Hybrid-Parks: neuer Gamechanger beim Ausbau der Erneuerbaren Energien

Innovationen vorantreiben, Potenziale ausnutzen: Darum sind Hybrid-Parks künftig eine feste Säule in der strategischen Ausrichtung der erfolgreich tätigen Unternehmensgruppe.

Dr. Felix Grolman, CEO VSB Gruppe
Dr. Felix Grolman, CEO VSB Gruppe
VSB Gruppe Beitrag

Der russische Angriff auf die Ukraine hat in Deutschland zu einem Umdenken bei der Energieversorgung geführt. Politik und Bevölkerung sind sich einig: Der Ausbau der Erneuerbaren Energien muss kräftig vorangetrieben werden, um so schnell wie möglich unabhängig von ausländischen Gas- und Ölimporten zu werden. Zu dieser wichtigen Aufgabe sprachen wir mit Dr. Felix Grolman. Er ist seit Juli diesen Jahres CEO der VSB Gruppe, die in Deutschland zu den Pionieren in der Projektentwicklung von Wind- und Solarenergieprojekten gehört.

Herr Grolman, bitte stellen Sie uns kurz die VSB Gruppe vor. Wofür setzen Sie sich ein, was ist Ihre Vision?
Die VSB Gruppe ist ein europaweit tätiger Projektentwickler im Bereich Erneuerbare Energien, das heißt, wir entwickeln, planen, bauen und betreiben Wind- und Photovoltaikparks. Von der ersten Idee bis zur schlüsselfertigen Übergabe – bei uns ist jedes noch so ehrgeizige Projekt in besten Händen. Professionalität, Expertise, Transparenz und Leidenschaft sind dabei die Grundpfeiler unserer Firmenphilosophie. 

Wir sind der Überzeugung, dass eine Energieversorgung auf Basis von ausschließlich Erneuerbaren Energien möglich ist. Für dieses Ziel engagiert sich die VSB Gruppe seit 1996. Gestartet als kleines Dresdner Ingenieurbüro, sind heute europaweit – von Finnland bis nach Italien – über 500 Mitarbeitende an 24 Standorten in neun Ländern für VSB tätig. Insgesamt haben wir aktuell über 15.000 Megawatt in der Pipeline, wobei 1 MW ca. 1.000 Menschen mit sauber produziertem Strom versorgt. Und die Nachfrage wird immer größer.

Sie sind nun gut 100 Tage als CEO im Amt. In der Politik ein typischer Zeitpunkt, um ein erstes Zwischenfazit zu ziehen. Wie war Ihr Start bei VSB und was sind Ihre ganz persönlichen Ziele für das Unternehmen?
Zunächst erfüllt es mich mit Stolz und Dankbarkeit, dass ich meine mittlerweile 15-jährige Erfahrung im Bereich der Erneuerbaren Energien in den Dienst der VSB stellen darf. Ich habe hier ein unglaublich motiviertes Team kennengelernt, das sich jeden Tag aufs Neue mit Herzblut und Fachwissen für das Gelingen der sauberen Energiewende einsetzt. Gleichzeitig hat mich die Offenheit und Herzlichkeit sehr beeindruckt, mit der ich von allen Seiten empfangen worden bin.

Meine Vision für die VSB Gruppe umfasst eine tiefgreifende Umgestaltung der europäischen Energielandschaft, die den Sektor der Erneuerbaren Energien zu einem beispiellosen Erfolg führen soll. Meine aktuelle Einschätzung zu den Chancen der Erneuerbaren Energien ist folgende: Wir verfügen sowohl über die notwendigen Technologien als auch über das nötige Investitionskapital. Was wir jetzt dringend brauchen, ist das Forcieren der Umsetzung der Projekte – wir müssen deutlich schneller werden. Ich bin bei VSB dafür angetreten, um europaweit der beste Projektentwickler zu werden. Dazu müssen wir unsere Projektpipeline effizient und qualitativ hochwertig abarbeiten.

Gleichzeitig ist es elementar, dass wir ständig alle uns zur Verfügung stehenden Potenziale konsequent nutzen. Nur so werden wir es schaffen, die ehrgeizigen europäischen Klimaziele zu erreichen. Ein Beispiel sind hier sogenannte Hybrid-Parks.

Was sind Hybrid-Parks und welche Vorteile haben sie?
Hybrid-Parks sind Energieparks, die auf einer Fläche mehrere Energieträger kombinieren. Das hat einige Vorteile. Erstens sind Hybrid-Parks besonders effizient. Parks, die Windenergieanlagen mit Photovoltaik (PV)-Modulen kombinieren, sind ein besonders gutes Beispiel. Denn die Sonne scheint etwa in Deutschland vor allem im Sommer. Während der kälteren Jahreszeiten weht insgesamt mehr Wind – und das oft eher abends, wenn die Sonne untergegangen ist. So ergänzen sich die beiden Energieträger perfekt. Dadurch sind die Anlagen besser und regelmäßiger ausgelastet, was den Ausbau der Erneuerbaren Energien planbarer und verlässlicher macht. Der zweite große Vorteil von Hybrid-Parks hängt mit dem Thema Netzausbau zusammen. Energieparks ans Stromnetz anzuschließen, ist aufwendig und teuer. Werden aber mehrere Energieträger auf derselben Fläche genutzt, braucht man in der Regel auch nur einen Netzanschluss. Das erleichtert sowohl den Neubau als auch den Ausbau bestehender Parks.

Hybrid-Parks sind in der Regel kombinierte Wind- und PV-Anlagen. Gibt es noch mehr Möglichkeiten?
Ja, es sind auch Kombinationen mit weiteren Energieträgern oder sogar Speicherlösungen, etwa mit Batteriespeichern, möglich. VSB hat bereits mehrere hybride Wind-PV-Anlagen geplant und umgesetzt, aber auch Parks, die zusätzlich grünen Wasserstoff produzieren. Auch die zusätzliche Produktion von Wärme ist möglich. In einer Hybridanlage, die wir aktuell in Brandenburg entwickeln, produziert ein Windpark mit angeschlossenem Wasserstoff-Elektrolyseur rund 100 Megawatt Leistung. Die Abwärme der Anlage wird zur lokalen Wärmeversorgung genutzt. Auch Ladeinfrastruktur  für Elektrofahrzeuge, zum Beispiel Ladesäulen, lassen sich in solche Anlagen integrieren. Damit leisten Hybrid-Parks einen wichtigen Beitrag zur Sektorkopplung, was sie für die Betreiber sehr rentabel macht.

Wenn Hybrid-Parks so effizient sind, wieso gibt es dann nicht schon mehr davon?
In Deutschland gibt es derzeit relativ wenige Hybrid-Parks, in anderen europäischen Ländern – ich denke hier z. B. an Finnland – sind solche Anlagen bereits weiter verbreitet. Das hat auch mit der blockierenden Rechtslage zu tun: Die Mehrfachnutzung von Flächen ist nach deutschem Recht nicht vorgesehen. Die Doppelnutzung von Flächen zu beantragen, verschlingt oft jede Menge Zeit und Geld. Das betrifft nicht nur Hybrid-Parks, sondern etwa auch Agri-PV, also die zusätzliche Nutzung von Agrarflächen mit PV-Modulen.

Außerdem müssen Landbesitzer und Investoren sich hierzulande mit komplexen und je nach Region sehr unterschiedlichen lokalen Bestimmungen auseinandersetzen, denn Flächennutzungsrecht ist Ländersache. Und Vorgaben für Windenergie decken sich nicht unbedingt mit denen für Solarenergie. Hier muss von der Politik schnell gegengesteuert werden, wenn wir die Energiewende zügig voranbringen wollen.

www.vsb.energy

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