heithecker, Executive Vice President der Messe Berlin, betonte, man habe die Sicherheit und Gesundheit der Aussteller, Besucher und Partner im Blick gehabt. „Mit unserer frühzeitigen Entscheidung können wir eine kurzfristige Absage vermeiden und so für mehr Planbarkeit und Sicherheit gerade auf Seiten unserer Aussteller sorgen.“


Für die Stadt Berlin ist die Verschiebung ein harter Schlag. Im März war bereits die größte Tourismusmesse der Welt, die ITB, kurzfristig abgesagt worden. Damals wurden die Auflagen des Gesundheitsamtes so hoch geschraubt, dass man sich als Veranstalter zu einer Absage gezwungen sah, so die Messe Berlin. Den Berlinern dürfte ein Schaden in Milliardenhöhe entstanden sein. Etwa 160.000 Besucher erwartete die Messe Berlin zur ITB. Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Berliner Tourismus und Kongress GmbH, bezifferte, allein das Hotelgewerbe in der Hauptstadt habe wohl auf rund 80 Millionen Euro verzichten müssen. Taxifahrer oder Messebauer werden hohe Umsatzeinbrüche verzeichnet haben.


Die DMEA ist nur eine von vielen Veranstaltungen in der Gesundheitsbranche, die aufgrund des Versammlungsverbots zum Schutz vor der Verbreitung des Coronavirus derzeit verschoben werden muss. Bereits im März waren zahlreiche Kongresse den Vorbeugungsmaßnahmen gegen das Coronavirus zum Opfer gefallen, darunter Kongresse zur Schmerztherapie, Parasitologie und der Deutsche Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.


Die Veranstalter der DMEA setzen nun darauf, die Messe im Juni nachholen zu können. Nicht zuletzt könnte sich damit der wirtschaftliche Schaden auf allen Seiten in Grenzen halten, denn alle bisher gebuchten Leistungen wie Ausstellerausweise, Besuchertickets und Aufbauausweise behalten ihre Gültigkeit. Wie wichtig eine Informationsveranstaltung wie diese in Zeiten ist, in denen die Menschheit der Bedrohung durch eine Infektionserkrankung begegnen muss, betont Sebastian Zilch: „Gleichzeitig glauben wir auch an das große Potenzial von digitalen Lösungen wie Videosprechstunden oder E-Rezept, medizinisches Personal gerade in solchen Zeiten zu unterstützen und die Behandlung von Patientinnen und Patienten zu verbessern. Für den nötigen Austausch dazu ist die DMEA die zentrale und wichtigste Plattform.“

 


Aktuelle Informationen unter www.dmea.de