Rohstoffe für die europäische Automobilindustrie

Die finnische Firma Fortum recycelt Lithium-Ionen-Batterien aus E-Autos – Tero Holländer,  Head of Business Line Batteries, erläutert den Kreislaufansatz

Tero Holländer, Head of Business Line Batteries, Fortum Battery Recycling
Tero Holländer, Head of Business Line Batteries, Fortum Battery Recycling
Fortum Batterie-Recycling Beitrag

Herr Holländer, mit dem schnell wachsenden Markt für Elektromobilität rückt auch das Batterie-Recycling immer mehr in den Fokus – wie sehen die Aktivitäten von Fortum auf diesem Gebiet aus?
Im Bereich Abfallmanagement bieten wir einen End-of-life-Service für Lithium-Ionen-Batterien. Fortum übernimmt für seine Kunden den sicheren und nachhaltigen Transport sowie das Recycling gebrauchter Batterien. Zweitens gewinnen wir durch das Recycling wertvolle Stoffe aus der Batterie zurück. Die Rohstoffe, die in Europa zur Batterieherstellung benötigt werden, etwa Nickel, Kobalt oder Lithium, müssen vor allem aus dem nichteuropäischen Ausland importiert werden. Wir möchten die europäische Batterieindustrie mit lokal produziertem Rohmaterial beliefern. Drittens sorgt Fortum für die richtigen Anlagen am richtigen Platz – mit der besten verfügbaren Technologie, die wir selbst entwickelt haben, mit hoher Rohstoffausbeute, kleinem CO2-Fußabdruck und größter Sicherheit für Beschäftigte und Umwelt. Und räumlich sehr nah bei den Herstellern.

Wo sind Sie im Moment vertreten?
Wir prüfen derzeit unsere Expansionsoptionen in verschiedenen europäischen Ländern. Der erste bereits eröffnete Standort liegt in Deutschland: Das Recyclingzentrum Kirchardt in Baden-Württemberg befindet sich im Herzen der deutschen Autoindustrie. Seit Frühjahr ist die Anlage in Betrieb und kann jährlich rund 3.000 Tonnen Batterien für das Recycling vorbehandeln. Dabei wird die so genannte Schwarze Masse der Batterie gewonnen, in der die begehrten Metalle stecken.

Was ist der nächste Schritt nach der Vorbehandlung?
Das Material wird in unsere hydrometallurgische Recyclinganlage in Harjavalta in Finnland gebracht, die Fortum im April in Betrieb genommen hat. Es ist die erste kommerzielle und größte Anlage dieser Art in Europa. Hier können wir dank unserer modernen hydrometallurgischen Technologie 95 Prozent der Metalle aus der Schwarzen Masse zurückgewinnen und in den Kreislauf zur Herstellung von Batteriechemikalien einbringen.

Planen Sie weitere Investitionen in Deutschland?
Wir haben mit AMG Lithium einen Vorvertrag über das Recy-cling von Lithiumsalzen aus unserer hydrometallurgischen Anlage in Finnland abgeschlossen. Unser Partner baut im Moment eine Produktionsstätte für Lithiumhydroxid in Bitterfeld in Sachsen-Anhalt, die einer der Abnehmer sein wird. Außerdem sind wir auf gutem Wege bei den Vorbereitungen, um im thüringischen Artern eine Produktionsanlage für nachhaltige sekundäre Batteriematerialien zu errichten, dort soll später ebenso Schwarze Masse gewonnen werden. An diesem Standort würden mit der Inbetriebnahme ungefähr 70 Arbeitsplätze entstehen. Die Gespräche mit den örtlichen Vertretern der Politik über die Pläne stimmen uns zuversichtlich, dass Deutschland Investitionen in die Batterie-Wertschöpfungskette unterstützt. Hochwertiges Recycling ist unverzichtbar für neue Batterieproduktionsstandorte in Deutschland – und für die nachhaltige Wiederverwertung von E-Autos.

www.fortum.com

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