Das Gesundheitsbarometer

Magen-Darm-Erkrankungen sind weit verbreitet. Oftmals lässt sich keine klare Ursache feststellen.
Magendarm
Magendarm
Axel Novak Redaktion

Die Stimmung schlägt auf den Magen? Kaum ein Organ im menschlichen Körper reagiert so empfindlich auf Stress und Unwohlsein wie der Verdauungsapparat: Zwischen Mundhöhle und After befindet sich ein höchst sensibles System, dessen einzelne Teile präzise zusammenspielen. Weil sich die Alltagsbelastung irgendwann in diesem Komplex bemerkbar macht, steigt mit der zunehmenden älteren Bevölkerung auch die Zahl der Menschen, die an Erkrankungen an Magen und Darm leiden.

 

Wegen der großen Zahl an Betroffenen müsse man von Volkskrankheiten sprechen, so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), Prof. Markus M. Lerch. Immerhin würden deswegen in Deutschland jedes Jahr fast zwei Millionen Menschen in Krankenhäusern behandelt. Weil viele Erkrankungen – vor allem chronische Entzündungen – bisher nicht auf eindeutige Ursachen zurückgeführt werden können, fordert die DGVS einen Forschungsverbund. Fest steht aber schon heute: Stress und falsche Ernährung, mangelnde Bewegung und Übergewicht erhöhen das Risiko, auch im Verdauungstrakt zu erkranken. 

 

Eine der häufigsten Erkrankungen in Deutschland ist das Reizdarm-Syndrom. Experten schätzen, dass zwischen fünf und 15 Millionen Deutsche von dieser chronischen Darmerkrankung betroffen sein könnten. Dabei nehmen die Patienten ganz normale Verdauungsvorgänge schmerzhaft gesteigert wahr, ohne dass es dafür erkennbare organische Ursachen gibt. Neben Alltagsbelastungen, zu wenig Ballaststoffen und zu viel Fett oder auch Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten gelten auch bakterielle Infektionen als mögliche Ursachen des
Syndroms. So kann sich neben Stressabbau – zum Beispiel durch Yoga, Entspannungsübungen, körperliche Bewegung und genügend Schlaf – auch eine gesunde Ernährung auf das Reizdarm-Syndrom positiv auswirken. Ähnlich Sodbrennen: Ist der Übergang am Muskelverschluss von Magen und Speiseröhre gestört, fließt saurer Mageninhalt in die Speiseröhre. Zu hoher Kaffee  oder Nikotinkonsum, Übergewicht oder fetthaltige Nahrung – und psychische Belastung sind mögliche Auslöser von Sodbrennen. Medikamente helfen, den Säurefluss zu neutralisieren. Verlieren übergewichtige Patienten Gewicht, geht es ihnen meist besser. Gelegentlich hat sich allerdings bei Menschen mit starkem Reflux die Speiseröhre entzündet. Hier kann eine Spiegelung dabei helfen, organische Schäden zu entdecken.

 

Eine weitere Erkrankung des Magens ist das Magengeschwür durch Verletzung der Magenschleimhaut. Häufig ist das Bakterium Helicobacter pylori dafür verantwortlich. Die Diagnose muss nicht über eine Magenspiegelung, sondern kann auch über einen Harnstoff-Atemtest erfolgen. Dabei nimmt der Patient ein Harnstoff-Präparat  mit markierten Kohlenstoffisotopen zu sich. Liegt ein Befall vor,  spaltet ein von den Bakterien produziertes Enzym den Harnstoff und setzt dabei die markierten Kohlenstoffisotope frei. Beim Ausatmen kann der Arzt festestellen, ob sie sich in der Ausatemluft befinden. Behandelt wird Helicobacter pylori mit einer Kombinationstherapie aus Antibiotika und Magensäurehemmern. 

Nächster Artikel
Medizin
Dezember 2021
Illustration: Antje Kahl
Redaktion

Mehr bewegen, weniger snacken

In Deutschland leben 8,5 Millionen Menschen mit einem diagnostizierten Typ-2-Diabetes – Tendenz steigend. Eine zentrale Rolle in der Prävention und Therapie spielt die Ernährung.