Intelligente Vernetzung

Digitale Plattformen läuten ein neues Zeitalter der Unternehmensfinanzierung ein

Illustration: Sophia Hummler
Illustration: Sophia Hummler
Mirko Heinemann Redaktion

Wer früher Kapital für ein Projekt oder eine Gründung brauchte, ging zur Hausbank. Dort hat sich ein Berater den Businessplan angeschaut. Dann ging das Ganze in die interne Beratung, anschließend gab es eine Kreditzusage. Oder eben nicht. Mit einer Ablehnung war es kaum möglich, bei einer anderen Bank eine Zusage zu bekommen – zu ähnlich waren die Beurteilungskriterien. 

Im digitalen Zeitalter hat sich die Anzahl der Finanzierungsmöglichkeiten exponentiell erhöht – für Privatpersonen, aber auch für Unternehmen. Schafft man es, zum Beispiel über Crowdfunding-Plattformen, potenzielle Investoren von sich persönlich oder von seinem Produkt zu begeistern, spielt der Businessplan plötzlich eine untergeordnete Rolle. Nun ermöglichen es aber auch immer mehr digitale Portale, eine Finanzierung über institutionelle Kreditgeber zu erhalten. Das Stuttgarter Start-up FinMatch stößt genau in diesen Bereich vor. Über dessen Plattform können Unternehmen mit guter Bonität individuelle Finanzierungsanfragen an etwa 800 Finanzierungspartner stellen, die im Netzwerk vertreten sind. Im Hintergrund kümmern sich Profis um die Bearbeitung der Finanzierungswünsche. Dabei stehen neben Darlehen von Banken oder anderen Kapitalgebern auch alternative Spezialfinanzierungen, wie beispielsweise Leasing, Factoring und objektbezogene Finanzierungen zur Verfügung. Mit nur einer Anfrage soll man so eine Vielzahl seriöser Finanzierungspartner erreichen – und sich am Ende denjenigen aussuchen, der am besten passt. 

Auch das Fintech Qonto gründet derzeit eine neue Finanzierungsplattform. Lukas Zörner, VP Germany bei Qonto, erläuterte, man wolle Kunden im deutschen Markt dabei unterstützen, „mit passenden Finanzierungsangeboten in das Wachstum ihrer Unternehmen zu investieren“. Über die Plattform würden sie direkten Zugang zu Finanzierungsprodukten verschiedener Partner bekommen. Mit Finanzierungshöhen von 1.000 bis 250.000 Euro, einer Rückzahlungsfrist von 3 bis 12 Monate und Zinssätzen von 3 % bis 13 % richtet sich das Angebot vor allem an KMU, die kurzfristig Liquidität benötigen. Potenzielle Partner würden eine „sichere Zugangsberechtigung zu den kreditrelevanten Kontodaten der Qonto-Kunden erhalten, um ein nahtloses Finanzierungsangebot zu gewährleisten und Finanzierungsanträge direkt bearbeiten zu können“. Sobald ein Antrag durch den Partner genehmigt sei, würde die Finanzierung dem Kundenkonto gutgeschrieben. 

Unbestrittener Vorteil der Plattformen sind die kurzen Wege, die schnellen Abläufe, die Passgenauigkeit der Finanzierungen. Alex Bierhaus, Chief Technology Officer beim Finanzportal Compeon, sieht als Chance für Finanzierer, noch näher an die Prozesse der Kunden heranzurücken. Sie sollten ihren Kunden direkt am „Point of Sale im Internet“ eine Finanzierung anbieten. Bisher, so Bierhaus, mussten Kunden mehrere Medien wie Telefon, E-Mail oder sogar Fax nutzen, um die passende Finanzierungsform zu finden. Künftig könnten Finanzierungsplattformen direkt an die CRM- oder ERP-Systeme der Händler oder Hersteller angeschlossen werden. Kunden könnten dann über einen visuellen Produktfinder die gewünschte Finanzierungsform auswählen. Für eine erste Orientierung werden auf Basis von historischen Daten und Prognosemodellen bereits an dieser Stelle Zinssätze berechnet und mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz abgestimmt.

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