Nachhaltiger Bau: Aktuelle Trends

Der Gebäudesektor ist für bis zu 40 % der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Damit die Stadt der Zukunft grüner und nachhaltiger wird, braucht es auch nachhaltige Baumaterialien und entsprechende Ansätze im Bau. Ein Überblick über die wichtigsten Trends.

Illustration: Marcela Bustamante
Illustration: Marcela Bustamante
Laura Puttkamer Redaktion

Klima- und wetterbeständig
Architektur muss heute nicht nur schön sein, sondern auch sturm-, hitze- und hochwassersicher. Die Flutkatastrophe im Sommer 2021 zeigte, dass Klimaextreme auch in Deutschland keine Seltenheit mehr sind. Gebäude in der Stadt der Zukunft sollen schwierigen Wetterlagen trotzen, etwa durch beschichtete Fenster gegen die Hitze, Textilfassaden zur Dämmung oder grüne Fassaden, die Feinstaub aus der Luft filtern. Und je länger ein Gebäude steht und nicht saniert oder erneuert werden muss, umso besser kann sich der CO2-intensive Bauprozess amortisieren. 

Recyclingfähig
Der Bau mit klimafreundlichen Materialien wie Holz liegt im Trend. Die Rückbesinnung auf recycelbare und klimafreundlich produzierte Baustoffe bringt viele Vorteile mit sich. Sie sind nicht nur umweltfreundlich, sondern auch robust, langlebig und gemütlich – und wenn das Gebäude einmal alt ist, lassen sie sich recyceln. Die steigenden Preise für Holz sind eine Herausforderung – aber auch Bambus, Stein, Naturfasern oder Lehm dienen als recyclingfähige, nachhaltige Baumaterialien. Und Start-ups arbeiten schon daran, aus Pilzkulturen lokale, CO2-neutrale Baustoffe zu gewinnen. 

Passiv
Der Betrieb von Häusern und Gebäuden trägt einen Großteil zu unseren CO2-Emissionen bei, insbesondere im Winter, wenn geheizt wird: Bis zu 40 % des Gesamtenergieverbrauchs eines Gebäudes lässt sich Heiz- und Klimaanlagen zuschreiben. Sogenannte Passivhäuser reduzieren diesen Verbrauch drastisch, indem sie ihren Wärmebedarf größtenteils aus passiven Quellen wie der Sonneneinstrahlung sowie der Abwärme von Personen und technischen Geräten decken. Dieser Ansatz der nachhaltigen Architektur ist bei Neubauten immer verbreiteter, lässt sich aber auch im Rahmen von Umbauten oder Sanierungen umsetzen. 

Digital und automatisiert
Das Smart Home ist schon seit Jahren ein Buzzword. Viele Menschen verbinden es vor allem mit Entertainment-Systemen, aber intelligente Häuser dienen auch der Nachhaltigkeit. Je mehr Ressourcen sich dank Digitalisierung und Automatisierung sparen lassen, etwa durch Stromnutzung zu günstigen Zeiten, desto mehr schont ein Gebäude die Umwelt. Und schon beim Bau selbst können digitale Tools Prozesse vereinfachen, die Baudokumentation optimieren, Zeitpläne verbessern und bei der Bauüberwachung helfen. Modernes Projektmanagement mithilfe von Künstlicher Intelligenz, Virtual Reality und digitalen Zwillingen in 3D ermöglichen es, ein Smart Home zu bauen, das automatisiert gesteuert wird und so komfortabel, sicher und energieeffizient funktioniert. 

Fazit: Nachhaltigkeit im Bau ist mehr als ein Trend
Von den Materialien über den Bauprozess bis hin zur Gebäudenutzung, Nachhaltigkeit im Bauwesen ist schon heute viel mehr als nur ein Trend. Durch intelligente und teils schon seit dem Mittelalter bewährte Herangehensweisen lassen sich negative Auswirkungen auf die Umwelt minimieren und die effiziente Ressourcennutzung maximieren. Noch werden die vorhandenen Ansätze nicht genug umgesetzt, was unter anderem an fehlenden Vorschriften, begrenztem Zugang und Angst vor hohen Preisen liegt – aber angesichts der erheblichen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Vorteile des nachhaltigen Bauens liegt seine Notwendigkeit auf der Hand.
 

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