Keine Angst vor Altersarmut

März 2016 | Die Welt | Glücklich im Alter

Keine Angst vor Altersarmut

Wer im Alter finanziell abgesichert sein möchte, muss über die gesetzliche Rente hinaus privat vorsorgen. Aber wie?

Illustration: Chiara Lanzieri by Marsha Heyer
Mirko Heinemann / Redaktion

Bei den Anbietern von Fondsparplänen kursieren Fallbeispiele, die den Ausblick auf den Ruhestand versüßen sollen. Darin wird etwa so gerechnet: „Wer mit Mitte 20 etwa jeden Monat 150 Euro in eine fondsgebundene Rentenversicherung einzahlt, kann sich im Alter von 67 Jahren auf eine Ablaufleistung von 493.219 Euro freuen. Eingezahlt hat er in dieser Zeit nur 75.600 Euro.“


Das klingt wunderbar. Da in diesem Beispiel eine Fondsrendite von acht Prozent angenommen wird, ist es auch nicht unrealistisch. Es hat aber einen Haken: Auf die Fondsrendite gibt es keinerlei Garantie. Denn die fondsgebundene Rentenversicherung nutzt die Renditechancen am Aktienmarkt. Die Sparanteile der Beiträge werden in einem oder mehreren Fonds angelegt, die wiederum in Unternehmensaktien investieren. Jeder Anbieter investiert anders, also in unterschiedliche Aktien.


Auf diese Weise kann eine fondsgebundene Rentenversicherung hohe Renditen erzielen und somit eine gute Rente ermöglichen. Muss sie aber nicht. Sollte etwa zum Zeitpunkt des Renteneintritts der Markt schwach sein, sollte eine Wirtschaftskrise die Aktienkurse einbrechen lassen oder eine Konjunkturdelle die prinzipiell gute Entwicklung des Fonds schwächen, wäre der Sparer mit einem konservativen Rentensparplan womöglich besser gefahren.


Hätte, könnte, sollte – Konjunktive sind unbeliebt, wenn es um die Rente geht. Sie soll vor allem „sicher“ sein, so lautet das Mantra in der Bundesrepublik. Die demografische Entwicklung hat dem einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Heute scheint die Zukunft der Renten eher düster; das Gespenst der Altersarmut wird beschworen: 54 Prozent der jungen Deutschen haben Angst davor, so eine Studie von TNS Emnid. In der Tat führt der demografische Faktor dazu, dass die Renten in Zukunft sinken und die Altersbezüge immer mehr Versicherter unter die Grundsicherung fallen werden.


Die Politik hat daher die private Vorsorge zum zweiten Standbein der Alterssicherung deklariert. Es wird in Zukunft noch wichtiger werden: Während im Jahr 2005 noch rund 85 Prozent der finanziellen Mittel zur Alterssicherung aus der gesetzlichen Rentenversicherung stammten, wird der Anteil im Jahr 2050 voraussichtlich auf 56 Prozent sinken. Die Bedeutung der betrieblichen und privaten Altersvorsorge wird entsprechend steigen.


Das beliebteste Produkt in der privaten Altersvorsorge ist die Lebensversicherung. Ende 2014 bestanden mehr als 92 Millionen Kapital-, Renten-, Risiko- und andere Lebensversicherungsverträge. Direkt auf die Ansprüche der meisten Arbeitnehmer zugeschnitten wurde außerdem ein staatlich gefördertes Produkt: die Riester-Rente, benannt nach dem ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester. Der Riester-Rente liegt ein Sparplan zugrunde, in den der Sparer mindestens vier Prozent seines Brutteinkommens einzahlen muss. Dann gibt der Staat bis zu 154 Euro pro Jahr dazu, für jedes Kind sogar jährlich bis zu 300 Euro. „Riestern“ kann man sowohl mit Rentenversicherungen als auch mit Banksparplänen. Auch die Einzahlung in Fondsparpläne ist möglich. Die Renditeaussichten sind besser, aber auch das Risiko ist höher, dass sich die in Aussicht gestellten Renditen nicht erzielen lassen. Ein staatliches Zertifikat garantiert, dass zu Beginn des Rentenbezugs mindestens die gezahlten Beiträge und Zulagen zur Verfügung stehen.


Eine beliebte betriebliche Altersvorsorge ist die so genannte „Entgeltumwandlung“. Dabei kann jeder Arbeitnehmer Teile seines Gehalts oder Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld in Beiträge zu einer betrieblichen Altersversorgung umwandeln und sich so eine Zusatzrente aufbauen. Arbeitgeber, die sich mit Einzahlungen beteiligen, können die Aufwendungen steuerlich geltend machen. Oftmals wird solch ein Modell mit einer Direktversicherung verknüpft. Bis zu 4.704 Euro vom Jahresbrutto können Arbeitnehmer steuer- und abgabenfrei in die betriebliche Altersversorgung stecken.


Top-Unternehmen verpflichten sich selbst zu einer Rentenzahlung an den Arbeitnehmer. Das Geld stammt aus dem Betriebsvermögen. Risiken bestehen bei einer Insolvenz des Unternehmens. Viele Arbeitnehmer können sich zusätzlich in einer Pensionskasse absichern. Das sind betriebs- oder branchenspezifische Versicherungsunternehmen, die sich auf betriebliche Altersvorsorge spezialisiert haben. Organisiert sind sie entweder als Vereine oder als Aktiengesellschaften: Versicherungsvereine beruhen auf Gegenseitigkeit, Aktiengesellschaften investieren die Einlagen. Außerdem gibt es das Modell der Unterstützungskasse, bei dem sich mehrere Unternehmen zusammenschließen, um ihren Arbeitnehmern eine Betriebsrente zahlen zu können.


Derzeit schwer im Trend liegen Immobilien. Wer ein Eigenheim oder eine eigene Wohnung erwirbt, kann sich über die derzeit niedrigen Zinsen freuen. Baudarlehen werden derzeit mit einem bis 1,5 Prozent verzinst. Wer rechtzeitig eine Immobilie erwirbt, kann im Alter mietfrei wohnen oder als Vermieter Geld einnehmen. Oder er kann die Immobilie dann wieder verkaufen und in eine kleinere Wohnung ziehen, etwa, weil die Kinder ausgezogen sind. Die Differenz lässt sich dann als Zusatzrente betrachten.


Wer einen Bausparvertrag abschließt, erspart sich in wenigen Jahren die Garantie auf einen Kredit mit einem festgelegten Zinssatz. Damit kann der Eigenanteil abgesichert werden, der beim Kauf oder beim Bau einer Immobilie verlangt wird. Seit 2008 gibt es auch den so genannten Wohn-Riester. Die staatliche Förderung ist dieselbe wie bei der Riester-Rente, die Zulagen müssen in die Abzahlung von Darlehen für die eigene Immobilie fließen. Die Immobilie muss selbst genutzt werden, Wohn-Riester gilt also nicht für vermietete Objekte.
Immer mehr Menschen erwerben ein so genanntes Pflegeappartment. Dabei handelt es sich um eine Wohnung in einem Pflegeheim, in der ältere Menschen stationär betreut werden können. Weil die Seniorenwohnheime überlastet sind, entstehen derzeit immer mehr dieser Pflegeappartments von Projektentwicklern, mit Hilfe von externen Investoren. Wer ein Pflegeappartment erwirbt, kann es vermieten – mit der Perspektive, später selbst dort einzuziehen.