Hohe Erwartungen

Der Anspruch an den Arbeitsplatz steigt. Vor allem eine Sache ist Mitarbeitenden wichtig.
Illustration: Marcela Bustamante
Illustration: Marcela Bustamante
Olaf Strohm Redaktion

Personelle Vielfalt macht Unternehmen anziehend für Nachwuchskräfte, ergab eine Umfrage der Unternehmensberatung Deloitte unter mehr als 15.000 Arbeitskräften in zehn europäischen Ländern. Diese Heterogenität betrifft nicht nur Alter, Geschlecht, soziale oder ethnische Herkunft, sondern auch die Art, wie Mitarbeiter mit dem Unternehmen zusammenarbeiten: „Belegschaften bestehen aus Mitarbeitern verschiedener Altersgruppen und Beschäftigungsverhältnissen, die sich wiederum hinsichtlich ihrer Motivationen und Bedürfnisse unterscheiden“, so die Deloitte-Studie. Dies stelle Unternehmen vor neue Herausforderungen bei der Gestaltung einer „zielgruppenspezifischen Employee Experience“.

Was diese Herausforderungen angeht, sehen die Studienautoren Nachholbedarf in den Unternehmen. Laut ihrer Studie würden nur 16 Prozent der befragten Unternehmen Maßnahmen durchführen, die auf die Belange einer heterogenen Belegschaft eingehen. Ein Faktor wird in den Unternehmen besonders vernachlässigt: die Einbindung älterer Arbeitnehmer. Mitarbeiter über 55 Jahre brächten „große Motivation und Flexibilität“ mit, wie eine andere Deloitte-Studie zeigt. Ihre Zufriedenheit sei in nahezu allen Berufsgruppen größer als bei jüngeren Kollegen.

Danach wollen zwei Drittel der deutschen Befragten in der Altersgruppe 50plus bis 65 oder länger arbeiten. Sie sind offener für alternative Beschäftigungsmodelle wie Selbstständigkeit und Freelancing als die Jüngeren. Finanzielle Stabilität, ein umfassender Erfahrungsschatz, ein großes Netzwerk fördern bei Älteren die Bereitschaft, Neues zu wagen. Fazit: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen daher gezielt um ältere Talente werben und erfahrene Mitarbeiter langfristig an sich binden. Dennoch, so Deloitte, bleibe dieses Potenzial vielfach ungenutzt. 

Attraktive Arbeitsbedingungen bilden die Basis, um Fachkräfte zu rekrutieren und langfristig zu binden. Aber was macht Attraktivität von Arbeit aus? Arbeitsplatzsicherheit und Gehalt sind laut Deloitte die beiden wichtigsten Faktoren. Direkt danach kommen Forderungen nach klaren Verantwortlichkeiten, effektiver Führung, einer vertrauensvollen Arbeitsatmosphäre und dem Sinn der Arbeit.

Und welche Fähigkeiten müssen Arbeitnehmende mitbringen? Welche Potenziale sind entscheidend für die neue Arbeitswelt? Fachliche Kenntnisse und Fertigkeiten reichen nicht aus – auch den Soft Skills kommt eine entscheidende Bedeutung zu. Gerade in der Digitalisierung rücken menschliche Kompetenzen wie Problemlösungsfähigkeit, Kommunikation und Teamwork in den Fokus, um die Chancen moderner Technologien zu maximieren. Diese Erkenntnis spiegelt sich jedoch nicht ausreichend unter Mitarbeitern wider: Während etwas mehr als die Hälfte der Befragten in Deutschland ihre fachlichen und technischen Fähigkeiten weiterentwickeln wollen, sehen nur etwas mehr als ein Drittel Veränderungsbedarf bei ihren Soft Skills.

Nicht zuletzt müssen auch die Führungskräfte umdenken. Um die zunehmend vielfältigen, heterogenen Belegschaften anzuleiten, brauchen sie mehr als Fachwissen. Auch für sie werden Soft Skills wie Einfühlungsvermögen und Flexibilität wichtiger.

 

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