Unternehmertum im Wandel

Nachhaltig zu werden ist in aller Munde. Aber was heißt das konkret für Unternehmerinnen und Unternehmer? Zentral ist die Arbeit an der eigenen Haltung.
Illustration: Sophia Hummler
Illustration: Sophia Hummler
Paula Brandt Redaktion

 

Ich muss jetzt nachhaltig sein.“ Das sagt ein Investor, der Luxusimmobilien kauft und einen Porsche vor der Tür stehen hat. Unternehmertum wird nachhaltig – aber was heißt das eigentlich genau?

Nachhaltig in diesem Sinne ist etwas anderes, als man klassischerweise vermuten könnte. Es geht nicht (nur) um energieeffizientes Wirtschaften, um Photovoltaik auf dem Dach oder darum, Bäume zu pflanzen. Es ist eine Haltung. Sie hat damit zu tun, welchen Beitrag – welchen Impact – ein Unternehmer* leistet, wie er sich selber aufstellt, mit dem Team umgeht, ob er der Gesellschaft etwas zurückgibt. In Zeiten, in denen sich die Arbeitswelt drastisch verändert – Stichwort Fachkräftemangel und Remote Work –, ist das umso wichtiger.

Doch wie gelingt Unternehmerinnen und Unternehmern ein solcher Impact? Für inhabergeführte Unternehmen gilt: Jede Pore, jeder Prozess ist durchtränkt von den Werten des im Mittelpunkt stehenden Unternehmers. Wer führt, hat das Ansehen. Der mittlerweile verstorbene Organisationspsychologe Lutz von Rosenstiel hat dies buchstäblich mit der Stoppuhr nachgewiesen: Der- oder diejenige, der/die führt, wird tatsächlich länger und intensiver angesehen. Nachhaltiges Unternehmertum fängt deshalb immer zuerst mit dem Unternehmer oder der Unternehmerin an, erst danach geht es darum, das Team und die Unternehmenskultur in den Fokus zu nehmen.

Deshalb reicht es auch nicht aus, Berater:innen für punktuelle Workshops zu engagieren, um das eigene Unternehmen etwa attraktiver für Talente zu machen oder Mitarbeitende zu motivieren. Es fängt immer mit der eigenen Person an.

Zu echter Veränderung braucht es zunächst Klarheit in der Haltung. Dabei reicht ein Purpose-Statement auf Papier nicht aus. Für Führungskräfte geht es etwa darum, sich über die Berechtigung klar zu werden, mit der sie das Unternehmen überhaupt leiten, welche Größen er oder sie dafür einbringen muss. Und wie das Unternehmen in Zukunft lebensfähig gehalten werden kann. Dann ist es wichtig zu wissen, welche Dinge man besser alleine und welche man im Team entscheidet. Um es plakativ zu sagen: Die Unternehmensstrategie gemeinsam mit einem 30-köpfigen Team erarbeiten zu lassen, ist vermutlich keine gute Idee. Und drittens geht es darum, neue Ansätze auszuprobieren: Das kann die Einführung einer Vier-Tage-Woche sein oder die Idee, die Umsatzziele fürs Quartal von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern selbst festlegen zu lassen. Dabei gilt es herauszufiltern, was für das eigene Unternehmen passt – und dies dann konsequent in allen Prozessen zu verankern.

Nachhaltiges Unternehmertum heißt also, vieles auf den Prüfstand zu legen. Es gibt keine pauschalen Lösungen, dafür ist die Welt zu unübersichtlich geworden. Wer über sich hinauswachsen will, persönlich und als Firma, muss neue Wege gehen. Es braucht die ehrliche Bereitschaft, Vorhandenes zu hinterfragen und etwas auszuprobieren – in dem Bewusstsein, dabei Fehler machen zu dürfen. Ein guter Berater mit eigener Erfahrung in der Firmenführung kann den Unternehmer bei diesem Prozess begleiten. Wer sich auf diesen Weg begibt, wird zum Magneten für Mitarbeitende und Bewerber:innen und leistet damit einen wichtigen Beitrag für eine notwendige gesellschaftliche Wende.

 

Paula Brandt ist Unternehmerin, Autorin und Expertin für nachhaltiges Unternehmertum. Zuletzt erschien ihr Buch „WHY I CARE - wie gute Unternehmer großartig werden ... und privat im Lot bleiben“.

 

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