Wie nachhaltig ist Second Hand in der Mode?

Flohmärkte und online-Plattformen wie Vinted, EbayKleinanzeigen und Vestiaire Collective boomen. Seit 2019 haben sich die Erlöse im Online-Verkauf von Second-Hand-Artikeln laut Handelsverband Deutschland fast verdoppelt, damals waren es 5,7 Milliarden Euro. Doch wie nachhaltig ist gebraucht kaufen eigentlich? Das haben wir Professor Doktor Elena Patten gefragt, die an der Macromedia Hochschule Fashion Management lehrt.

Illustration: Gemma Portella
Illustration: Gemma Portella
Interview: Helen Weber Redaktion

Frau Professor Patten, wenn wir einen tollen Pullover gebraucht online kaufen, fühlen wir uns meistens gut, weil wir das Gefühl haben, nachhaltig zu handeln – aber stimmt das überhaupt? 

Man kann leider nicht grundsätzlich sagen: Gebraucht kaufen ist nachhaltiger. Wer sich für Mode interessiert und nachhaltig handeln will, sollte eher seine Kaufgewohnheiten überdenken. Denn viele von uns kaufen zu viel – und verkaufen gleichzeitig ihre alte Kleidung weiter, um dann wieder Platz für Neues im Kleiderschrank zu machen. Der Second-Hand-Markt ist eigentlich nur ein Teil des immer schneller werdenden Konsums, der damit weiter befeuert wird. Es ist die ständige Jagd nach neuen Teilen im Kleiderschrank, die wir stoppen sollten.
 

Aber zumindest kauft man ja nichts Neues, die Kleidung wird nicht extra hergestellt …

Das stimmt. Bei Second Hand werden zumindest keine Menschen in Entwicklungsländern bei der Herstellung ausgebeutet, wie es bei manchen Modeanbietern der Fall ist. Dennoch sind Second-Hand-E-Commerce-Plattformen wie zum Beispiel Vinted genauso gewinnorientierte Unternehmen. Was man auch nicht vergessen darf, ist, wie viel Kleidung bei jeder Form des Onlineshoppings verschickt wird. Auch das belastet die Umwelt. Bei Vestiaire Collective zum Beispiel kann der Käufer seinen Artikel auf Echtheit prüfen lassen. Das heißt, die Schuhe oder die Jeans werden zuerst zu einer firmeneigenen Qualitätskontrolle geschickt, wo ein Team die Artikel verifiziert und danach erst an den oder die Käufer:in. Das Transportieren von Kleidung macht drei bis sieben Prozent der Gesamtemissionen in der Bekleidungsbranche aus.

Professor Doktor Elena Patten, Dozentin Fashion Management, Macromedia Hochschule
Professor Doktor Elena Patten, Dozentin Fashion Management, Macromedia Hochschule

 

Was kann jede und jeder Einzelne tun, um nachhaltiger mit Kleidung umzugehen?

Erstens: weniger kaufen. Wir alle besitzen viel zu viele Kleiderschrankleichen, die wir nicht anziehen. Doch seinen Kleiderkonsum zu reduzieren ist nicht so einfach, denn die Käufe sind oft nicht rational bestimmt, sondern Impulskäufe. Social Media spielt beim Kleidungskauf auch eine sehr große Rolle. Junge Menschen verbringen etwa sechs bis sieben Stunden am Tag online. Ständig sehen sie neue angebliche It-Pieces, ständig gibt es neue Drops, es wird Verknappung vorgegaukelt. Sich dem zu entziehen, kann schwer sein. 

Zweitens: Weniger Waschen. Viele Menschen waschen ein Kleidungsstück nach jedem Tragen, was massiv die Umwelt belastet. Doch viele Textilien können auch erst einmal gelüftet werden – früher hat man das viel gemacht, es ist in Vergessenheit geraten. Beim Gebrauch von Kleidung entstehen aktuell ca. 25 Prozent der Gesamtemissionen in der Bekleidungsbranche. Und Drittens: sich informieren. Es gibt mittlerweile so viele gute Dokus darüber, wie Kleidung in manchen Teilen der Modebranche produziert wird. Eigentlich kann niemand mehr sagen, er habe nicht gewusst, wie fatal die Auswirkungen für Menschen und Umwelt sind. 

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