Welle der Automatisierung

Seit vor rund 10 Jahren auf der Hannovermesse 2011 der Begriff Industrie 4.0 als Zukunftsvision geprägt wurde, hat sich viel getan. Wir haben ein paar spannende Neuigkeiten für Sie zusammengetragen.
Illustration: Sophia Hummler
Illustration: Sophia Hummler
Klaus Lüber Redaktion

Sprechende Maschinen

Ein Kernstück der Economy 4.0 ist die zunehmende Vernetzung von Produktionsprozessen. Diesen Weg gehen die Unternehmen Merck und Siemens jetzt konsequent weiter. Gemeinsam wollen sie eine Komplettlösung für ihre Kunden entwickeln, bei der zu einem Produkt und seinen Teilen alle wichtigen Informationen zentral und verlässlich gespeichert werden. Ein mögliches Anwendungsfeld wäre die Lebensmittelindustrie. Bei der Herstellung von Käse könnte das System Daten aus der Produktion – ob die Anlage gespült oder wie lange die Milch erhitzt wurde – mit Ergebnissen aus der Laboruntersuchung zu Keimen verknüpfen. Hinzu kämen Daten aus der Lieferkette – etwa, von welchem Bauer die Milch stammt und wann der Tanklastwagen gereinigt wurde. Erste Pilotprojekte sind für 2022 geplant.

RoBoter am Bau

Die Baubranche könnte am Anfang einer großen Automatisierungswelle stehen. Anders als in der Autoindustrie, in der viele schwere und gefährliche Tätigkeiten längst von Robotern übernommen werden, wird am Bau noch vieles von Menschenhand erledigt. „In Sachen Automatisierung sehen sich viele Kunden in der Baubranche heute da, wo die Autobauer vor 50 Jahren waren“, so ABB-Robotik-Chef Sami Atiya gegenüber dem Handelsblatt. Aktuell arbeitet ABB an Projekten wie dem Einsatz von Robotern bei der Installation von Aufzügen für die Schweizer Schindler oder der Automatisierung der Produktion von Komponenten für Fertighäuser. Laut einer Studie von 3Gem Global Market Research im Auftrag von ABB wollen 81 Prozent der befragten 1.900 Unternehmen auch deshalb verstärkt auf Robotik und Automatisierung setzen, um sich gegen den Fachkräftemangel abzusichern.

Wachstumsbremse Corona

Die deutsche Industrie blickt mit Sorge auf die rasant steigenden Corona-Infektionszahlen. Grund ist die zu erwartende Kaufzurückhaltung bei den Konsumentinnen und Konsumenten sowie Materialmangel aufgrund von Lieferengpässen. Das dämpft die Produktion, wie aus dem aktuellen Industriebericht des BDI hervorgeht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Nach jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes war die Industrieproduktion zuletzt gesunken. Hart trifft es dem BDI zufolge unter anderem die Autobauer, die unter Rohstoffknappheit und Halbleitermangel leiden. Die deutsche Industrie hatte ihre Konjunkturerwartungen für das laufende Jahr im September heruntergeschraubt. Der Verband rechnet demnach mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr um preisbereinigt (real) drei Prozent. Zuvor war der BDI von einem Plus von 3,5 Prozent ausgegangen.

Cybersicherheit

55 Prozent der großen Unternehmen sind nicht in der Lage, Cyberangriffe schnell zu identifizieren, wirksam zu bekämpfen oder deren Auswirkungen schnell zu begrenzen. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung Accenture unter mehr als 4.700 Führungskräften weltweit hervor. Untersucht wurde, inwieweit Unternehmen dem Thema Cybersecurity einen hohen Stellenwert einräumen, wie effektiv die derzeitigen Sicherheitsmaßnahmen sind und wie sich ihre Investitionen in Maßnahmen zur Abwehr, schnellen Erkennung und Beseitigung entwickeln. Obwohl 82 Prozent der Befragten ihre Ausgaben für Cybersicherheit im vergangenen Jahr erhöhten, ist die Zahl erfolgreicher Cyberangriffe im Vergleich zum Vorjahr um 31 Prozent auf durchschnittlich 270 pro Unternehmen gestiegen.

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