Die Welt ist im Umbruch. Geopolitische Spannungen, vor allem verursacht durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, wirtschaftliche Verwerfungen, der fortschreitende Klimawandel sowie eine Disruption lange bestehender internationaler Partnerschaften bestimmen die aktuelle Weltlage. Die damit zusammenhängenden Unsicherheiten stellen auch Kommunen vor neue Herausforderungen. Städte, Landkreise und Gemeinden müssen heute mehr denn je widerstandsfähig sein. Ihre Resilienz wird damit zu einem entscheidenden Faktor – und das nicht nur, um Daseinsvorsorge und Infrastrukturen für die Bevölkerung zu sichern. Auch die ansässige Wirtschaft profitiert davon, wenn eine Kommune unter Druck handlungsfähig bleibt, vorausschauend plant und sich flexibel an neue Rahmenbedingungen anpassen kann.
„Resilienz“ bedeutet in diesem Sinne mehr als nur Widerstandskraft oder Schutz vor Extremereignissen, zum Beispiel dem Ausfall der Stromversorgung oder der Beschädigung von Infrastruktur durch extreme Wetterlagen. Sie ist weitaus facettenreicher und umfasst ebenso soziale Teilhabe, wirtschaftliche Stabilität oder ökologische Nachhaltigkeit.
Ein oft unterschätztes Werkzeug zur Erreichung kommunaler Resilienz ist die kommunale Entwicklungspolitik. Sie stellt eine Ergänzung zu den nationalen entwicklungspolitischen Anstrengungen dar. Kommunale Entwicklungspolitik bedeutet, dass Städte, Landkreise und Gemeinden sich dafür einsetzen, die Lebensbedingungen sowohl bei uns in Deutschland als auch in anderen Teilen der Welt langfristig zu verbessern. Es geht darum, lokale Entscheidungen so zu gestalten, dass sie sozial gerecht, wirtschaftlich sinnvoll und umweltfreundlich sind – und gleichzeitig auch globale Wirkungsketten berücksichtigen. In diesem Rahmen werden z. B. lokale Nachhaltigkeitsstrategien umgesetzt, faire Kriterien im öffentlichen Einkauf angesetzt oder Know-how mit Kommunen im Globalen Süden ausgetauscht. Kommunale Entwicklungspolitik verbindet das Lokale mit dem Globalen und trägt dazu bei, dass nachhaltige Entwicklung nicht nur irgendwo stattfindet, sondern direkt vor der eigenen Haustür beginnt. Besonders der internationale Austausch bietet wertvolle Impulse für die eigene Resilienzstrategie, denn die Herausforderungen, denen Kommunen weltweit begegnen, ähneln sich stark. Zahlreiche Kommunen in Lateinamerika, Asien oder Afrika verfügen allein aufgrund ihrer geografischen Lage bereits über jahrzehntelange Erfahrungen in der Klimafolgenanpassung. Kommunen in der Ukraine mussten beispielsweise kriegsbedingt umfassende Kompetenzen im Bevölkerungsschutz entwickeln – im Katastrophenmanagement und in der Aufrechterhaltung der Daseinsvorsorge unter extremen Bedingungen. Ein Fachaustausch zu diesen und allen weiteren Themen der kommunalen Daseinsvorsorge ermöglicht es, das eigene Instrumentarium der nachhaltigen Stadtplanung zu erweitern und bewährte Lösungen auf die eigenen Standorte zu übertragen. Viele Kommunen arbeiten oft unter noch einmal deutlich schwierigeren finanziellen und strukturellen Bedingungen. Die Erfahrungen der Partner aus dem Globalen Süden können zusätzlich dabei helfen, hierzulande nachhaltige und zugleich wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Eine gute Partnerschaftsarbeit trägt nicht nur zu innovativer Stadtplanung bei, sie zahlt außerdem auf die Lebenswertigkeit der Kommune ein. Der Austausch und die internationalen Kontakte stärken interkulturelle Kompetenzen und den sozialen Zusammenhalt in Bevölkerung und Verwaltung. Personen aus den entsprechenden Communities engagieren sich häufig in der Partnerschaftsarbeit, indem sie zusätzliche Sichtweisen und Kontakte einbringen. Von einer so gelebten Weltoffenheit profitieren nicht zuletzt auch lokale Unternehmen, die Fachkräfte aus dem Ausland für sich gewinnen müssen – ein Schlüsselfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit in Zeiten des Fachkräftemangels. Die so entstehenden internationalen Kontakte zu Entscheidungsträger*innen in anderen Ländern sind wertvoll für den Aufbau wirtschaftlicher Beziehungen, von Handels- und Produktionsstrukturen oder der Erschließung neuer Standorte. Hier können beispielsweise Wiederaufbauprojekte in der Ukraine gute Anknüpfungspunkte bieten.
Stellt sich eine Kommune resilient und zukunftsorientiert auf, profitieren also auch die lokalen Unternehmen. Sie brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, eine gut ausgebaute Daseinsvorsorge, Fachkräfte und eine lebenswerte Umgebung. Lokale Wirtschaftsförderung ist daher untrennbar mit resilienten Kommunen verbunden. Wo Kommunen krisenfest aufgestellt sind, erhöhen sich Investitionssicherheit, Innovationsfähigkeit und Attraktivität für Fachkräfte – insbesondere für international tätige Unternehmen. Kommunale Resilienz ist damit kein Selbstzweck. Sie ist eine Investition in die Zukunftsfähigkeit von Kommunen – und in ihre Attraktivität als Wirtschaftsstandorte. Wer heute international lernt und lokal handelt, stärkt morgen die Wettbewerbsfähigkeit von Kommune und Wirtschaft gleichermaßen.
Die Möglichkeiten sind vielfältig und gleichzeitig sind die Ressourcen der Kommunen durch Haushaltsengpässe und Personalknappheit stark eingeschränkt. Daher berät, vernetzt und fördert die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global Städte, Landkreise und Gemeinden, die ihr Instrumentarium erweitern und gemeinsam mit ihren Partnern den Herausforderungen der Zukunft begegnen wollen. Die SKEW arbeitet im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
engagement-global.de