Viel Licht und gutes Essen

November 2020 | stern | Glücklich Zuhause

Viel Licht und gutes Essen

Die zweite Corona-Welle ist da und wir werden in den nächsten Monaten wieder viel Zeit zuhause verbringen. Ein kleiner Überblick über neue Erkenntnisse und interessante Trends.

Illustrationen: Merle Schewe
Julia Thiem / Redaktion

GAME ON

Schon vor der Corona-Krise haben immer mehr Menschen Online-Spiele für sich entdeckt, allerdings hat die Pandemie den Aufwärtstrend für den Gamingmarkt noch einmal beschleunigt, wie nun eine Analyse von Kryptoszene.de zeigt. Demnach wächst der globale Umsatz jährlich um 8,3 Prozent. Und auch Gamer in Deutschland geben seit der Pandemie rund 24 Euro im Monat für Spiele und Zusatzinhalte aus. Vor der Krise waren es im Mittel 15 Euro. Der Anstieg schlägt mit rund 60 Prozent zu Buche. Am zahlungswilligsten sind die 16 bis 29-Jährigen. Diese investieren derzeit rund 34 Euro monatlich.

 

FLEISCHLOS GLÜCKLICH

Der Veggie-Burger darf auch weiter Veggie-Burger heißen. Im Oktober hat sich das EU-Parlament gegen einen Vorstoß der Agrar-Lobby entschieden, Begriffe wie Burger, Steak oder Wurst ausschließlich für tierische Produkte zu verwenden. Damit trägt das EU-Parlament auch der steigenden Nachfrage nach Fleischersatzprodukten Rechnung. Allein im ersten Quartal dieses Jahres stieg der Verbrauch um 37 Prozent. Eine Sprecherin des eigentlich klassischen Fleischbetriebs Rügenwalder Mühle sagte gegenüber tagesschau.de, dass sich auch die Corona-Pandemie positiv auf den Umsatz von Fleischersatzprodukten ausgewirkt habe: „Gerade in den vergangenen Monaten haben sich die Menschen viel mit dem Thema Ernährung beschäftigt, alleine schon, weil sie gewissermaßen gezwungen waren, zu Hause zu kochen und zu essen.“ Daher habe das Unternehmen im Juli 2020 auch erstmals mehr Umsatz mit Fleischalternativen gemacht.

 

TROCKENE LUFT SCHWÄCHT IMMUNABWEHR

Forscher der Yale University School of Medicine haben nun in einer Übersichtsarbeit belegt: Winterliches Aussenklima kann auch die Virenübertragung in Gebäuden beeinflussen. In ihrer Arbeit „The Seasonality of Respiratory Viral Infections“, zeigen die Wissenschaftler auf, dass eine Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent, Raumtemperaturen um 22 Grad sowie gute Lüftungsverhältnisse das Übertragungsrisiko respiratorischer Viren vermindern und das Immunsystem stärken. Denn ein Pfeiler des Abwehrsystems sei eine gut befeuchtete, selbstreinigende Schleimhaut, weshalb eine geheizte, trockene Raumluft unerwünschte Auswirkungen auf die mehrstufige Immunabwehr der Atemwege habe. Neben einem guten Raumklima sollte man Schlafmangel, Stress und schlechte Ernährung meiden, um gut durch die Wintermonate zu kommen, raten die Forscher.

 

TEURES HOMEOFFICE

Eine Xing-Umfrage hat ergeben: Arbeitnehmer wünschen sich eine bessere Homeoffice-Ausstattung. 70 Prozent der Befragten in Deutschland gaben an, nach wie vor im Homeoffice zu arbeiten. Die nötigen Investitionen hierfür hätte dabei der Großteil aus eigener Tasche finanziert: Mehr als die Hälfte der befragten Xing-Mitglieder habe sich technisches Equipment wie Laptops, Headsets oder Kameras angeschafft oder eigenfinanziert für eine bessere Internetverbindung gesorgt. Rund sechs Prozent war das Investment in den Heim-Arbeitsplatz sogar mehr als 1.000 Euro wert. Etwa 25 Prozent haben zwischen 100 und 500 Euro investiert, bei rund 15 Prozent blieb der finanzielle Einsatz unter 100 Euro. Immerhin bei 40 Prozent der Befragten hat auch der Arbeitgeber finanzielle Unterstützung geleistet.

 

VORSICHT REIZÜBERFLUTUNG

Wer coronabedingt viel Zeit zu Hause verbringt, surft länger im Internet, schaut mehr Filme über die einschlägigen Streamingdienste oder spielt das ein oder andere Online-Spiel am Computer oder Smartphone. Aber Vorsicht: Wissenschaftler der Universität Stanford haben nun herausgefunden, dass es eher schädlich für das Gedächtnis zu sein scheint, wenn man häufig Medien-Multitasking betreibt. Wer also fernsieht und dabei im Internet surft, kann sich mit hoher Wahrscheinlichkeit hinterher weder an den Film noch an die Internet-Recherche erinnern. Noch handle es sich hier zwar um eine Korrelation und keine Kausalität. Jeder, der aber schon einmal das Smartphone aus der Tasche geholt hat, um nach der Uhrzeit zu schauen und sich von einer Nachricht hat ablenken lassen, kann die bisherigen Forschungsergebnisse aber wohl nickend bestätigen.

 

IM RICHTIGEN LICHT

Gleiche Leistung bei weniger Anstrengung durch eine optimierte Lichtumgebung?
Johannes Zauner und Prof. Dr. Herbert Plischke haben im Lichtlabor der Hochschule München und in Kooperation mit der LMU München und der TU Chemnitz untersucht, wie sich unterschiedliche Lichtspektren am Arbeitsplatz kurzfristig auf die Anstrengung auswirken, die für kognitive Leistungen aufgewandt wird. Dabei wurde die kognitive Leistung von 27 Probanden bei drei unterschiedlichen Lichtszenarien jeweils vormittags und nachmittags untersucht. Während der insgesamt zehn bis fünfzehn Minuten Belichtung lasen sie zunächst und absolvierten dann einen Gedächtnistest, bei dem ihre Fehlerquote und Reaktionszeit gemessen wurde. Das Ergebnis: Bei morgendlichen und abendlichen Lichtverhältnissen sank bei gleicher Leistung die Anstrengung, die dafür aufgewendet werden musste. In der typischen Lichtumgebung im Arbeitsumfeld mussten sich die Probanden hingegen stärker anstrengen. Sie benötigten ein bis zwei Prozent mehr Energie, um die Aufgaben gleich gut zu lösen.

 

IMMOBILIENMARKT TROTZ CORONAKRISE

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Allerdings hat die Mehrheit der Deutschen die Hoffnung auf ein Immobilien-Schnäppchen im Zuge der Coronakrise nun aber doch aufgegeben. Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Berliner Maklerfirma Homeday glauben 27 Prozent der Befragten nicht mehr daran, dass die Preise für Wohnimmobilien von der Pandemie beeinflusst werden. 34 Prozent glauben sogar, dass sie weiter steigen werden. Im Mai waren noch 48 Prozent der Befragten von sinkenden Preisen ausgegangen und hatten auf ein Corona-Schnäppchen am Immobilienmarkt spekuliert. Damit trotzen deutsche Immobilien ungeachtet von Kurzarbeit, einer einbrechenden Wirtschaft und steigender Arbeitslosigkeit den Auswirkungen der globalen Pandemie.