Nachhaltiger arbeiten

Umfragen unter Angehörigen der Generation Z zeigen: Wichtig ist ihnen, für ein Unternehmen zu arbeiten, das sich Nachhaltigkeit auf die Fahne schreibt. Wie sieht das in der Praxis aus?

Illustration: Malcolm Fisher
Illustration: Malcolm Fisher
Kai Kolwitz Redaktion

Generation Greta? Generation Schneeflocke? Über die Generation Z – also diejenigen, die zwischen Mitte der Neunziger und 2010 geboren wurden – wird viel geredet und einiges geschrieben. Und viel davon ist nicht besonders freundlich: Verwöhnt. Übersensibel. Nicht leistungsbereit.

Mal unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Vorwürfe: Dass die bisher jüngste Generation, die langsam ins Arbeitsleben eintritt, so im Fokus steht, hängt mit einer Tatsache zusammen, die für sie gleichzeitig Fluch und Segen ist. Die Generation Z ist sehr klein, gemessen an den vorherigen. Arbeitgeber müssen also einerseits ringen um den knappen Nachwuchs. Andererseits gibt es eben sehr viele Alte in der Wirtschaft, von denen viele sehr laut sagen, was ihnen an der Jugend von heute alles nicht passt.

Wie sehr die Generation im Fokus steht, zeigt sich auch daran, dass in den letzten Jahren sehr viele Studien über sie angestellt wurden. Viele davon im Auftrag von Unternehmen und durchaus mit Widersprüchen in den Details. Tendenzen lassen sich aber deutlich erkennen.

Eine dieser Studien wurde vom Frankfurter Zukunftsinstitut erstellt, im Auftrag des Modeunternehmens Peek & Cloppenburg. Die Forscher ließen Befragte der Gen-Z unter einer Fülle von Attributen auswählen – mit einem Ergebnis, dass in der Zusammenfassung zu „Sicherheit, Sinn und Selbstverwirklichung“ eingedampft wurde: Sich keine finanziellen Sorgen machen zu müssen, steht für die Berufseinsteiger mit 75 Prozent Zustimmung über allem. Knapp dahinter folgen aber schon selbstbestimmtes Leben und ein Beruf, der erfüllt und Spaß macht.

Attribute wie „Ein ökologisch nachhaltiger und sozial verantwortungsvoller Lebens- und Konsumstil“ oder „Einen positiven Beitrag für die Gemeinschaft leisten“ liegen bei knapp über 40 Prozent Zustimmung – sie sind zwar auch vielen wichtig, aber insgesamt liegen sie deutlich hinter solchen, die auf das eigene Glück zielen. Andere Studien bestätigen das. Das kann man gut finden oder nicht. Aber definitiv widerlegt es das Klischee von Berufseinsteigern, die die Welt retten wollen, anstatt beruflich voran zu kommen.

Im Gegenteil: Die Untersuchungen ergeben das Bild einer Generation, die leistungsbereit ist, die dafür aber auch eine Gegenleistung will: So wollen nach einer Yougov-Befragung im Auftrag von LinkedIn 83 Prozent der Befragten hart arbeiten, wenn die Bezahlung stimmt. 64 Prozent wollen schnell Karriere machen. Gut die Hälfte der Befragten findet auch Überstunden in Ordnung, jobbedingte Umzüge oder Erreichbarkeit nach Feierabend.

Was die Bindung zum Arbeitgeber angeht, formulierte das Karrierenetzwerk Xing „Die illoyalsten Jobber aller Zeiten“, um mit der Schlagzeile seine eigene Generation-Z-Studie zu bewerben. Doch wer genauer hinsieht, sieht ein komplexeres Bild. Zwar sind Jobwechsel für die Berufseinsteiger von heute definitiv eine Option – laut einer Umfrage von Yougov für Continental würden das 78 Prozent der befragten Gen-Zler für mehr Geld tun und 67 Prozent für mehr Flexibilität. Doch gleichzeitig zeigen die Umfragen auch ein hohes Sicherheitsbedürfnis: Unbefristete Arbeitsverträge sind auch in der Generation Z begehrt. Und in der LinkedIn-Studie geben 57 Prozent der Befragten an, sie könnten sich vorstellen, länger als zehn Jahre bei der gleichen Firma zu bleiben, wenn ihre Ansprüche und Bedürfnisse dort erfüllt werden.

Gelebte Nachhaltigkeit bedeutet für Arbeitgeber in diesem Umfeld also: Dafür sorgen, dass Mitarbeiter sich wohl fühlen. Fördern. Perspektiven aufzeigen. Wertschätzend und auf Augenhöhe kommunizieren. Freiräume geben. Glaubhaft darstellen, dass hier jeder etwas erreichen kann, unabhängig von Geschlecht und Herkunft. Zeigen, dass auch Mütter nach der Elternzeit eine Chance haben, mehr als nur Handlangerdienste zu machen. Als Unternehmen klimafreundlich und gesellschaftlich verantwortlich zu handeln, das würde sicher auch helfen: 54 Prozent der jungen Beschäftigten würden einen Job nicht annehmen, wenn sich der Arbeitgeber nicht für Nachhaltigkeit einsetzt, hat der Personaldienstleister Randstad ermittelt.

Im Hinterkopf behalten sollte man dabei, dass die Generation Z die bisher am besten vernetzte Generation der Geschichte ist. Erlebnisse in Bewerbungsverfahren und im Berufsleben sprechen sich also schneller und massiver herum als vor 20 Jahren. Und laut „Azubi-Recruiting Trends 2023“ konnten 52 Prozent aller jungen Bewerber unter mehreren Angeboten wählen. Dagegen konnten 58 Prozent aller Unternehmen nicht all ihre Ausbildungsplätze besetzen. Daraus folgt nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage: Wer gute Bewerber bekommen und behalten will, muss ihnen etwas bieten und pfleglich mit ihnen umgehen.

Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagte der „Zeit“ trotzdem: „Die Anspruchshaltung vieler in dieser Generation Z geht mir gegen den Strich. Mich ärgert, dass sie zu viel an sich denken und zu wenig an die Gesellschaft.“ Allerdings verkannte er wie viele andere seiner Generation dabei, dass Loyalität keine Einbahnstraße ist – und dass diejenigen, die ihre Kindheit und Jugend in den 2000er- und 2010er-Jahren verbracht haben, ein grundlegend anderes Erleben hatten als die Kinder der 1970er- und 1980er-Jahre.


»Die Generation Z ist leistungsbereit, will aber dafür auch eine Gegenleistung.«

 

Denn vermutlich fragen sich einige der von de Maizière Angesprochenen mindestens unterbewusst, was die Gesellschaft – und damit die Generation des ehemaligen Ministers – denn eigentlich für sie getan hat. Die Wohlstandsversprechen aus der alten Bundesrepublik haben sich oft schon für die Eltern der Generation Z nicht mehr erfüllt, genau so wenig wie die von sicheren Arbeitsplätzen. Dazu noch Klimawandel und Corona – die Pandemie hat die Jugend vieler Gen-Zler stark beeinflusst. Eigentlich ist die logische Folge daraus eine Generation, die einerseits nach Absicherung strebt und andererseits ein bisschen postmaterialistisch ist – wenn sich das Häuschen im Grünen ja sowieso nicht mehr finanzieren lässt.

Es könnte aber auch noch etwas anderes in die Debatte hineinspielen. Denn Soziologen verweisen darauf, dass eine Gruppe gleich alter Menschen alles andere als eine homogene Einheit ist. Und dass die Generation Z bisher noch sehr jung ist. Vieles von dem, was Berufseinsteiger heute einfordern, hätten vorherige Generationen auch schon gerne gehabt. Nur stehen heute die Chancen besser, dass die Wünsche erfüllt werden. Außerdem ändern sich Einstellungen im Lauf des Lebens, es bleibt abzuwarten, wie das diesmal sein wird. Und wenn gar nichts mehr hilft, kann man sich immer noch zu einem der großen Philosophen flüchten: „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte.“ So sprach Sokrates vor knapp 2.500 Jahren.

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