Bauer sucht Technologie

Die Digitalisierung der Landwirtschaft ist aus vielerlei Gründen ein wichtiges Zukunftsthema. Allerdings muss für eine echte Transformation erst einmal eine solide Basis für den Einsatz von Technologie geschaffen werden.

Illustration : Chiara Lanzieri
Illustration : Chiara Lanzieri
Julia Thiem Beitrag

50 Prozent weniger Pestizide, 50 Prozent weniger Nährstoffverluste, 30 Prozent weniger Düngemittel – und das alles bis 2030. So lauteten die ursprünglichen Ziele der „Farm-to-Fork-Strategie“ der Europäischen Union, die Teil der größeren Umweltinitiative „Green Deal“ ist. Doch von den im Jahr 2020 geplanten 31 Maßnahmen wurden bis Anfang dieses Jahres 15 Maßnahmen noch nicht einmal gestartet. Eine davon – ein umstrittener Vorschlag zu Pestiziden – wurde von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sogar ganz zurückgezogen.

Ob die oben genannten Ziele bis 2030 also tatsächlich umgesetzt werden können, bleibt fraglich. Wenn aber überhaupt eine Chance bestehen soll, muss der Digitalisierungsgrad innerhalb der Landwirtschaft deutlich erhöht werden. Aus einem einfachen Grund: Wer die Effizienz steigern will, muss bei gleichbleibenden Ressourcen präziser arbeiten. Und dafür braucht es neue Technologien wie GPS-gesteuerte Lenksysteme, Drohnen oder auch künstliche Intelligenz. Denn nur so können beispielsweise Insektizide und Fungizide ausschließlich auf den tatsächlich befallenen Pflanzen eingesetzt, die Bewässerung deutlich effizienter oder auch die Fruchtfolgen und einzelne Arbeitsschritte anhand von Wetterdaten zielführender geplant werden. Ein weiterer Trend in der Landwirtschaft ist derzeit zudem das überwachte autonome Fahren, wo die Landmaschine Feldfrüchte selbstständig einholt, während der Landwirt die Ernte vom Feldrand aus überwacht. Diese Technologie soll laut der Studie „Scouting the Autonomous Agricultural Machinery Market“ des Fraunhofer Instituts für Experimentelles Software Engineering IESE bis 2045 einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent in Westeuropa ausmachen.

Bis wir in Deutschland jedoch wirklich von Hightech-Bauernhöfen sprechen können, wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Die Gründe sind vielschichtig. An der Bereitschaft der Landwirte liegt es jedenfalls nicht.
Die sind der Digitalisierung gegenüber aufgeschlossen, weil sie auch die wirtschaftlichen und monetären Vorteile für den eigenen Betrieb sehen. Laut einer Studie der AFC Consulting Group aus dem letzten Jahr sieht mehr als die Hälfte der befragten Landwirte (56 Prozent) in der fortschreitenden digitalen Entwicklung eine Chance, während nur 14 Prozent befürchten, dass sie ein Risiko für ihren Betrieb darstellen könnte. Knapp ein Drittel bleibt neutral.

Bevor die Landwirte jedoch im großen Stil in den Ausbau neuer Technologien für ihre Betriebe investieren können, muss erst einmal eine Basis geschaffen werden, die den Einsatz digitaler Lösungen überhaupt ermöglicht. Denn bisher hinkt der Ausbau von Mobilfunk und Breitband hinterher. Um die nachhaltige digitale Transformation der Landwirtschaft weiter voranzutreiben, hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft deshalb 60 Millionen Euro aus der Mobilfunkstrategie der Bundesregierung für digitale Techniken und die Nutzung von leistungsfähigem Mobilfunk und Breitband in der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt. Wenn die Kabel einmal verlegt sind, klappt es vielleicht noch mit den Farm-to-Fork-Zielen der EU.
 

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