Wie wohnen wir?

Nirgendwo in der EU haben die Menschen weniger Wohneigentum als in Deutschland, dafür steigt der Platzbedarf pro Person immer weiter. In manchen Städten wird es sehr eng, auf dem Land stehen dafür oft Häuser leer. Alle Zahlen und Fakten zum Thema.
Wie wohnen wir?
G. Cadeggianini, A.-K. Eckardt, J. Erbersdobler, C. Koopmann, B. Kruse Redaktion

SO VIEL PLATZ BRAUCHEN WIR

In Deutschland steigt die Wohnfläche pro Kopf seit Jahrzehnten relativ konstant an. Waren es im Jahr 1950 noch 15 Quadrat- meter, sind es heute um die 45 Quadrat- meter. Und der Platzbedarf pro Person wächst weiter, denn es werden immer größere Wohnungen gebaut. Das liegt vor allem an der zunehmenden Zahl der Single-Haushalte und dem Anstieg der Wohnfläche mit zunehmendem Alter, denn nach dem Auszug der Kinder bleiben Eltern oft in der großen Familienwohnung. Ein weiterer Grund für den relativ hohen Flächenverbrauch pro Person ist, dass 64 Prozent der Deutschen auf dem Land oder in Kleinstädten leben.

SO NACHHALTIG LEBEN WIR

In Deutschland wird täglich eine Fläche von etwa 73 Fußballfeldern (52 Hektar) als Siedlungs- und Verkehrsgebiet ausgewiesen. Dadurch werden Natur- und Lebensräume von Tieren zerschnitten, was die Erhaltung der biologischen Vielfalt gefährdet. Nicht zuletzt führt eine wachsende Zersiedlung zu mehr Verkehr und entsprechenden Schadstoffemissionen. Eine Lösung könnte sein, mehr in die Höhe zu bauen. Unten Supermarkt, oben Wohnungen, dazu ge- meinsame Parkplätze in der Tiefgarage. So könnte die Zukunft aussehen – aber wohl nur in den Metropolen.

SO WOHNEN WIR

Nirgendwo in der EU wohnen weniger Menschen in den eigenen vier Wänden als in Deutschland. Im Schnitt lebt bei uns nur jeder zweite im Eigentum, regional sind die Unterschiede aber groß: In Berlin ist es jeder sechste, im Saarland sind es zwei von dreien. Warum nur so wenig? Einerseits sind die Belastungen relativ hoch: Es gibt hohe Grunderwerbsteuern, die Hypothekenzinsen sind steuerlich nicht absetzbar. Andererseits ist die Alternative zum Eigentum, das Mieten, sehr attraktiv. Der soziale Wohnungsbau wird – zumindest im internationalen Vergleich – breit gefördert, das deutsche Mietrecht gilt als mieterfreundlich.

SO VIEL BEZAHLEN WIR

Die Preise beispielsweise für Eigentumswoh- nungen sind nach Berechnungen des Statisti- schen Bundesamtes in den vergangenen Jahren überall gestiegen, egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Trotzdem sind die Unterschiede groß: In Bayern etwa kostet ein Quadratmeter Bauland in einer Gemeinde mit weniger als 2000 Einwohnern im Schnitt 84 Euro, in Städten mit mehr als 500000 Einwohnern dagegen 2516 Euro. Die gestiegenen Preise treffen neben Eigentümern vor allem Miete- rinnen und Mieter. In Berlin etwa bekommt man für 1000 Euro Kaltmiete mittlerweile nur noch 69 Quadratmeter Wohnfläche – 2010 waren es noch 120.

Ersterscheinung : Süddeutsche Zeitung, 30. Oktober 2021

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