Grenzen überschreiten

Juli 2015 | Die Zeit | Kinderwunsch

Grenzen überschreiten

m Interview erklärt die Familientherapeutin und Vorsitzende des Beratungsnetzwerks Kinderwunsch Deutschland, Dr. Petra Thorn, was zu beachten ist, wenn Paare sich für eine Kinderwunschtherapie im Ausland entscheiden.

Sabine Phillip / Redaktion

Was sind die Gründe für den Gang ins Ausland?


 Meist geht es um eine Eizellspende. Sie ist in Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz verboten. Bei einer Behandlung im Ausland bleiben Empfängerin und Spenderin aber straffrei. Sie wird genutzt, wenn eine Frau keine oder zu wenige intakte Eizellen besitzt; zum Beispiel nach einer Chemotherapie. Der Samen kommt meist vom Partner. Bei lesbischen Paaren und Singlemüttern sind Samenspenden ein Thema. Sie sind in Deutschland erlaubt. Die Bundesärztekammer empfiehlt aber in ihrer Richtlinie, nur Ehepaare zu behandeln. Andere Paare möchten eine Prä-Implantations-Diagnostik oder PID durchführen. Dabei werden die Embryos vor der Übertragung in die Gebärmutter untersucht. Das Embryonenschutzgesetz erlaubt sie, wenn das Risiko einer schweren Erbkrankheit besteht, und um Schäden am Embryo festzustellen, die sehr wahrscheinlich zu einer Tot- oder Fehlgeburt führen. Ein Screening, um generell Krankheiten auszuschließen, ist verboten. 

 

Welche Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen? 

 

Sie zahlen für Behandlungen im EU-Raum, für die sie auch in Deutschland aufkommen würden. Paare, die einen Zuschuss für eine IVF/ICSI-Behandlung erhalten, bekommen ihn auch im EU-Ausland.

 

Welche grundsätzlichen Ratschläge geben Sie Paaren?

 

Lassen Sie sich den Vertrag im Vorfeld zukommen und lesen Sie ihn in Ruhe durch. Formulieren gegebenenfalls Fragen. Wählen Sie am besten ein Land, in dem die Samenspender oder Eizellspender nicht anonym sind. Die Kinder möchten später in der Regel wissen,
woher sie stammen. Setzen Sie sich unbedingt intensiv mit dem Thema und seinen Folgen auseinander, etwa wie Sie mit einer Eizellspende in ihrem sozialen Umfeld umgehen. Gerade die psychosozialen Aspekte werden oft unter
schätzt.