Impfung gegen den Krebs

Dezember 2015 | Die Zeit | Volkskrankheiten

Impfung gegen den Krebs

Die Kölner Tumor-Immunologen Professor Dr. Volker Schirrmacher und Dr. Wilfried Stücker haben die erste offizielle Genehmigung für eine Tumorimpfung erhalten. Ein Interview mit den Onkologen.

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Herr Professor Schirrmacher, woraus besteht der Impfstoff?

 

Prof. Schirrmacher: Die spezifische Komponente des Impfstoffs stellt individuelles Tumorgewebe dar, das dem Patienten bei der Krebsoperation in der Klinik entnommen wird und ins IOZK gebracht werden muss. Im Labor werden daraus Patienten-eigene Tumorzellen isoliert, mit einem Geflügelvirus, dem Newcastle Disease Virus (NDV) infiziert und zu Tumorantigene enthaltendem Onkolysat verarbeitet. Der endgültige Impfstoff VOL-DC besteht aus Dendritischen Zellen, die aus einer Blutprobe des Patienten gewonnen werden und die mit dem viralen Onkolysat (VOL) beladen werden. 

 

Was geschieht im Körper?

 

Prof. Schirrmacher: Durch die Impfung werden bestimmte Abwehrzellen, so genannte T-Zellen, gegen die Tumorantigene des Patiententumors aktiviert. Eine Virusinfektion ist notwendig, damit das Immunsystem die Tumorantigene als gefährlich einstuft. Bösartige Tumorzellen können sich schon sehr früh aus dem primären Tumorgewebe entfer-nen und sich als Metastasen-induzierende-Tumorzellen in anderen Geweben einnisten. Hier können sie früher oder später Metastasen bilden. Die Metastasen-induzierenden-Krebszellen haben Stammzell-Eigenschaften und sind mit herkömmlichen Zusatztherapien wie Chemotherapie oder Strahlentherapie nicht zu vernichten.  

 

Das Immunsystem wird also gegen den Tumor aktiviert?

 

Dr. Stücker: Richtig. Das Immunsystem hat die Möglichkeit, derartige Tumorzellen spezifisch zu erkennen, sie zu attackieren und ein immunologisches Gedächtnis anti-Tumor reaktiver Zellen gegen ein erneutes Tumorwachstum zu bilden. So kann der Impfstoff, der derartige Zellen aktiviert, als Sekundärprophylaxe gegen Metastasen nach einer operativen Entfernung eines bösartigen Tumors genutzt werden.  

 

Wo kann man den Impfstoff bekommen?

 

Dr. Stücker: Wir sind europaweit die ersten und einzigen, die solch einen modernen Impfstoff herstellen und anwenden können. Der Impfstoff muss für jeden Patienten individuell hergestellt werden, damit er hoch spezifisch ist. 

 

Wie wird geimpft?

 

Prof. Schirrmacher: Nach der Herstellung des Impfstoffs im Labor, was eine Woche dauert, beginnt die Impfung: insgesamt zwei Mal in einem Abstand von einem Monat. Nebenwirkungen wie bei Chemotherapie oder Strahlentherapie werden bei der Immuntherapie nicht beobachtet. Der Patient kann sich vorübergehend wie bei einer Grippe fühlen.

 

Wer kann geimpft werden?

 

Dr. Stücker: Im Prinzip alle Patienten, die einen soliden Tumor haben, bei denen sich also schon eine Krebsgeschwulst gebildet hat. In den vergangenen zehn Jahren hat das IOZK etwa 1.200 Patienten mit über 70 verschiedenen Tumorarten behandelt.

 

Was kostet die Behandlung?

 

Dr. Stücker: Pro Patient entstehen Kosten von rund 30.000 Euro, die bei Privatversicherten in der Regel erstattet werden. Bei Kassenpatienten wird eine Einzelprüfung vorgenommen.  

 

 

Professor Dr. Volker Schirrmacher; Wissenschaftlicher Leiter der Tumor-Immunologie im IOZK

 

Dr. Wilfried Stücker; Geschäftsführer des Immunologisch-onkologischen Zentrums Köln (IOZK) 

 

www.iozk.de