Wenn Übergewicht krankhaft wird

Die Zunahme von Adipositas in der Bevölkerung ist bedenklich. Schon jeder und jede fünfte Deutsche gilt als adipös.

Illustration: Stephanie Hofmann
Illustration: Stephanie Hofmann
Olaf Strohm Redaktion

Zu viele Kalorien, zu wenig Bewegung: Dieser Lebensstil, gepaart mit dem Konsum von hochverarbeiteten Lebensmitteln, viel Zucker und Alkohol, gilt als wesentliche Ursache für die allgemeine Gewichtszunahme in der Bevölkerung. Welches Ausmaß das weltweit angenommen hat, zeigt eine aktuelle Studie der Vereinten Nationen (UN): Übergewicht hat demnach das Untergewicht als häufigste Form der Fehlernährung bei Kindern und Jugendlichen abgelöst: Ein Fünftel der 5- bis 19-Jährigen ist übergewichtig, davon gelten knapp die Hälfte als adipös. In Deutschland sind laut Statistischem Bundesamt 54 Prozent der Erwachsenen übergewichtig, 20 Prozent gelten als adipös. 

Aber was bedeutet das? Übergewicht besteht laut Weltgesundheitsorganisation WHO bei einem Body-Mass-Index (BMI) von 25 und mehr. Es geht einher mit gestiegenen Gesundheitsrisiken, muss aber nicht zwangsläufig krankhaft sein. Bei einem BMI von 30 oder mehr sieht das schon anders aus: Dann erhöht sich das Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen erheblich. Dazu zählen Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, bestimmte Krebserkrankungen, Gelenkprobleme und psychische Beeinträchtigungen. Adipositas wirkt sich stark negativ auf die Lebensqualität und Lebenserwartung aus.

Adipositas unterscheidet sich vom Übergewicht zudem dadurch, dass es sich um eine krankhafte Ansammlung von Fettgewebe handelt. Die Ursachen sind vielfältig und umfassen neben einer ungesunden Ernährung und Bewegungsmangel auch genetische Faktoren, hormonelle Einflüsse und bestimmte Medikamente. Adipositas gilt als eigenständige Krankheit mit erheblichem Einfluss auf die Lebensqualität und Lebenserwartung der Betroffenen. Bei der Zunahme an Körpergewicht lagert sich das Körperfett an unterschiedlichen Stellen ab. Manche Menschen neigen dazu, an den Oberschenkeln anzusetzen. Andere wiederum legen vermehrt um die Körpermitte zu. Diese Art der Fettansammlung ist für die Gesundheit besonders gefährlich. Eine Körperfettverteilung rund um den Bauch steht in Verbindung mit einem erhöhten Risiko für Begleit- und Folgeerkrankungen. Das Risiko für Begleiterkrankungen ist auch erhöht, wenn der BMI zwar im Normalbereich liegt, das Fettgewebe jedoch vorrangig im Bauchbereich angesiedelt ist. 

Auch das Gesundheitssystem ist durch Adipositas stark belastet: Die Kosten für behandlungsbedürftige Folgeerkrankungen verursachen hohe Ausgaben. In Deutschland belaufen sich die direkten und indirekten Kosten, darunter Behandlung, Krankheitsausfälle und Produktivitätsverluste, auf rund 63 Milliarden Euro jährlich. 

Die UN-Studie macht vor allem die ständige Verfügbarkeit und aggressive Vermarktung stark verarbeiteter, zucker-, salzund fettreicher Lebensmittel verantwortlich, die an Orten wie Schulen, Geschäften und über digitale Kanäle verbreitet werden. Hier besteht auch ein Ansatz für die erfolgreiche Bekämpfung oder Vermeidung von Übergewicht und Adipositas: Hochverarbeitete Lebensmittel und zuckerhaltige Snacks sollten aus den Schulen verschwinden. 

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