Start-up meets Mittelstand

Wie ein Unternehmen mit einer mehr als 100-jährigen Geschichte eine agile Innovationskultur etabliert, ohne sein Kerngeschäft zu vernachlässigen, zeigt der Sensor- und Automatisierungsspezialist Balluff.
Kurze Entscheidungswege, flache Hierarchien – Balluff setzt auf hausinterne Start-ups.
Kurze Entscheidungswege, flache Hierarchien – Balluff setzt auf hausinterne Start-ups.
Balluff GmbH Beitrag

„innovating automation“ lautet der Anspruch von Balluff – einer der weltweit erfolgreichsten Hersteller von Industriesensoren und Automatisierungslösungen. Das global aufgestellte Familienunternehmen hat sich auf die Entwicklung und Herstellung von Sensor- und Automatisierungslösungen für die Industrie spezialisiert. Auf dem Weg von der Reparaturwerkstatt aus den 1920er-Jahren zum internationalen Industrieunternehmen spielten technische Innovationen immer eine zentrale Rolle.


Auf Fortschritt ausgerichtet

 

Die Lösungen von Balluff legen den Grundstein für die Fabrik der Zukunft. Denn die Sensoren erfassen Daten in den Anlagen, die dann weitertransportiert und verarbeitet werden. So lassen sich nicht nur ganze Produktionsprozesse automatisieren, sondern die Analyse der Daten hilft auch dabei, ungeplante Maschinenstillstände zu verhindern oder Beschaffungsprozesse zu optimieren. Innovative Lösungen wie der multifunktionale Condition-Monitoring-Sensor, der durch die gleichzeitige Messung mehrerer Zustände wie Vibration, Temperatur und Luftfeuchtigkeit die Gesundheit von Anlagen überwacht, oder das erste IO-Link-System, das Daten wireless überträgt, sind Beispiele für die Innovationskraft von Balluff. Der stetige Fortschritt ist deshalb als Wert fest in der Unternehmenskultur verankert. Balluff ist ein Paradebeispiel für den Paradigmenwechsel, der sich im deutschen Mittelstand vollzieht: Weg von starren Entwicklungsprozessen hin zu einer neuen Innovationskultur.


Der „Fail Early“-Ansatz

 

„Wir müssen Trends in der Automation frühzeitig erkennen und für unsere Kunden in konkrete Lösungen mit Mehrwert überführen. Die Frage, welche neuen Technologien wir verfolgen, ist für uns erfolgsentscheidend “, erklärt Hubertus Breier, der als Senior Vice President den Geschäftsbereich Technology und damit unter anderem das Innovationsmanagement bei Balluff verantwortet. „Denn klassische Entwicklungszyklen in der Industrie dauern lange.“ Um diese Zeit zu verkürzen und somit auch dem beschleunigten technologischen Wandel gerecht zu werden, setzt das Unternehmen auf den „Fail Early“-Ansatz. Im Jahr 2020 begann Balluff damit, hausinterne Start-ups – so genannte strategische Inkubationsprogramme – aufzubauen, die die Entwicklung neuer Geschäftsideen beschleunigen. Die kleinen agilen Teams setzen auf direktes und frühzeitiges Kundenfeedback. Dadurch ist schnell klar, ob eine Idee Früchte trägt oder diese verworfen wird. „Das deutsche Ingenieurwesen tut sich mit seiner klassischen Fehlervermeidung schwer bei neuen Geschäftsmodellen“, so Breier. „Das frühe Scheitern von Ideen ist bei „Fail Early“ aber natürlicher Teil des Prozesses. Deshalb muss sich im Unternehmen auch eine geeignete Fehlerkultur etablieren.“


Vernetzte Zusammenarbeit

 

Als Erfolgsfaktoren nennt Breier Innovationsräume, um Kreativität und das Brechen von Routinen zu fördern. Sie charakterisieren sich durch flache Hierarchien, Vertrauen und schnelle Entscheidungen. Die Entwicklungsarbeit erfolgt in globalen Teams über Abteilungs- und Ländergrenzen hinweg. „Start-up meets Mittelstand – könnte man sagen,“ beschreibt Breier den Wandel. „Die hausinternen Start-ups strahlen auch auf unser Kerngeschäft ab. Denn auch dort, wo feste Strukturen, Prozesse und die Optimierung vorhandener Lösungen im Fokus stehen, wirkt die Dynamik der Digitalisierung.“

www.balluff.com

 

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