Der Wirtschaftsumbau von US-Präsident Donald Trump sorgt für eine Achterbahnfahrt an den Märkten und damit für stürmische Börsenzeiten. Für Anlegerinnen und Anleger stellt sich daher die grundlegende Frage: Wie viel USA machen aktuell im Portfolio überhaupt noch Sinn und welche Anlagealternativen gibt es? „Von der Investment-Community bis zu den Gärtnern sind sich momentan alle einig, dass wegen Trump die USA der schlechteste Investitionsmarkt sind“, erklärt Benjamin Bente, Geschäftsführer der Vates Invest GmbH. Europa sei angeblich auch wegen seiner schuldenfinanzierten Konjunktur- und Rüstungspakete wesentlich besser, führt Bente weiter aus: „Long Europa, Short USA, das ist derzeit der absolute Konsens-Trade.“ Heißt übersetzt: Rein in die europäischen Märkte und gleichzeitig auf fallende US-Kurse wetten.
KOMMT ES ZUM HERDENTRIEB?
Doch genau in diesem Konsens sieht der Geschäftsführer der Asset-Management-Boutique eine potenzielle Gefahr. Denn wenn Gärtner und Taxifahrer eine Meinung zu einem Börsenthema hätten, sei die so genannte Milchmädchen-Hausse nicht weit. Oder etwas wissenschaftlicher ausgedrückt: Laut Behavioral Finance kommt es zum Herdentrieb, bei dem alle in dieselbe Richtung laufen. Dabei habe der US-Aktienmarkt die gesamte Zollkrise bereits v-förmig abgehakt und die anfänglichen Panikverluste komplett aufgeholt. „Donald Trump hat Volatilität produziert, aber keine wirtschaftliche Krise“, sagt Bente. Statt der wirtschaftlichen Katastrophen, die alle erwartet hatten, sei das Gegenteil eingetreten. „Der US-Wirtschaft geht es unverändert gut, den US-Aktienmärkten genau wie in Trumps erster Amtszeit auch. Diese hatte sich trotz gleich gelagerter Bedenken als eines der besten Aktienmarktumfelder der gesamten US-Geschichte herausgestellt“, betont Bente.
Argumentative Unterstützung bekommt Bente von den Experten der DWS. Im aktuellen Marktausblick August 2025 heißt es, dass beispielsweise der US-Aktienindex S&P 500 den starken Kursrückgang aus dem April inzwischen komplett wettgemacht habe und seit Jahresbeginn etwa acht Prozent im Plus läge. DWS-Chef-Anlagestratege Vincenzo Vedda betont außerdem, dass die Liste der Gewinner in diesem Jahr deutlich ausgewogener sei als in den vergangenen Jahren, wo ausschließlich die als glorreichen Sieben umschriebenen großen US-Technologiewerte den Markt bestimmt hätten. „Etwas mehr Ausgewogenheit ist sicherlich ein Vorteil“, sagt Vedda. Ansonsten gebe es aber einige Faktoren, die zur Vorsicht mahnten. So blieben beispielsweise die kurzfristigen Aussichten ungewiss, obwohl sich die Märkte stabilisiert zu haben scheinen. Insgesamt sieht man deshalb bei der DWS in den USA aktuell auch nur geringes Kurspotenzial.
Und weil Politik eben nicht alles und Momentum sowie Bewertungen in Europa derzeit deutlich attraktiver seien, bevorzugt man bei der DWS europäische Aktien gegenüber US-Titeln. Das gelte sowohl für Standard- als auch für Nebenwerte. Und damit sind die deutschen Anlageexperten nicht alleine. Zahlen der aktuellen Global Fund Manager Survey der Bank of America zeigen, dass im professionellen Fondsmanagement der Anteil europäischer Aktien netto zwar verringert wurde, europäische Titel dennoch bei der Nettoübergewichtung an Position zwei lagen.
ARGUMENTE GEGEN DIE EURO-EUPHORIE
Diese Europa-Euphorie kann Vates-Chef Bente hingegen nicht nachvollziehen. Für ihn macht ein Umschichten in Richtung Europa wirtschaftlich betrachtet aktuell wenig Sinn: „Die guten Aussichten Europas werden damit begründet, dass große Schuldenpakete zur Aufrüstung und auch ein wenig zur Infrastruktur aufgelegt wurden und mehr Geld auch immer mehr Wachstum bedeutet. Das stimmt auch, doch nur Infrastrukturinvestitionen bringen eine Volkswirtschaft wirklich voran.“ Panzer und Kampfflugzeuge seien keine echten Investitionen, weil sie bestenfalls nur gelagert, schlimmstenfalls zerstört würden. Aus Sicht von Bente mache es Trump da deutlich geschickter: „In den USA werden große Summen in wirkliche Zukunftsfelder wie etwa KI investiert, die eine ganze Volkswirtschaft antreiben können und werden.“
Auch in Deutschland schnürt die Politik gerade große Konjunkturpakete. Macht es für Anleger daher Sinn, einfach in der Heimat zu bleiben? Die Experten der DWS halten beispielsweise den deutschen Leitindex Dax für durchaus interessant, liegt er seit Jahresbeginn doch mit knapp 20 Prozent im Plus. Philipp Schweneke vom Deutschland-Aktien-Team sieht trotz des derzeitigen erhöhten Bewertungsniveaus weiter Chancen. „Die Qualität und die Ertragskraft vieler Dax-Unternehmen rechtfertigen die aktuellen Bewertungen im internationalen Vergleich.“ Es gebe gute Gründe dafür, dass sich deutsche Aktien weiterhin gut entwickelten. Der deutsche Leitindex Dax habe sich von 2018 bis 2024 deutlich schlechter entwickelt als der globale Aktienindex MSCI World – entsprechend niedrig seien die Erwartungen gewesen.
Welcher dieser Meinungen und Analysen sich Anleger anschließen wollen, bleibt natürlich ihnen überlassen. In jedem Fall steht fest, dass es kurzfristig turbulent bleiben dürfte und Vates-Chef Bente insofern ein gutes Argument hat, dass gerade Privatanleger eigentlich nur verlieren können, wenn sie versuchen, kurzfristigen Trends hinterherzulaufen. Denn genau das ist es: ein Hinterherlaufen, bei dem man tendenziell immer den falschen Moment trifft – sei es nun für den Einstieg oder den Verkauf. Viel wichtiger sind die langfristigen Perspektiven, die Märkte oder Anlegevehikel wie ein ETF oder Fonds bieten. Und hier kommt es vor allem auf die Diversifikation an – und zwar nicht nur mit Blick auf die Regionen oder Anlageklassen, sondern auch auf den Einstiegszeitpunkt. Wer beispielsweise einen ETF- oder Fondssparplan nutzt, kauft monatlich Anteile zu einem fest definierten Sparbetrag ein. Sollte der Kurs in einem Monat vielleicht steigen und die Anteile damit geringer ausfallen, kann sich das aufgrund der aktuellen Börsenachterbahn im nächsten Monat bereits umkehren. Unterm Strich sieht die Bilanz damit also deutlich besser aus, was Anleger vielleicht auch in der zweiten trumpschen Amtszeit etwas ruhiger schlafen lässt.