Dienstlich unter Strom

Auch bei den Flottenmanagern kommt die Elektromobilität langsam an. Dabei stellt sich heraus: Das Image der Fahrzeuge spielt auch hier eine wesentliche Rolle.

Illustration: Mark Magnaye
Illustration: Mark Magnaye
Andrea Hessler Redaktion

Wasser predigen und selbst Wein trinken – kein schöner Zug. So berichtet die Deutsche Umwelthilfe regelmäßig, dass ausgerechnet Spitzenpolitiker wie etwa Minister von Bund und Ländern eine Vorliebe für hoch motorisierte Dienstwagen haben, die jede Menge Abgase ausstoßen und teilweise sogar den von der EU festgelegten EU-Flottengrenzwert für CO2 von 95 Gramm pro Kilometer deutlich überschreiten.

Anders die Profis in Unternehmen. Sie wissen die wirtschaftlichen Vorteile und den positiven Einfluss von Elektrofahrzeugen auf das Unternehmensimage und das Employer Branding zu schätzen. Mobilitätsangebote mit einer Kombination aus diversen Komponenten wie etwa Elektroautos, E-Bikes und Jobtickets zählen zu den beliebtesten Job-Goodies, wie die Benefit-Spezialisten der Lurse AG in einer aktuellen Studie festgestellt haben.

„Die Elektromobilität ist ein zentraler Bestandteil unserer Nachhaltigkeitsstrategie“, erklärt Cornelia Kriegisch, die als Projektverantwortliche bei der Randstad Gruppe Deutschland die Umstellung auf E-Mobilität koordiniert. „Als Bestandteil unserer ‚Road to Net Zero‘ werden wir unsere gesamte Fahrzeugflotte auf E-Antrieb umstellen. Die ersten Schritte haben wir bereits erfolgreich begonnen“, so Kriegisch. „Die Resonanz bei unseren Mitarbeitenden ist sehr positiv, der Wille und die Bereitschaft, die E-Mobilität gemeinsam umzusetzen, ist groß.“ Das habe schon die erste firmenweite Befragung dazu im Jahr 2022 gezeigt.

Auch die Telekom-Flotte – laut der für den Fuhrpark zuständigen Konzerntochter Telekom Mobility Solutions (TMS) sind das 23.000 Dienst- und Geschäftsfahrzeuge – fährt bald komplett elektrisch. Olga Nevska, Geschäftsführerin von TMS, bezeichnet das Verbrenner-Aus als einen „wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur nachhaltigen, vernetzten und bedarfsgerechten Mitarbeitermobilität“. Mit 33 rein elektrischen Modellen im Portfolio sei für jeden etwas Passendes dabei. Allerdings beklagten die Beschäftigten die aktuell langen Lieferzeiten und unangekündigten Ausstattungsänderungen durch die Hersteller.

Nicht nur internationale Konzerne, auch Mittelständler können mit dem Angebot von E-Fahrzeugen bei ihren Mitarbeitern punkten. „Ich nutze nun bereits mein zehntes Elektroauto in Folge, und das sowohl privat mit vier Kindern als auch dienstlich. Bei den aktuellen Reichweiten und mit der richtigen Planung bei den Ladezyklen kommt man ganz einfach nach einem Termin zu einem optimal geladenen Auto zurück. Außerdem kann ich damit meine private Mobilität nahezu kostenlos gestalten. Besser geht’s nicht“, ist Steven John Grabow überzeugt, Mittelstandsberater beim Kölner Leasing-Spezialisten Abcfinance.

Sein Kollege Jan Königshofen gibt zu bedenken, dass neben den reinen Fakten bei der Entscheidung für ein Elektroauto wie Reichweite und Verfügbarkeit von Lademöglichkeiten auch eine „gefühlte Wahrheit“, geprägt von Emotionen, entscheidend sei. Es könne einen großen Unterschied machen, ob man Mitarbeitern einen Kia e-Niro, einen Renault ZOE oder aber einen imageträchtigeren Audi e-tron oder Tesla zur Verfügung stelle. Wichtig sei in jedem Fall, den Umstieg auf E-Autos nicht gegen die Belegschaft zu unternehmen, sondern die Kollegen ins Boot zu holen.
 

Nächster Artikel
Wirtschaft
Dezember 2023
Alexander Krutzek ist seit 2008 CEO des Familienunternehmens Finder.
Beitrag

Ein klangvoller Name

Finder ist Spezialist für elektronische und elektromechanische Produkte für den Wohn- sowie Industriesektor – ein Blick auf 40 Jahre Firmengeschichte