Höchste Präzision bei Prostatakrebsoperationen

Juni 2021 | Die Zeit | Gesundheit & Volkskrankheiten

Höchste Präzision bei Prostatakrebsoperationen

Am ProstataZentrum NordWest in Gronau werden Prostatakrebsoperationen ausschließlich roboterassistiert durchgeführt – mit großem Erfolg.

Prostatazentrum Nordwest (PZNW) / Beitrag

Priv.-Doz. Dr. med. Jörn H. Witt, Chefarzt der Klinik für Urologie, Kinderurologie und Urologische Onkologie am St. Antonius-Hospital Gronau und Leiter des PZNW – ProstataZentrum NordWest ist ein international anerkannter Experte für roboterassistierte Chirurgie

 

Herr Dr. Witt, Sie gelten weltweit als einer der renommiertesten Experten für roboterassistierte urologische Operationen. Wobei genau assistiert Ihnen der Roboter?
Roboterassistiertes Operieren darf man sich nicht so vorstellen, dass eine Maschine selbstständig agiert, also den Eingriff oder Teile davon vornimmt. Der Roboter ist lediglich ein geniales, sehr komplexes Hightech-Werkzeug für den geübten Operateur – nicht mehr und nicht weniger.


Grundsätzlich ist eine roboter-assistierte Operation eine Sonderform der minimalinvasiven laparoskopischen Chirurgie. Dabei werden eine Optik und verschiedene chirurgische Instrumente durch sehr kleine Öffnungen in die Bauchhöhle des Patienten geschoben und von außen bedient. Bei einer roboterassistierten OP hält der Operateur die Instrumente jedoch nicht direkt in der Hand, sondern steuert sie über eine Bedieneinheit, in die er auch hineinschaut. Patienten werden also nicht von einem Roboter operiert, sondern ein Hightech-Instrument setzt die Bewegungen des Operateurs um. Dieser hat zu jeder Zeit die vollständige Kontrolle über die Instrumente.

 

Was sind ganz allgemein die Vorteile einer roboterassistierten Operation?
Minimalinvasive Verfahren sind grundsätzlich schonender und risikoärmer. Roboterassistierte Operationsverfahren haben darüber hinaus mehrere Vorteile. Zum einen die deutlich höhere Präzision, mit der sie arbeiten. Die zwischengeschaltete elektronische Steuerung gleicht auch das kleinste Zittern der Hand aus und erlaubt exaktes Arbeiten auf engstem Raum. Zudem verfügen die Instrumente über mehr Gelenke und erhöhen so die Bewegungsmöglichkeiten. Die Optik liefert ein dreidimen-sionales, um ein Vielfaches vergrößertes Bild und erleichtert damit die Navigation im Operationsgebiet. Im Zusammenspiel mit der präzisen Steuerung kann der Operateur „näher dran“, wir sprechen hier von der Skalierung in kleinste Bereiche. Und schließlich schont das präzisere Arbeiten das umliegende Gewebe. Das vermindert das
allgemeine Operationsrisiko und die Wundheilung verläuft unserer Erfahrung nach um den Faktor 10 bis 100 rascher.

 

Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang die Erfahrung des Operateurs?
Jedes Instrument ist nur so gut wie die Hand, die es führt. Insbesondere bei roboterassistierten Operationen ist die Erfahrung des Chirurgen von entscheidender Bedeutung. Im ProstataZentrum NordWest verfügen wir mittlerweile über einen Erfahrungsschatz aus über 20.000 roboterassistierten Operationen – davon mehr als 17.000 Prostatakrebsoperationen. Damit gehören wir weltweit zu den größten Zentren für roboterassistierte Chirurgie.

 

Am ProstataZentrum NordWest setzen Sie ausschließlich auf das robo-terassistierte Verfahren. Warum?
Wir setzen die Roboterchirurgie überall dort ein, wo es sinnvoll ist, z. B. bei komplexen Eingriffen –bei Prostatakrebsoperationen in der Tat ausschließlich. Denn es geht darum, auf kleinstem Raum so filigran und exakt wie möglich zu operieren. Durch die außergewöhnliche Präzision, die von unseren erfahrenen Chirurgen mit der roboterassistierten Operationstechnik erreicht wird, können die für die Kontinenz und Potenz entscheidenden Nerven und Gewebe-strukturen häufig erhalten werden. Außerdem wird die Belastung für den Patienten durch einen geringeren Blutverlust während der OP und erheblich reduzierte Komplikationsraten, weniger Schmerzen nach der Operation, am Ende kaum sichtbare Narben, eine schnelle Erholung und folglich einen kürzeren Krankenhausaufenthalt insgesamt deutlich minimiert. Durch die rasche Rekonvaleszenz kann der Patient schneller wieder seinem normalen Alltag nachgehen

 

Muss ich mich als Patient auf Inkontinenz und Impotenz als Folge einer Prostatakrebsoperation einstellen?
Roboterassistierte Verfahren ermöglichen, wie gesagt, sehr präzises Arbeiten. Internationale Studien zeigen, dass sich so unter anderem die Risiken für Inkontinenz und Impotenz deutlich vermindern lassen. Gänzlich ausschließen lassen sich negative Folgen aber nie. Das hängt unter anderem davon ab, wie weit ein Prostatakarzinom zum Zeitpunkt der Operation fortgeschritten ist. Manchmal ist es erforderlich, mehr Gewebe zu entfernen, um den Tumor vollständig zu beseitigen, dann steigt das Risiko für unerwünschte Folgen. Doch auch in diesen Fällen erlauben roboterassistierte Verfahren, die Risiken insgesamt zu minimieren.

 


Übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine roboterassistierte Prostatakrebsoperation?
Für Operationen gibt es grundsätzlich eine bestimmte Fallpauschale. Das einzelne Krankenhaus muss dann sehen, wie die Kosten für das roboterassistierte Verfahren abgedeckt werden. Einige stellen ihren Patienten die zusätzlich anfallenden Kosten in Rechnung. Am ProstataZentrum NordWest tun wir dies nicht. Weil wir von den Vorteilen dieser OP-Methode so überzeugt sind,  möchten wir unseren Patienten kein anderes Verfahren „zumuten“. Ökonomisch ist das zum Beispiel durch kürzere Liegezeiten und verringerte Komplikationen abzudecken. In der wirtschaftlichen Betrachtung für die Gesamtgesellschaft ist die Roboterchirurgie günstiger als die offene Chirurgie. Dies hilft dem jeweiligen Krankenhaus als Anbieter spitzenmedizinischer Leistungen leider nicht.

 

Zum Schluss das Thema Früherkennung: Ab welchem Alter empfehlen Sie Männern eine Untersuchung beim Urologen – und wann sollte man sich einer Operation unterziehen?
Zur Untersuchung spätestens ab 45 alle zwei Jahre, bei familiärer Vorbelastung auch schon ab 40. Neben dem Ertasten der Prostata gehören dazu auch die Bestimmung und die Beobachtung des PSA-Wertes. Der Zeitpunkt einer OP hängt von vielen Faktoren ab und wird nicht allein vom Alter des Patienten bestimmt. Neben der Frage, wieweit das Karzinom fortgeschritten ist, zählt auch der Allgemeinzustand. Bei einem fitten Endsiebziger würde man unter Umständen anders vorgehen als bei einem 50-Jährigen mit sehr schlechtem Allgemeinzustand. Grundsätzlich gilt natürlich, und das ist eine ganz wichtige Botschaft: Je eher ein Prostatakarzinom entdeckt und operiert wird, desto geringer sind die Risiken.

 

www.pznw.de