Herr Bumann, alle reden über KI. Woran scheitern KI-Vorhaben im Mittelstand tatsächlich?
Selten an der KI selbst. Meist scheitert es am Fundament darunter. Die meisten Unternehmen haben kein Tool-Problem, sondern ein Verbindungsproblem: Die Systeme sind längst da – ERP, CRM, Shop, Fachanwendungen –, sie arbeiten nur nicht sauber zusammen. Wer KI auf solche unverbundenen Systeme setzt, automatisiert am Ende das Chaos.
Sie sagen, KI und Datenintegration gehören zusammen. Warum?
Weil sie zwei Hälften derselben Aufgabe sind. Wenn man eine Aufgabe zerlegt, gibt es einen automatisierbaren Teil – Daten von einem System ins nächste übertragen, weiterverarbeiten, zurückmelden. Das ließe sich über Schnittstellen seit Jahren erledigen. In der Praxis bleibt es oft halb manuell, weil eine strukturierte Strategie fehlt oder Altlasten dazwischenliegen. Und es gibt den Teil, den wir bisher für nicht automatisierbar hielten: unstrukturierte Information lesen, verstehen, einordnen. Genau den übernimmt jetzt zunehmend KI. Der eigentliche Gewinn entsteht erst, wenn man beides zusammensetzt – die Synthese. KI ohne belastbare Integrationsschicht bleibt ein teurer Pilot, der nie in den Regelbetrieb kommt.
Haben Sie ein Beispiel?
Ein Hersteller bekommt Aufträge auf vielen Wegen: strukturiert über ein Portal, aber auch als PDF im Mail-Anhang oder formlos als Text. Bisher liest ein Mitarbeiter das Dokument und tippt die Daten ins System. Das ist der vermeintlich nicht automatisierbare Teil. Die Weitergabe an Warenwirtschaft und Logistik dagegen – der automatisierbare Teil – könnte längst über Schnittstellen laufen. Setzt man beides zusammen, liest die KI das eingehende Dokument und strukturiert es, und die Integrationsschicht verteilt die Daten zuverlässig und nachvollziehbar weiter. Aus mehreren Stunden Tipparbeit am Tag wird eine kurze Kontrolle. Das funktioniert aber nur, weil das Fundament steht. Und es wird wichtiger: Durch hybride Strukturen aus Cloud-Anwendungen und Altsystemen werden die Landschaften immer komplexer.
Welchen Partner braucht der Mittelstand jetzt?
Vor allem einen, der unabhängig von einem einzelnen Hersteller denkt. Unabhängigkeit fängt für uns bei der Ausgangslage des Kunden an, nicht bei einem Produkt: Wir verbinden die Systeme, die im Unternehmen tatsächlich stehen – gleich welchen Herstellers, ob ERP, Cloud-Dienst oder über Jahre gewachsenes Altsystem. Niemand soll seine Landschaft um ein Werkzeug herumbauen müssen. Wir verankern das Wissen im Team des Kunden, statt eine neue Abhängigkeit zu schaffen. Ein guter Integrationspartner macht sich in gewisser Weise überflüssig – er hinterlässt dokumentierte, beherrschbare Strukturen, keine Blackbox, und kein Unternehmen ist hinterher an uns gefesselt. Diese Tiefe bringen wir aus über zehn Jahren und über 1.000 Projekten im Mittelstand und bei Großunternehmen mit; als erster Lobster Gold VAR-Partner setzen wir bei der Umsetzung auf die Lobster Data Platform als bewährte Basis. Aber im Mittelpunkt steht immer die Landschaft des Kunden – nicht das Werkzeug.
Wo fängt ein Unternehmen an, das das angehen will?
Mit Transparenz, bevor man Technologie einkauft: die eigenen Systeme, Schnittstellen und Datenflüsse wirklich kennen – auch die Blackboxes. Dann eine zentrale Integrationslogik aufbauen, statt immer neue Einzelverbindungen zu improvisieren. Und den Betrieb von Anfang an mitdenken, mit Monitoring und klaren Verantwortlichkeiten. Zukunftssichere IT entsteht nicht durch das neueste Schlagwort, sondern durch Klarheit und Verlässlichkeit. Dann trägt das Fundament auch die KI, die darauf kommt.
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