Gemeinsam für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen

Heike Vesper, Vorständin für Transformation von Politik & Wirtschaft beim WWF Deutschland, über Biodiversität als Wirtschaftsfaktor – und die Hoffnung auf Veränderung.

Heike Vesper, Vorständin für Transformation von Politik & Wirtschaft, WWF Deutschland
Heike Vesper, Vorständin für Transformation von Politik & Wirtschaft, WWF Deutschland
WWF Deutschland Beitrag

Frau Vesper, Biodiversität bezeichnet die Vielfalt von Arten, Lebensräumen und Ökosystemen. Warum ist ihr Erhalt so wichtig – und was hat das mit Wirtschaft zu tun?

Ich glaube, der Begriff macht es uns unnötig schwer. Eigentlich müssten wir Biodiversität mit „Lebensgrundlagen“ übersetzen. Unternehmen sind davon direkt abhängig, weil sie Rohstoffe nutzen, oder indirekt über Wasser, saubere Luft und funktionierende Ökosysteme. Ohne diese Lebensgrundlagen können wir nicht existieren – und auch keine Wirtschaft betreiben.
 

Ist das in den Unternehmen angekommen?

Jein. Wo die Abhängigkeit unmittelbar spürbar ist, schon. Wenn Ernten schlechter ausfallen oder Rohstoffe knapp werden, schlägt sich das direkt in betriebswirtschaftlichen Zahlen nieder. Schwieriger wird es bei indirekten Abhängigkeiten. Beim Klima haben Unternehmen inzwischen Metriken, mit denen sie messen und managen können. Bei Biodiversität entwickelt sich das erst.
 

Warum ist das problematisch?

Weil Klima und Biodiversität eng zusammenhängen. Wälder binden CO2, halten Wasser in der Landschaft und sorgen für Abkühlung. Feuchtgebiete können Hochwasser abpuffern. Werden solche Ökosysteme zerstört, verlieren wir diese Funktionen. Für Unternehmen geht es um Rohstoffe und Lieferketten, aber auch um Versicherungsrisiken. Biodiversität gehört deshalb in die Unternehmensstrategie.
 

Was können Unternehmen konkret tun?

Zunächst müssen sie wissen, wo ihre Abhängigkeiten und Auswirkungen liegen. Dafür braucht es Daten aus den Lieferketten. Mit unserem Beratungsangebot One Planet Business schauen wir uns das Geschäftsmodell an: Wo liegen Risiken, Auswirkungen und die wirksamsten Hebel? Daraus lassen sich Ziele und Maßnahmen entwickeln. Unsere Akademie hilft dabei, das nötige Wissen im Unternehmen zu verankern.
 

Aber Unternehmen stehen unter hohem Kostenund Wettbewerbsdruck. Geht diese Transformation schnell genug?

Nein. Die Lebensgrundlagen rinnen uns rascher durch die Hände, als wir sie festhalten können. Unternehmen können aber teilweise schneller sein als die Politik. Sie können zeigen, dass Veränderung möglich ist und man trotzdem wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Die Politik muss dafür die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.
 

Im Oktober findet in Armenien die UN-Biodiversitätskonferenz COP17 statt. Was erwarten Sie davon?

Die Berichte werden vermutlich zeigen, dass die Staaten bei der Umsetzung ihrer Ziele hinterherhinken. Darauf brauchen wir eine glaubwürdige Reaktion und ein klares Signal: Wir wollen das und wir tun etwas dafür. Deutschland kann als großes Industrieland zeigen, dass Veränderung möglich ist.
 

Sie werden selbst bei der COP17 sein. Fahren Sie optimistisch nach Armenien?

Ich bin voller Hoffnung, weil es keine Alternative dazu gibt. Das ist nicht naiv gemeint. Wir müssen sagen: Wir können und werden es besser machen. Wir sind diejenigen, die gestalten, wir tragen Verantwortung. Noch haben wir es in der Hand, aus Hoffnung Veränderung zu machen.

wwf.de
 

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