Weltbewegende Forschung

Die Mobilität der Zukunft ist ein übergeordnetes Thema, mit dem sich die Wissenschaft auf globaler Ebene intensiv beschäftigt. Die Praxistests finden hingegen in regionalen Clustern statt.
Illustration: Monika Jurczyk
Illustration: Monika Jurczyk
Julia Thiem Redaktion

Tesla ist an der Börse der wertvollste Autobauer der Welt, E-Scooter flitzen durch unsere Städte und das deutsche Flugtaxi-Start-up Lilium geht davon aus, bis 2025 erste Fluggeräte liefern zu können. Flugtaxis der amerikanischen Konkurrenz Joby sollen schon 2024 über die Metropolen fliegen und günstiger sein als eine Taxifahrt in Berlin. Die Unternehmensberatung Roland Berger prognostiziert für 2050 einen Umsatz von 90 Milliarden US-Dollar für die Taxis der Lüfte.

 

Man bekommt den Eindruck, dass sie längst da ist, die Mobilität der Zukunft. Wenn wir aber noch einmal auf das Beispiel der E-Scooter zurückkommen, zeigt sich, dass es eben nicht ausreicht, moderne Mobilitätslösungen einfach auf den Markt zu bringen und zu hoffen, dass die Menschen sie annehmen. Oder können Sie sich heute vorstellen, in ein autonomes Flugtaxi zu steigen, um von A nach B zu gelangen?

 

Was wir zum jetzigen Zeitpunkt vor allem brauchen, sind Ideen und Ansätze, wie ein Zusammenspiel verschiedener Mobilitätslösungen künftig aussehen kann. Wo hat das Auto seine Berechtigung, wo ein E-Bike oder -Scooter. Wann entlastet ein Umstieg auf ein Flugtaxi vielleicht den Berufsverkehr? Diese Formel für ein effizientes Zusammenspiel gilt es zu entschlüsseln, um anschließend die nötigen Nutzungsvoraussetzungen schaffen zu können.

 

Das zeigt sich auch an den vielen Clustern, die derzeit rund um den Globus entstehen. Man kann sie auch als „Versuchsstädte oder -Quartiere“ bezeichnen, in denen Nutzungsverhalten und Alltagstauglichkeit neuer Mobilitätslösungen erprobt werden sollen. So will der Automobilhersteller Toyota aktuell eine ehemalige Autofabrik am Nationalberg Fuji kurzerhand zu einem der ambitioniertesten Smart-City-Projekte der Welt umwandeln. In „Woven City“ sollen mehr als 2.000 Menschen und Forscher das Leben, allen voran aber die Mobilität der Zukunft, ausprobieren und damit die Transformation Toyotas vom Automobilhersteller zum Mobilitätsdienstleister einläuten.

 

Ein ähnliches Projekt entsteht in Deutschland derzeit mit dem Pioneer Park Hanau. Auf dem fast 50 Hektar großen Gelände einer ehemaligen Kaserne soll nicht nur Wohnraum für bis zu 5.000 Menschen entstehen, hier sollen vor allem neue E-Mobilitätskonzepte erprobt werden. „Wir wollen das Verkehrsaufkommen und die Anzahl der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor im Quartier reduzieren“, betont LEG-Geschäftsführer Marc Weinstock. Dafür hat das Land Hessen beispielsweise schon 500.000 Euro Förderung bewilligt. 2024 sollen die ersten Menschen einziehen, eine flächendeckende Ladeinfrastruktur genauso vorfinden wie Sharing-Angebote für Bewohner und Gäste. Ebenso ist ein vernetzter Übergang zum ÖPNV geplant.

 

Die Beispiele verdeutlichen, dass sich Forschung und Entwicklung mittlerweile stark auf mehr oder weniger abgeschlossene Quartiere konzentrieren, um vom konkreten Nutzerverhalten lernen zu können. Auch die Weiterentwicklung des autonomen Fahrens würde von einem solch sicheren Raum profitieren, bevor es in Städten flächendeckend zum Einsatz kommt. Die Mobilität der Zukunft findet also erst einmal im Kleinen statt.  

 

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