Frau Professor Patten, wenn wir einen tollen Pullover gebraucht online kaufen, fühlen wir uns meistens gut, weil wir das Gefühl haben, nachhaltig zu handeln – aber stimmt das überhaupt?
Man kann leider nicht grundsätzlich sagen: Gebraucht kaufen ist nachhaltiger. Wer sich für Mode interessiert und nachhaltig handeln will, sollte eher seine Kaufgewohnheiten überdenken. Denn viele von uns kaufen zu viel – und verkaufen gleichzeitig ihre alte Kleidung weiter, um dann wieder Platz für Neues im Kleiderschrank zu machen. Der Second-Hand-Markt ist eigentlich nur ein Teil des immer schneller werdenden Konsums, der damit weiter befeuert wird. Es ist die ständige Jagd nach neuen Teilen im Kleiderschrank, die wir stoppen sollten.
Aber zumindest kauft man ja nichts Neues, die Kleidung wird nicht extra hergestellt …
Das stimmt. Bei Second Hand werden zumindest keine Menschen in Entwicklungsländern bei der Herstellung ausgebeutet, wie es bei manchen Modeanbietern der Fall ist. Dennoch sind Second-Hand-E-Commerce-Plattformen wie zum Beispiel Vinted genauso gewinnorientierte Unternehmen. Was man auch nicht vergessen darf, ist, wie viel Kleidung bei jeder Form des Onlineshoppings verschickt wird. Auch das belastet die Umwelt. Bei Vestiaire Collective zum Beispiel kann der Käufer seinen Artikel auf Echtheit prüfen lassen. Das heißt, die Schuhe oder die Jeans werden zuerst zu einer firmeneigenen Qualitätskontrolle geschickt, wo ein Team die Artikel verifiziert und danach erst an den oder die Käufer:in. Das Transportieren von Kleidung macht drei bis sieben Prozent der Gesamtemissionen in der Bekleidungsbranche aus.