Herr Bergen, getAbstract hat mit Zusammenfassungen von Sachbüchern begonnen. Seit jeher arbeiten Sie mit Verlagen zusammen, heute stützen Sie sich auch auf Online-Quellen und KI-Anwendungen. Wie hat sich Ihr Verständnis davon verändert, was Menschen in Unternehmen lernen müssen?
Obwohl am Anfang das Buch stand, haben wir früh gemerkt: Die eigentliche Aufgabe beginnt davor. Man muss zuerst herausfinden, welches Wissen überhaupt relevant und verlässlich ist. Deshalb haben wir Inhalte kuratiert, geprüft und bewertet. Später kamen Online-Quellen hinzu, heute auch internes Fachwissen und Wissen, das nur in den Köpfen der Mitarbeitenden steckt. Im Kern sind wir zu einer Wissensverarbeitungsmaschine geworden, die Wissen verifiziert und kontextualisiert.
Sie betonen immer wieder die Notwendigkeit von „verifiziertem Wissen“ – warum ist es so wichtig?
Weil KI die Menge an Informationen explosionsartig vergrößert hat, aber nicht automatisch deren Qualität. Heute lassen sich Inhalte binnen Kurzem KI-gestützt erzeugen. Von außen wirkt vieles professionell – aber oft bleibt die Frage: Steckt dahinter echte Expertise? Deshalb wird Verifizierung zu einer strategischen Aufgabe: Firmen müssen sicherstellen, dass ihre Systeme mit belastbarem Wissen operieren.
Sie arbeiten mit sogenannten „Knowledge Layers“ – verifizierten Wissensgrundlagen für KI-Systeme. Ist die eigentliche Herausforderung also weniger die KI selbst als die Qualität der Inhalte?
Absolut. Die Modelle werden immer besser und günstiger verfügbar. Entscheidend ist das Wissen, auf das diese Systeme zugreifen. Wir sehen drei Ebenen: Wissen aus Verlagen, überprüftes Onlinewissen und internes Unternehmenswissen. Erst wenn diese Trias sauber aufgebaut ist, entstehen leistungsfähige KI-Anwendungen.
Welche Rolle spielt dabei noch der Mensch?
Die wichtigste! Zumindest bei uns. Wir setzen zwar intensiv KI ein, etwa für Inhaltsanalyse oder Übersetzungen. Aber am Ende braucht es immer Menschen mit Fachwissen, die bewerten und Verantwortung übernehmen. Wir nennen das „Human in the Loop“. Ohne diese Kombination aus technologischer Effizienz und menschlicher Expertise ist verlässliches Wissensmanagement unmöglich.
Sie arbeiten auch daran, Wissen erfahrener Mitarbeitender, die bald ausscheiden werden, durch Interviews zu sichern. Unterschätzen Firmen diesen Schatz noch?
Im Gegenteil. Viele Unternehmen sorgen sich, in den nächsten Jahren eine große Menge Erfahrungswissen zu verlieren. Deshalb ist die Nachfrage enorm. Die Mitarbeitenden wiederum empfinden es als große Wertschätzung, dass ihre Erfahrung nicht verloren geht.
Wie verändert KI Weiterbildung?
Lernen wird viel stärker in den Arbeitsalltag integriert. KI-Agenten können Beschäftigten künftig genau das Wissen bereitstellen, das sie in einem konkreten Moment brauchen – etwa Hinweise auf relevante Inhalte oder Hilfe bei der Einarbeitung in Neues. Weiterbildung wird so individueller und deutlich näher an realen Aufgaben stattfinden. Die Frage wird in Zukunft weniger sein, ob Menschen lernen, sondern wie effizient.
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