Der Globetrotter Weg

Wie Handel nachhaltig funktioniert

Andreas Vogler, CEO des Outdoor-Ausrüsters Globetrotter
Andreas Vogler, CEO des Outdoor-Ausrüsters Globetrotter
Globetrotter Beitrag

Herr Vogler, Globetrotter ist als Händler Teil des weltweiten Konsumproblems – wie setzen Sie nachhaltigen Handel um?

Der Handel ist aktuell für rund 3 % des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich – ein Wert, der zunächst klein erscheint, den wir aber dennoch dringend reduzieren müssen. Zudem ist unsere heutige Welt lediglich zu 7,2 % zirkulär. Das heißt: Nur 7,2 % aller menschlichen Erzeugnisse werden heute in einem Kreislauf der Wieder- und Weiterverwendung gehalten. Der Rest wird entsorgt. So gehen natürliche Ressourcen und wertvolle Rohstoffe verloren, die Grundlage für neues Wachstum sind – ökologisch wie ökonomisch. Doch die Themen Erderwärmung und Ressourcenverschwendung stellen nur zwei Beispiele für die Herausforderungen unserer Zeit dar – Stichwort Planetary Boundaries. 

Als Händler verfügen wir über ein wertvolles Gut: den direkten Zugang zu Millionen Kund:innen. Wir sehen uns daher als Enabler einer “Wert(e)schöpfungskette” – unsere Aufgabe ist es, die bestmöglichen Optionen als Alternative zum Neukauf bereitzustellen. Darüber hinaus bieten wir Informationen rund um Materialien, Produkte und Nachhaltigkeit und unterstützen mit dem Label “Eine grünere Wahl” dabei, eine nachhaltigere Kaufentscheidung zu treffen. Unser Fokus liegt ganz klar auf unseren Reparaturwerkstätten, dem Ausbau unserer 2nd-Hand-Plattform sowie Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit. Wir legen großen Wert auf den 1:1-Kontakt mit unseren Kund:innen. So setzen und bekommen wir neue Anreize, wie wir unser Geschäftsmodell weiterhin zu noch mehr Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung transformieren können. 

In den meisten Globetrotter-Filialen befinden sich lokale Werkstätten, in denen Outdoor-Ausrüstung professionell gepflegt und repariert wird.
In den meisten Globetrotter-Filialen befinden sich lokale Werkstätten, in denen Outdoor-Ausrüstung professionell gepflegt und repariert wird.

Ein State-of-the-Art-Beispiel für unser Bestreben, nachhaltigster Outdoorhändler zu sein, ist unser RE:Think Store in Bonn, den wir im Mai 2023 eröffnet haben. Nahezu die gesamte Einrichtung des Vormieters Conrad Electronic wurde übernommen und kreativ weitergenutzt. Und auch sonst wurden fast ausschließlich gebrauchte Materialien verwendet – ein Projekt wie der Re:Think Store ist im Retail unseres Wissens bis dato einmalig. Wir wollen Vorreiter in der Branche sein und aufzeigen, dass es möglich ist, ein Ladenbau-Projekt zu nahezu 100 Prozent mit gebrauchten Materialien umzusetzen – und so erhebliche Mengen an CO2 Globetrotter wird in diesem Jahr 45 – wie schafft man es bei so einer langen Unternehmensgeschichte, neue Ideen zu entwickeln?

Als Globetrotter gegründet wurde, waren wir ein kleines StartUp in Hamburg Wandsbek – heute sind wir Deutschlands größter und nachhaltigster Outdoorhändler. Der Weg dahin ist ein Ausprobieren von neuen Dingen und des Anders-Machens. Genau das möchten wir mit unserem StartUp-Förderprogramm auch anderen Neulingen in der Branche ermöglichen. Seit 2020 bieten wir jungen Unternehmen mit individuellen und vor allem nachhaltigen Ideen für ein Jahr eine exklusive Vertriebs- und Vermarktungsplattform – in unseren Stores sowie online. Wir sind stolz, unseren Pioniergeist und die Begeisterung für neue Ideen teilen zu können, inzwischen listen wir neun StartUps in unserem Förderprogramm.
 

Was sind grundlegende Parameter für den zukünftigen Erfolg im stationären Handel?

Wir müssen neu denken und uns vom klassischen Handelsdenken lösen. Zukünftig werden wir nicht mehr “nur” neue Waren verkaufen: Wir erhalten, reparieren, verleihen und klären auf. Wir schaffen neue Angebote und denken “out of the box”. Unsere Botschaft ist: Bei uns gibt es alles, was Outdoor-Ausrüstung für ein zweites und auch drittes Leben braucht und wir zeigen, wie das geht. So bauen wir eine Wertegemeinschaft auf, die unsere Botschaft weiterträgt – nur, wenn wir es schaffen, ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu vermitteln, haben wir eine Daseinsberechtigung. Das bedeutet auch, unser Sortiment so zu gestalten, dass Kund:innen im Falle eines Neukaufs mit der ,richtigen‘ Ware in die Kreislaufwirtschaft starten und sich der Nachhaltigkeitsstandard innerhalb unseres Sortiments auf einem hohen Niveau befinden muss.
 

www.globetrotter.de
 

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