Food for Future

Zur Rettung unseres Planeten müssen wir unser Konsumverhalten umstellen – auch beim Essen. Doch sind die Verbraucherinnen und Verbraucher überhaupt schon bereit dafür? Und was bedeutet das für die Branche?
Illustration: Chiara Lanzieri
Illustration: Chiara Lanzieri
Sarah Kröger Redaktion

Schnitzel-Freitag, Angrillen im Frühling, Kartoffelsalat mit Würstchen an Heiligabend: Ernährung ist nicht nur ein elementarer Bestandteil unseres Alltags, sondern auch Teil vieler lieb gewonnener Routinen. Nicht jedem fällt es leicht, sich klimafreundlich zu ernähren – selbst wenn der Wille da ist. Denn 70 Prozent der Deutschen würden gern mehr Geld für Fleisch bezahlen, wenn dadurch Landwirten, Tieren und Umwelt geholfen wird. Beim Öko-Barometer 2021 gaben rund 41 Prozent an, in Zukunft häufiger Bio-Lebensmittel kaufen zu wollen. Trotzdem steigt der Gesamtanteil der gekauften Bio-Produkte nur langsam an, 2021 waren es 6,8 Prozent, bei Bio-Fleisch nur 4,4 Prozent. Wie lässt sich der Wunsch nach klimafreundlicher Ernährung in tatsächlichen, nachhaltigen Konsum umwandeln?

„Ernährung ist ein Handlungsfeld, in dem man jederzeit, mit vergleichsweise geringen Kosten, nachhaltige Handlungen umsetzen kann“, sagt Lena Hennes, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. Ganz anders sei das beim Thema Wohnen. Ein Haus energieeffizient zu sanieren ist wesentlich kostenintensiver und in Mietwohnungen oft nicht individuell umsetzbar. Durch den Kauf von weniger tierischen Produkten beispielsweise sind relativ große ökologische Auswirkungen möglich, meint Lena Hennes.

Michael Kopatz, Autor des Buches „Ökoroutine“, findet jedoch, dass die Einzelnen mit der Bewältigung von komplexen Problemlagen wie dem Klimaschutz „völlig überfordert“ seien. In seinem Buch plädiert er für eine grundsätzliche Änderung der Strukturen, zum Beispiel durch strengere Gesetze für die Landwirtschaft. Wenn der Gesetzgeber den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln oder von Antibiotika in der Tierhaltung begrenzte, würde sich das Konsumverhalten aller automatisch, ohne große Anstrengung, ändern.

Auf die Änderung äußerlicher Strukturen zielt auch der Ansatz des Green Nudgings. Hier geht es darum, Menschen durch sanfte „Anstupser“ zu klimafreundlichem Verhalten zu motivieren. In einer Betriebskantine könnten etwa klimafreundliche Gerichte optisch hervorgehoben werden, kleinere Teller könnten verhindern, dass der eigene Hunger falsch eingeschätzt wird, und so Lebensmittelverschwendung vermeiden.

Aber auch die Lebensmittelbranche ist in der Verantwortung, sagt Lena Hennes. „Das fängt schon bei der Landwirtschaft an: Die ökologische Produktion von Lebensmitteln muss ausgeweitet und Tierbestände abgebaut werden.“ Auch der Einzelhandel sollte umdenken und aufhören, günstige Fleischpreise zu nutzen, um Konsumenten in den Supermarkt zu locken. Die Gastronomie bräuchte noch mehr Aufklärung darüber, wie sich auch nachhaltige Menüs preisgünstig anbieten lassen. Klimafreundliche Ernährung sollte zudem auch schon in die Ausbildung von Köchinnen und Köchen integriert werden. Besonders wichtig wäre aber, dass auch Geringverdienende nachhaltige Produkte kaufen können: „Die nachhaltige Entscheidung sollte die günstigere sein.“ Da sieht Lena Hennes wiederum klar die Politik in der Verantwortung, die zum Beispiel im ersten Schritt pflanzliche Produkte geringer besteuern könnte als tierische.

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