Nachhaltige Stadtentwicklung – was geht?

Mehr Grün, weniger Versiegelung, energieeffiziente Straßenbeleuchtung – jenseits der Mobilitätswende gibt es viele Ansätze, um das Leben in den Städten nachhaltiger zu gestalten.

Illustration: Marcela Bustamante
Illustration: Marcela Bustamante
Iunia Mihu Redaktion

Kopenhagen, Detroit, Barcelona – was haben diese unterschiedlichen Städte gemeinsam? Sie zeigen, wie nachhaltige Stadtentwicklung aussehen kann. So gilt die dänische Hauptstadt längst als Vorzeige-Stadt in Sachen Mobilität. Dabei punktet sie nicht nur mit breiten, klar abgetrennten Radwegen, sondern auch mit Fahrradschnellstraßen und Fahrradbrücken. Kein Wunder, dass etwa 50 Prozent der Menschen dort auch lieber den Drahtesel statt den Pkw nutzen. Bemerkenswert ist auch Detroits Wandel: Die einst trostlose Automobilindustrie-Stadt blüht langsam wieder auf – im wahrsten Sinne des Wortes. Brachliegende Flächen werden nach und nach in lokale Obst- und Gemüsegärten umgewandelt. Damit wird nicht nur das Aussehen verschönert, das Konzept schließt auch eine wichtige Versorgungslücke mit frischen Lebensmitteln. Und Barcelona hat schon vor Jahren viele Kreuzungen für den Autoverkehr gesperrt und für die Anwohner geöffnet. Dort, wo früher Autos entlangfuhren, flanieren heute die Fußgänger. 

Und wo liegen die Potentiale für deutsche Städte? Die größte Wirksamkeit in puncto Nachhaltigkeit liege neben der Mobilität in der Gestaltung des öffentlichen Raumes, sagt Bernhard Kurz, Geschäftsführer des Instituts für u. Baukunst (IFUB). Hier gehe es vor allem um das Thema Versiegelung. Kurz erklärt: „Unsere Innenstädte sind weitestgehend mit Straßen und Parkplätzen versiegelt. Das Problem: Dadurch kann Regenwasser nicht in den Boden versickern, es fließt also ungenutzt in die Kanalisation ab. Unser Grundwasser sinkt stetig – ein wichtiger Grund dafür ist, dass viel weniger Wasser versickert.“  Die recht hohe Versiegelungsdichte in Deutschlands Städten wird auch für das Stadtklima zunehmend ein Problem. Die durch den Klimawandel auftretenden Hitzetage und sogenannten Tropennächte sind besonders in den Städten spürbar. Ein Grund für die extreme Hitze ist der hohe Versiegelungsgrad in den Städten, denn Beton speichert Wärme. „Es geht aber nicht darum, alles grün zu machen, sondern vielmehr die Flächen, die bereits da sind, intelligent zu nutzen“, sagt Kurz. Seine Vision einer nachhaltigen Stadt? Nutzgärten, Obstbäume, Sonnenterrassen und Cafétische dort, wo heute noch Autos parken.

Mobilitätswende, Flächenumnutzung und besseres Wasser­management – neben diesen naheliegenden Faktoren ist angesichts steigender Energiepreise ein weiteres urbanes Merkmal in den Fokus gerückt: die Stadtbeleuchtung. Kommunen kann es nicht nur daran gelegen sein, grünen Strom einzukaufen oder – auch mithilfe von Partnern aus der freien Wirtschaft – zu erzeugen. Es geht darum, mit dem kostbaren Gut nachhaltig zu wirtschaften. Rund 30 bis 50 Prozent ihres jährlichen Stromverbrauchs wenden deutsche Kommunen für die Straßenbeleuchtung auf, führt eine Studie der Deutschen Energie Agentur (dena) auf. Durch die energetische Modernisierung könnten davon bis zu 80 Prozent, insgesamt ca. 2,2 Mrd. kWh, eingespart werden. Das geht zum Beispiel durch die Umstellung auf LED-Leuchten im öffentlichen Raum. Sie sparen Strom und können im Verbund mit innovativen Steuerungstechniken intelligenter eingesetzt werden – etwa, indem sie sich dem saisonalen Lichtverlauf automatisch anpassen oder per Bewegungsmelder nur bei Bedarf anspringen. Weil sie deutlich weniger heiß werden, retten sie zudem Insektenleben. Auch dies ist ein Beispiel für nachhaltige und ganzheitliche Stadtentwicklung. 

Mehr Umdenken ist nötig, damit Städte sich wirklich nachhaltig entwickeln. „Städte für Menschen“, nennt das Architekt Kurz vom IFUB. „Letztlich würde von diesen Veränderungen die Mehrheit der Menschen profitieren. Wenn der öffentliche Raum von allen genutzt werden kann, wirkt sich das auch positiv auf das Stadtbild aus“, sagt Kurz. 
 

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