Unser Problem sind die einseitigen nationalen Auflagen

Geflügelfleisch liegt im Trend. Politische Rahmenbedingungen erschweren jedoch die Wettbewerbssituation für die deutschen Erzeuger. Ein Gespräch über Herausforderungen und Chancen.

Friedrich-Otto- Ripke, Bauer und Staatssekretär a. D.
Friedrich-Otto- Ripke, Bauer und Staatssekretär a. D.
Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V Beitrag

Geflügelfleisch und Eier gelten als ernährungsphysiologisch wertvoll. Was macht sie so gesund?

Für eine ausgewogene Ernährung ist Geflügelfleisch wichtig. Denn es ist mager und das enthaltene Fett besteht aus vielen ungesättigten Fettsäuren. Außerdem ist Hühnchen- und Putenfleisch leicht verdaulich und kalorienarm. Gleichzeitig beinhaltet es viele Vitamine und Mineralstoffe wie Eisen und Zink. Nicht zuletzt sind im Geflügeleiweiß alle Bausteine enthalten, die der Körper zum Aufbau von Muskeln, Haut und Knochen braucht. Viele Menschen greifen daher gerne zum Geflügelfleisch – weil es gesund ist und einfach schmeckt. Das gilt für Eier entsprechend.
 

Wie hat sich die Nachfrage entwickelt?

Seit Jahren steigt die Beliebtheit von Geflügel in Deutschland – trotz eines insgesamt sinkenden Fleischkonsums. 21,4 Kilo Geflügelfleisch und 14,7 Kilo Eier hat jeder Deutsche im Jahr 2022 im Schnitt verbraucht. Auch global gesehen wächst die Nachfrage. Viele Länder – vor allem Schwellenländer – setzen auf Geflügel. Geflügelfleisch trägt zur Ernährungssicherheit der wachsenden Weltbevölkerung bei.

 

Produziert Deutschland genug Geflügelfleisch und Eier?

Unsere Erzeuger können die hohe inländische Nachfrage leider nicht komplett bedienen. Im Geflügelbereich – mit Selbstversorgungsgraden zwischen 10 % bei Gänsen, 30 % bei Enten, 80 % bei Puten und 96 % bei Hähnchen sowie rund 75 % bei Eiern – ist Deutschland ein Importland. Fleisch und Eier kommen aus dem Ausland wie dem südamerikanischen Mercosur-Block, wo zum Teil deutlich niedrigere Tierwohl-, Umwelt- und Hygienestandards herrschen. Auch Osteuropa mit seinen Billiglöhnen ist zu nennen.

 

Was sind die größten Herausforderungen für Geflügelhalter aktuell?

Politische Rahmenbedingungen und einseitige nationale Auflagen beeinträchtigen unsere Wettbewerbsfähigkeit. In der EU-Agrarpolitik haben wir zwar gemeinsame Regeln. Die deutsche Regierung legt aber in der nationalen Umsetzung gerne eine Schippe drauf. Über den Unterschied zwischen hohen deutschen und niedrigeren ausländischen Tierwohlstandards sprach ich bereits. Gefährlich ist auch, dass die Ampel so hohe Auflagen macht, dass Landwirte teilweise nicht einmal am heimischen Markt kostendeckend wirtschaften können.
 

Was fordern Sie?

Ein klares politisches Bekenntnis zur praktikablen Weiterentwicklung des Tierhaltungsstandorts Deutschland – mit einer entsprechenden Gesetzgebung, die realistische Übergangsfristen und ökonomische Sicherheit bietet. Nur das schafft die Perspektive für eine nachhaltige und tiergerechte Tierhaltung sowie Planungssicherheit für die Tierhalter. Die Politik muss ideologiefrei und realistisch sein. Höhere Tierwohlstandards setzen sich am Markt nur durch, wenn sie bezahlt und von Verbrauchern nachgefragt werden. Politiker, die dies nicht erkennen und Verbraucher bevormunden, werden ihre Quittung an der Wahlurne erhalten. Denn politische Ideologien kommen und gehen – doch systemrelevante Landwirtschaft als Erzeugerin von Essen und Trinken bleibt.
 

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