Frau Weckesser, warum ist frühe Berufsorientierung so entscheidend – und warum klappt der Übergang von der Schule in den Beruf oft noch nicht gut genug?
Berufsorientierung ist heute ein entscheidender Faktor für Zukunftsfähigkeit. Die Arbeitswelt verändert sich immer schneller, u. a. durch Digitalisierung und neue Technologien. Viele Schülerinnen und Schüler, aber auch Eltern und Lehrkräfte, fragen sich: Welche Berufe haben überhaupt Zukunft? Schulen engagieren sich, können aber mit dem Tempo oft kaum Schritt halten. Das eigentliche Problem ist dabei nicht fehlende Information, sondern fehlende Orientierung und Anschlussfähigkeit zwischen Schule und Arbeitswelt. Fachkräftemangel entsteht nicht erst im Unternehmen, sondern bereits am Anfang der Bildungskette. Deshalb glauben wir, dass Berufsorientierung viel früher beginnen muss – direkt im Unterricht und nicht erst kurz vor dem Schulabschluss.
Welche Rolle können Unternehmen dabei übernehmen – und wo liegen ihre Grenzen?
Wirklich erfolgreich sind wir nur im Zusammenspiel von Schule, Eltern, Politik und Wirtschaft. Unternehmen sollten sich nicht in Lehrpläne einmischen, aber sie können Praxisbezüge schaffen und zeigen, wie die Arbeitswelt heute aussieht. Viele junge Menschen fragen heute stärker nach dem „Wofür“: Warum lerne ich etwas? Wo kann ich das später einsetzen? Genau darauf müssen moderne Lehr- und Lernmaterialien Antworten geben. Wenn Schülerinnen und Schüler verstehen, wie Themen aus dem Unterricht mit echten Berufen oder gesellschaftlichen Fragen zusammenhängen, entsteht viel mehr Motivation, auch für technologische Zukunftsthemen.
Mit SIEYA[at]School haben Sie eine bundesweite Initiative gestartet. Was machen Sie konkret anders?
Wir bringen Berufsorientierung direkt in den Fachunterricht. Damit wird sie nicht zu einem zusätzlichen Angebot, sondern Teil des regulären Unterrichts. Gemeinsam mit Partnern haben wir wissenschaftlich geprüfte und lehrplankonforme Materialien entwickelt, die Zukunftsthemen praxisnah vermitteln, etwa Smart City oder Cybersicherheit. Das Besondere: Lehrkräfte können die Materialien mit KI gestützter didaktischer Unterstützung innerhalb weniger Minuten individuell anpassen – je nach Fach, Klassenstufe und Bundesland etc. Das spart Vorbereitungszeit. Die Inhalte sind kostenlos über Schulclouds und Plattformen wie MUNDO verfügbar und sofort einsetzbar. Genau dafür bekommen wir aktuell sehr viel positives Feedback aus Schulen.
Was braucht es, damit solche Ansätze größer werden?
Hierfür braucht es vor allem direkt nutzbare Lösungen. Lehrkräfte haben oft nicht die Zeit, bestehende Materialien mühsam anzupassen. Deshalb müssen Angebote flexibel und leicht zugänglich sein – und wir brauchen weniger neue Einzelprogramme, sondern die konsequente Skalierung dessen, was funktioniert. Wenn moderne Lernformen den Schulalltag erleichtern und Berufsorientierung stärken, entsteht daraus echter Mehrwert – für Schulen, Unternehmen und vor allem für die Schülerinnen und Schüler. Wir wissen heute, was wirkt – jetzt kommt es darauf an, es konsequent umzusetzen.
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