Herr Schrötel, in welchen Unternehmensbereichen wirkt KI besonders effektiv?
Vor allem bei Automatisierung und Kommunikation. KI ist stark darin, wiederkehrende Aufgaben zu übernehmen. Gleichzeitig hilft sie, Informationsflüsse und Kommunikation zu vereinfachen, etwa durch Live-Übersetzung, Zusammenfassungen oder Strukturierung von Inhalten. Arbeit wird effizienter, Komplexität reduziert.
Wie gelingt die Implementierung von KI?
Entscheidend ist, KI nicht als Zusatztool zu sehen. Sie muss Teil des natürlichen Arbeitsablaufes werden, dann wird sie genutzt. Dafür braucht es die richtigen Daten. Generative Modelle bringen allgemeines Wissen mit, relevant werden sie aber erst in Kombination mit unternehmensspezifischem Input. Die saubere Verbindung zwischen proprietären Daten und den passenden Modellen ist der Kern jeder Implementierung – technisch wie organisatorisch.
Viele Mitarbeitende haben Vorbehalte gegenüber KI – wie kann man sie mitnehmen?
Wir erleben derzeit eine Hype-Phase, auch bei den Risiken. Die Akzeptanz unter den Beschäftigten lässt sich steigern, wenn sie mit KI Zeit sparen und ihre Aufgaben besser erledigen. Schulungen sind vor allem für IT-Verantwortliche wichtig. Endanwender profitieren eher vom Ausprobieren, wenn die Funktion intuitiv integriert ist und sich in bestehende Tools einfügt.
Welche Rolle spielt KI bei TeamViewer?
Wir integrieren KI tief in unsere Produkte, entlang der bestehenden Workflows. Ein Beispiel ist die Analyse von Telemetriedaten: Wenn nach einem Update 30 Prozent der Geräte langsamer werden, kann die IT reagieren, bevor Nutzer Probleme melden – das ist der Schritt vom reaktiven zum proaktiven Support. Im Remote-Support analysieren wir Remote-Sessions, extrahieren daraus Wissen und automatisieren die Dokumentation. Besonders für Managed Service Provider ist das ein großer Effizienzgewinn. Auf Basis dieses Datenpools setzen wir weitere Automatisierungen um. Der Mensch behält die Kontrolle, aber er startet nicht mehr bei null, sondern kann auf Grundlage eines fundierten Vorschlags der KI handeln.
KI ist auch bei der neuen Plattform TeamViewer One ein zentrales Element – welche Vorteile hat sie?
TeamViewer One bündelt Remote Connectivity, Remote Monitoring, Device Management, Digital Employee Experience und KI. Wieder geht es um den Paradigmenwechsel vom reaktiven zum proaktiven, vorausschauenden IT-Management. In Kombination mit den Daten aus den Support-Sessions sowie Telemetrien der Endgeräte ermöglichen diese Technologien künftig ein „Autonomous Endpoint Management“, unterstützt von KI. Heute gibt es viele Routineaufgaben, die den IT-Support zeitlich stark belasten, aber kaum Mehrwert schaffen. Diese können mehr und mehr von der KI erledigt werden.
Wird KI klassische Remote-Verbindungen ersetzen?
Nein. KI-Modelle laufen meist in der Cloud, IT-Probleme entstehen an Endgeräten. Der sichere Datenfluss zwischen beiden Welten wird damit noch wichtiger. Vielleicht kommuniziert künftig häufiger ein KI-Agent statt eines Menschen – die sichere Verbindung bleibt zentral und wird sogar eher bedeutender.
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