Zu Hause oder im Heim?

März 2016 | Die Welt | Glücklich im Alter

Zu Hause oder im Heim?

Mit zunehmendem Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit, einmal pflegebedürftig zu werden. Eine Versorgung kann sowohl zu Hause als auch stationär erfolgen.

Illustration: Chiara Lanzieri by Marsha Heyer
Anette Stein / Redaktion

Die meisten Menschen wünschen sich, im vertrauten Zuhause alt zu werden. Dies ist auch möglich, vorausgesetzt die Wohnung ist altersgerecht ausgestattet. Wird der Alltag einmal schwierig, können Senioren auch dann noch mit Unterstützung durch Angehörige oder ambulante Pflegedienste in den eigenen vier Wänden verbleiben. Manchmal stellt jedoch der Umzug in ein Pflegeheim die bessere oder sogar notwendige Alternative dar.


Rund ein Drittel der Pflegebedürftigen in Deutschland wird in Heimen vollstationär versorgt. Meist ist der Zeitpunkt, einen Wechsel zu planen, gekommen, wenn sich der Gesundheitszustand des Pflegebedürftigen zu stark verschlechtert oder er wegen ausgeprägter Demenz nicht mehr unbeaufsichtigt gelassen werden kann. Das gleiche gilt auch, wenn die körperliche oder psychische Belastung der pflegenden Angehörigen zu groß wird oder aufgrund des Zeitaufwandes der Verlust des Arbeitsplatzes, der für das finanzielle Auskommen der Familie sorgt, droht.


Moderne Pflegeeinrichtungen sind heute auf die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen ausgerichtet. Die Bewohner leben hier in Ein- oder Zweipersonen-Zimmern mit Bad und WC, in nobleren Einrichtungen in Appartements, und haben meist die Möglichkeit, einen Teil ihrer Möbel von zu Hause mitzubringen. Im Heim organisierte Veranstaltungen und Freizeitangebote bieten den Kontakt zu anderen Menschen und beugen der Isolation vor.


Wichtigste Qualitätsmerkmale für Betroffene stellen jedoch die Pflege und die medizinische Versorgung dar. In guten Einrichtungen trägt eine aktivierende Pflege dazu bei, dass die älteren Menschen ihre vorhandenen Fähigkeiten möglichst lange bewahren. Für alle Pflegeleistungen und die Betreuung steht dem Personal ausreichend Zeit zur Verfügung. Dies ist jedoch nicht immer gegeben. So ließen in den vergangenen Jahren negative Berichte von Experten und Angehörigenvertretern die Öffentlichkeit aufhorchen. Infolge eines Personalnotstandes sowie nicht ausreichend qualifizierter Kräfte herrschen in vielen deutschen Pflegeheimen Missstände – von Vernachlässigungen in den Bereichen Hygiene und Ernährung, falschen Medikamentierungen bis hin zu Falschbehandlungen von Demenzerkranken.
Die Qualitätsspanne der unterschiedlichen Einrichtungen fällt sehr groß aus. Hieran hat auch der 2009 seitens des Staates eingeführte und inzwischen wieder abgeschaffte sogenannte Pflege-TÜV nichts geändert. Um so wichtiger ist es, dass sich Senioren und ihre Angehörigen vor einem akuten Bedarf umfassend und rechtzeitig informieren.  Für begehrte Einrichtungen bestehen mitunter lange Wartelisten. In vielen Pflegeeinrichtungen ist auch ein befristetes Probewohnen möglich oder Betroffene können sich beispielsweise im Rahmen einer Kurzzeitpflege einen Eindruck verschaffen.