Unabhängig davon, ob ein altes Schmuckstück eingeschmolzen und wieder zu einem neuen Schmuckstück verarbeitet wird oder ob aus Elektroschrott Gold zurückgewonnen wird – Gold wird durch die Wiederverarbeitung nicht schlechter. Ganz im Gegenteil: Recyceltes Gold ist nicht nur chemisch identisch mit neuem, sondern es hat auch denselben Wert wie neu abgebautes Gold und überzeugt dadurch, dass es die Umwelt weniger belastet. „Je häufiger ein Stück Gold wiederverwertet wird, desto geringer ist sein ökologischer Fußabdruck“, fasst es WWF-Rohstoffexpertin Christine Scholl zusammen." Kein Wunder, dass immer mehr Hersteller von Schmuck und Juweliere mit Etiketten wie „Nachhaltiger Schmuck“ und „100 % recyceltes Gold“ werben.
AUS ALT MACH NEU
Edelmetalle aus Schmuck wiederzuverwerten ist nicht neu, schließlich käme wohl kaum einer auf die Idee, ein Schmuckstück aus Gold einfach wegzuwerfen. Weltweit wird jedoch bis heute nur ein Drittel des gesamten Goldbedarfs durch Altgold aus Schmuck, Zahngold oder Münzen gedeckt. Schmuckhersteller beziehen ihr Grundmaterial aus Raffinerien, in Deutschland oft Scheideanstalten genannt. Neben dem genannten Altgold entsteht hier durch verschiedene Verfahren aus unreinen Materialien zu 99,99 % reines Feingold. Während etwa Schmuckstücke aus reinem Gold ein weniger aufwändiges Verfahren durchlaufen, müssen Legierungen (etwa aus Gold und Silber) elektrolytisch behandelt werden. Am aufwändigsten und bedenklichsten galt bislang die Gewinnung von Gold bei der Wiederverwertung von Leiterplatten, Mikroprozessoren und Elektroschrott.
An dieser Stelle werden in der Regel mehrfach stark toxische Chemikalien wie Quecksilber und Cyanid eingesetzt. Neue, umweltfreundliche Methoden wie die Schwamm-Technologie und andere innovative Verfahren bei der Goldgewinnung aus elektronischem Schrott lassen jedoch optimistisch in die Zukunft blicken.
NACHHALTIGKEIT NICHT EINHEITLICH GEKENNZEICHNET
Endverbraucher, die sich für nachhaltiges Gold interessieren, haben es bislang allerdings noch schwer. Trotz Werbebezeichnungen wie „Nachhaltiges Gold“ oder „Recyceltes Gold“ ist oft nicht nachvollziehbar, zu welchen Anteilen das Schmuckstück tatsächlich aus Altgold oder recyceltem Gold hergestellt wurde. Bedenklich und alles andere als nachhaltig ist die Tatsache, dass auch heute noch bis zu 25 Prozent Primärgold aus sogenanntem handwerklichen Kleinbergbau gefördert wird, der meist mit illegalen Holzrodungen, Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit und katastrophalen Bedingungen im Bereich Arbeitssicherheit einhergeht. Einige Hersteller von Goldschmuck bezeichnen ihre neuen Kreationen daher nur dann als „nachhaltig“, wenn sie zu 100 % aus Altgold und Elektroschrott gefertigt wurden. Ein entsprechendes Label dafür gibt es jedoch bislang nicht. Immerhin weist das „Fairmined“-Siegel aus, das der Anteil des Goldes, das in einer Mine neu gewonnen wurde, aus einem Betrieb stammt, in der Chemikalien sicher entsorgt werden, Arbeiter Schutzkleidung tragen und die Betreiber der Mine Geld zurücklegen müssen, um die Natur nach dem Abbau wieder zu renaturieren. Das „Fairtrade Gold“-Siegel weist außerdem darauf hin, dass in den Minen Kinderarbeit verboten ist, weniger gefährliche Stoffe benutzt werden und es für die Bergbauleute einen festen Mindestpreis fürs Gold gibt.